Laibach bekommt wieder eine Tito-Straße

Die slowenische Hauptstadt Ljubljana (Laibach) bekommt nach 18 Jahren wieder eine Tito-Straße. Der Laibacher Stadtrat beschloss am Montag, die künftige östliche Einfallstraße nach dem früheren jugoslawischen Präsidenten und Chef der Kommunistischen Partei Josip Broz Tito zu benennen.

Die neue Tito-Straße, die noch gebaut werden muss, wird vorbei an dem neuen Sportpark Stozice verlaufen, wie slowenische Medien berichten.

Der Vorschlag, eine neue Straße nach Tito zu benennen, stützte sich auf eine Meinungsumfrage, bei der sich fast 60 Prozent der Befragten damit einverstanden zeigten. Dennoch verlief die Benennung sowohl im Stadtrat als auch in der Öffentlichkeit nicht ohne Kontroverse. Stadträte aus der Slowenischen Demokratischen Partei (SDS) von Ex-Premier Janez Jansa protestierten, dass man damit bei Angehörigen der Opfer von “Titos außergerichtlichen Hinrichtungen” wieder alte Wunden öffnen werde, und boykottierten die Abstimmung, wie die Tageszeitung “Delo” schrieb.

Die Parteijugend der christlich-demokratischen Partei NSi (“Neues Slowenien”) versuchte, die Abstimmung mit einer Petition zu stoppen. Die Partei sammelte über 5.000 Unterschriften gegen die Benennung und übergab sie dem Laibacher Bürgermeister Zoran Jankovic. Laut der Partei gehört eine Straße mit Titos Namen nicht in die slowenische Hauptstadt. Dagegen stellte sich die junge Fraktion der regierenden Sozialdemokraten (SD): Sie übergab dem Bürgermeister ein Foto von Tito und unterstützte die Namensgebung.

Der Vorschlag für eine Tito-Straße in Ljubljana kam von Stadtrat Peter Bozic, nachdem die SDS im März gefordert hatte, dass alle Tito-Statuen in Museen verbracht und alle Tito-Straßen umbenannt werden sollten. Die SDS reagierte damit auf die Entdeckung eines Massengrabs in Slowenien Anfang März. Die bis zu 300 Toten dort sollen Ende des Zweiten Weltkriegs von der kommunistischen Regierung Jugoslawiens ermordet worden sein.

Bozic argumentierte, er finde es nicht richtig, dass die Slowenen bisher die Erinnerung an all ihre früheren Machthaber, von Kaiser Franz Joseph bis Tito, erfolgreich ausgelöscht hätten. Ein Volk, das seine Geschichte lösche, sei es nicht wert, ein Volk zu sein, sagte Bozic laut “Delo”. Außerdem sei Tito der Träger der größten Tat in der Geschichte des slowenischen Volkes sei, des erfolgreichen Kampfes gegen die nationalsozialistische und faschistische Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Seine Brigaden hätten auch Ljubljana befreit, argumentierte Bozic. Unterstützung bekam er auch vom Laibacher Bürgermeister.

Zu kommunistischen Zeiten war die wichtigste Nord-Süd-Verkehrsachse durch Ljubljana nach Tito benannt. Im Jahr 1991, nach der Unabhängigkeit Sloweniens vom damaligen Jugoslawien wurde der durch das Stadtzentrum führende Teil in “Slovenska cesta” (Slowenische Straße) umbenannt, der nördlich davon gelegene in “Dunajska cesta” (Wiener Straße). Medienberichten zufolge gibt es in Slowenien zwölf Straßen und Plätze, die Titos Namen tragen.

Erst vor kurzem gab es auch in einer anderen ehemaligen Teilrepublik Jugoslawiens eine Polemik um Tito. Die Entdeckung des Massengrabs in Slowenien führte im benachbarten Kroatien zu dem Vorschlag, den Marschall-Tito-Platz in der Hauptstadt Zagreb umzubenennen. Pläne für ein Referendum zur Umbenennung des Platzes scheiterten jedoch.

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