Last-Minute-Reisen profitieren von der Krise

Trotz der Wirtschaftskrise boomen Last-Minute-Reisen. Zu diesem Schluss kommt das Münchner Marktforschungsinstitut ULYSSES - Web-Tourismus.

In der jährlich durchgeführten Last-Minute-Studie konnten die Marktforscher einen weiteren massiven Anstieg der Spontanreisen verzeichnen. Demnach war der Trend zu Reisen “auf die letzte Minute” 2008 noch deutlicher als alle Jahre zuvor sichtbar. Die Zahl der Buchungen stieg um rund 75 Prozent. Das Internet hat beim Vertrieb der Last-Minute-Reisen weiter zugenommen. 45,9 Prozent der Deutschen haben fast 20 Mio. Kurzfrist-Reisen online gebucht und damit das Reisebüro auf Platz zwei verwiesen.

“Wir konnten aus der repräsentativen Umfrage auch ablesen, dass drei Viertel der Deutschen inzwischen schon einmal Erfahrung mit Last-Minute Reisen gemacht haben. Die Tendenz ist weiter steigend”, so Studienleiter Dominik Rossmann im pressetext-Interview. “Obwohl die Reiseveranstalter alles daran setzten, den Spontanurlaub möglichst in Zaum zu halten um stattdessen lieber mit weiteren Rabatten Frühbucher zu gewinnen, konnten sie diesen Trend nicht aufhalten.” In der zweiten Jahreshälfte 2008 sei die Last-Minute-Reise richtig durchgestartet: Insgesamt haben rund 31,1 Mio. Deutsche ihren Urlaub “last minute” – also 14 Tage vor dem Abreisedatum – gebucht. “Das sind fast zwölf Mio. mehr als noch im Jahr 2007”, erklärt der Marktforscher. Damit haben die Zuwächse alle Prognosen und Entwicklungstrends weit übertroffen.

“Sehr erstaunlich war auch, dass die Deutschen beim Spontanurlaub nicht gespart haben”, so Rossmann. “Im Durchschnitt kostete eine solche Reise 2008 rund 554 Euro.” Insgesamt haben die Deutschen 23,9 Mrd. Euro für diese Art des Reisens ausgegeben. Das ist fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Auch für 2009 sei trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. “Die Deutschen lassen sich ihre Reiselaune nicht so leicht verderben”, sagt Rossmann und erklärt weiter, dass sich gerade in Zeiten eines schlechteren Konsumklimas häufig ein Anstieg der Last-Minute-Aktivitäten verzeichnen lasse. “Das lässt sich schlicht und einfach dadurch erklären, dass sich die Nachfrager abwartend verhalten und sensibler auf ihre klammen Haushaltskassen reagieren. Es wird einfach sehr spontan reagiert und lieber später gebucht”, so Rossmann.

Spanien blieb das Last-Minute-Ziel Nummer eins der Deutschen, gefolgt von Italien. “Beide Länder mussten zwar deutliche Marktanteilsverluste hinnehmen, konnten aber aufgrund der 2008 insgesamt sehr stark gestiegenen Zahl durchgeführter Last-Minute-Reisen ihre Absätze sowie auch die damit einhergehenden Umsätze steigern”, so Rossmann. “Insgesamt jedoch wuchsen sie deutlich unterproportional im Vergleich zum starken Anstieg im Last-Minute-Sektor.” Eine steigende Nachfrage gab es auch für Deutschland, Österreich und Ägypten, sowie Fernreisedestinationen, die vom niedrigen Dollar profitierten. “Dies wirkte sich auch auf die Spontanreisen in die USA aus, die 2008 erstmals wieder unter die Top-Ten der meist bereisten Last-Minute-Ziele wanderten.” Die Türkei schaffte es, die Verluste des Jahres 2007 wieder auszugleichen. Der große Gewinner im Mittelmeerraum war 2008 Ägypten mit mehr als zwei Mio. Spontanreisen.

“Die Reiseform Last-Minute entspricht genau den durch die Krise veränderten Bedingungen”, meint Rossmann. Deshalb könne man mit einem weiteren Wachstum rechnen. “Die wenigsten wollen und können langfristige Investitionen planen und sind allgemein in finanziellen Belangen unsicherer geworden.” Die Kurzfristigkeit einer Last-Minute-Reise erlaube es, spontan und je nach aktueller Lage und Möglichkeit zu buchen und erleichtere dem Urlauber somit die Entscheidungsfindung, auch in Krisenzeiten “Ja” zum wohlverdienten Urlaub zu sagen. Die Hauptzielgruppe für Last-Minute Reisen bilden nach wie vor Pärchen mit 33,8 Prozent sowie Alleinreisende.

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