Lamb - Kritik und Trailer zum Film

Debütregisseur Valdimar Jóhannsson zeigt in seiner Horrorparabel "Lamb" nicht nur das weite Island mit seinem endlosen Himmel, sondern vor allem Maria (Noomi Rapace) und Ingvar (Björn Hlynur Haraldsson), ein Bauernpaar in der Abgeschiedenheit, das Schafe züchtet. Dann gebiert eines Nachts ein Schaf ein Zwitterwesen aus Mensch und Tier - und die beiden nehmen es als ihr Kind in ihr Haus auf und nennen es Ada.

Der isländische Regisseur Valdimar Jóhannsson gibt mit dem nachdenklichen Avantgarde-Horrormelodram "Lamb", das er gemeinsam mit dem Texter und Björk-Kollaborateur Sjón geschrieben hat, ein beeindruckendes Spielfilmdebüt. In Cannes gewann er dafür die Sektion Un Certain Regard. "Lamb" ist ein einzigartiges Kunstwerk, das, wenn auch seltsam, über Verlust, Liebe und die Beziehung des Menschen zur Natur sinniert. Ab Donnerstag im Kino.

Lamb - Kurzinhalt zum Film

Der Film spielt in Jóhannssons Heimat Island, in der Nebelschwaden eine graugrüne, Bilderbuchlandschaft verbergen, die ein Gefühl der Unheimlichkeit vermittelt. Noomi Rapace ("Prometheus") und Hilmir Snær Guðnason spielen ein Bauernpaar, María und Ingvar, und der Film beginnt mit den titelgebenden Kreaturen. Wir beobachten, wie die Schafe blöken, fressen und in die kalte Winternacht hinausstarren. Von dort aus beginnt der von Jóhannsson und dem isländischen Dichter Sjón (der auch an Robert Eggers kommenden "The Northman" gearbeitet hat) mitgeschriebene Film eine Handlung, die man nicht kommen sieht und die ziemlich bizarr ist.

María und Ingvar leben ein ruhiges Leben. Etwas bedrückt sie, aber es ist noch nicht klar, was genau. Eines Tages helfen sie einem ihrer Schafe bei der Geburt. Nachdem das Lamm aus dem Mutterleib geschlüpft ist, nehmen sie, sichtlich gerührt, das Neugeborene in ihr Zuhause auf. Wohlgemerkt nicht als Haustier, sondern als ihr Kind, das gewickelt, gebettet und mit der Flasche gefüttert wird. In einer entzückenden Szene nehmen María und das flauschige Ding ein Bad.

Man sieht Ada, so ihr Name, für lange Zeit nie ganz, aber Marías und Ingvars Reaktionen bauen Spannung auf. Und dann erfahren wir die Wahrheit. Während das Kind den Kopf eines Lammes hat, ist sein Körper bis zu seinen Füßen halb Mensch, halb Lamm. Und während das ziemlich skurril erscheint, versteht man instinktiv, warum die beiden vor dem, was sie sehen, nicht weglaufen, sondern es in eine warme Decke wickeln und zärtlich wiegen. Eine Zeit lang geht das gut. Die frischgebackenen Eltern sind selig.

Dann taucht Ingvars Bruder Pétur (Björn Hlynur Haraldsson) auf und versucht, die Seifenblase zum Platzen zu bringen, indem er verständlicherweise nicht weiß, wie er reagieren soll, nachdem er seine neue Nichte kennengelernt hat. Er stellt die im Wesentlichen völlig berechtigte Frage: "Was zum Teufel ist hier los?"

Lamb - Die Kritik

Jóhannssons Film gibt keine einfachen Antworten. Er verbindet nordische Überlieferungen, Kinderlieder und religiöse Symbolik und ist nahezu wortlos, und die schön zurückhaltenden Darbietungen werden nur dadurch verstärkt, dass wenig gesagt wird. Dennoch schwingt eine Zeile mit: "Ada ist ein Geschenk." Das sagt María zu Pétur, und doch gibt es das unheimliche Gefühl, dass sie diesem geschenkten Lamm ins Maul hätten schauen sollen. Es ist nicht alles wohlig, was flauschig aussieht. Aber "Lamb" ist kein klassischer Horrorfilm, sondern das Melodram einer von Schmerz und Trauer geplagten Familie.

Die Sehnsucht, das Leben und die Liebe weiterzugeben, treibt María und Ingvar an, das halbmenschliche Lamm als ihr eigenes Kind zu akzeptieren und undenkbare Dinge zu tun, und Jóhannsson macht auch deutlich, dass sie keine Heiligen sind. Ihre Entscheidung, Ada in ihr Haus zu holen, ist weniger ein Akt der Gnade als vielmehr eine Entführung aus reinem Egoismus. Was es noch grausamer macht, ist, dass Adas leibliche, vierbeinige Mutter ständig vor Marías Fenster blökt. Jóhannsson untersucht die moralischen Folgen dieser Dynamik, getragen von unerwartetem Humor und einem meisterhaften Gespür für die Natur. Inmitten atemberaubender Weitwinkelaufnahmen der isländischen Landschaft drängt sich eine Horde von Ideen auf, wobei eine sich abhebt: Die Natur ist nicht von Grund auf bösartig, aber sie wird sich an jenen rächen, die sie für ihren persönlichen Vorteil ausbeuten.

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(APA/Red)

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