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Le jeune Ahmed - Kritik und Trailer zum Film

Die belgischen Brüder Dardenne widmen sich in "Le jeune Ahmed" der Geschichte eines 13-jährigen Schülers, der vom gewissenhaften Schüler unter dem Einfluss eines radikalen Imams binnen kurzer Zeit zum religiösen Fundamentalisten wird. Ahmed begeht eine Gewalttat und landet im Gefängnis. Mit seiner Tat und deren Konsequenzen ist der Pubertierende jedoch vollends überfordert.

Er sieht aus, als könne er keinem ein Haar krümmen: Der 13-jährige Ahmed ist schmächtig mit Kraushaar und Brille, ein bisschen zu ernsthaft und den normalen Pubertätsproblemen ausgesetzt. Und doch passiert etwas in dem jungen Muslim, das nicht nur sein Leben verändert. Für "Le jeune Ahmed" gewannen Jean-Pierre und Luc Dardenne in Cannes 2019 den Regiepreis. Am Freitag kommt ihr Film nun ins Kino.

Le jeune Ahmed - Kurzinhalt zum Film

Der Film konzentriert sich ganz auf seinen jungen Hauptdarsteller. Der Imam wird sein Ersatzvater, ein als "Märtyrer" gefallener Cousin sein Idol. Ahmed legt seinen ganzen Ehrgeiz ins Gebet. Bald kritisiert er seine Schwester für ihren Kleidungsstil und seine alleinerziehende Mutter dafür, dass sie Alkohol trinkt. Er stellt sich auch gegen seine liberale Lehrerin, deren Freund Jude ist. Er sei jetzt kein Kind mehr, rechtfertigt er seine plötzliche Weigerung, ihr die Hand zu geben. Als die Lehrerin ankündigt, künftig auch Arabisch-Stunden geben zu wollen, eskaliert die Sache: Nach Ansicht des Imam ist es nur erlaubt, mittels des Koran die Sprache zu lernen. Die Lehrerin wird zur Abtrünnigen erklärt, und Ahmed sieht die Stunde gekommen, in seinen persönlichen Dschihad zu ziehen.

Le jeune Ahmed - Die Kritik

Tatsächlich geht das belgische Brüderpaar ungewöhnlich vor: Es unternimmt keinen Versuch, die Innenwelt des fanatisierten Buben (hervorragend: Idir Ben Addi) transparent zu machen - etwas, was ihnen auch verschiedentlich von Kritikern vorgeworfen wurde. Sie beobachten jedoch genau, wie der junge Ahmed sukzessive in den Einfluss eines radikalen Imams gerät und zeigen Schritt für Schritt die Auswirkungen seines Hineinsteigerns in eine von Ge- und Verboten strikt reglementierte religiöse Vorstellungswelt, in der alles (auch ein Anflug erster Teenagerliebe) als Versuchung des Teufels interpretiert wird, die Gläubigen vom rechten Weg abzubringen. Und sie zeigen auch, wie wenig Einblick selbst die mit dem Buben befassten Psychologen und Sozialarbeiter in sein wirkliches Denken und Fühlen bekommen. Denn der junge Ahmed lernt schnell, dass Verstellung und Täuschung die einzige Taktik sind, um ans Ziel zu kommen.

Die Vorbereitungen des Buben für seinen Anschlag schmerzen den Zuschauer regelrecht, so sinnlos und gegen alle normale menschliche Empathie scheint sein Vorhaben gerichtet, von dem er sich auch durch ein erstes Scheitern nicht abbringen lässt. Ebenfalls beunruhigend ist die Tatsache, dass die Dardennes das Geschehen, dem sie nüchtern und ruhig folgen, in einer belgischen Kleinstadt, also in unserer scheinbar heilen westlichen Welt ansiedeln. Die Frage, ob man wirklich jedem Mitmenschen mit Offenheit und Grundvertrauen entgegentreten muss, wie man Zugang zu jemandem bekommt, der seine Gedanken und Gefühle radikal nach außen abschirmt, wird in dem Film mitten in unseren persönlichen, alltäglichen Umgebung gestellt. "Le jeune Ahmed" beantwortet die Frage nicht. Aber er stellt sie so, dass sie einem einiges zum Nachdenken aufgibt.

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(APA/Red)

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