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Lage in NÖ-Spitälern: "Wir brauchen jedes Bett"

Coronavirus: Personal großen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt.
Coronavirus: Personal großen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt. ©APA/HELMUT FOHRINGER (Symbolbild)
Die zweite Welle der Coronavirus-Pandemie wird für die niederösterreichischen Spitäler zunehmend zur Belastungsprobe. "Die Leute wissen nicht, wie wir zu kämpfen haben", betonte Erwin Schwaighofer, ärztlicher Direktor des Landesklinikum Scheibbs am Mittwoch bei einem Pressegespräch

"Das Virus wird durch soziale Kontakte und Dummheit übertragen und bringt uns an den Rand", hielt er fest und rief dazu auf, Hochrisikosportarten zu meiden: "Wir brauchen jedes Bett!"

Lage in niederösterreichischen Spitälern "sehr ernst"

"Die Lage in unsere Kliniken ist sehr ernst, es ist eine unglaublich herausfordernde Zeit", erklärte auch LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP). "Wir brauchen eine Trendwende bei den Infektionszahlen, die nur dann kommt, wenn sich alle an die Maßnahmen halten", appellierte er. Pernkopf habe "absolut kein Verständnis dafür", das Virus mit anderen Krankheiten zu vergleichen. "Ich habe es noch nie erlebt, dass wegen der Grippe Operationen verschoben werden mussten oder Intensivstationen überfüllt waren", hielt er fest.

Zweite Corona-Welle: Personal stoße an seine Grenzen

Die zweite Coronavirus-Welle sei aufgrund der um ein vielfaches höheren Zahl der Neuinfizierten auch nicht mit der im Frühjahr zu vergleichen, so der Politiker. Zwar habe man in den vergangenen Monaten weitere Beatmungsgeräte beschafft, das Personal stoße jedoch an seine Grenzen. "Niemand ist vor Unfällen oder plötzlichen Krankheiten gefeit. Es kann jeden treffen, der rasch eine Intensivbehandlung benötigt", betonte Pernkopf in Bezug auf die Bettenkapazitäten der Spitäler.

"Der Zustand der Patienten verschlechtert sich oft schnell und stellt die Stationen vor viele Herausforderungen", berichtete Oberarzt Martin Ursli. Auch die Einschulung von Kollegen aus anderen Abteilungen in kurzer Zeit gestaltet sich laut Stationsleiterin Angelika Köck als herausfordernd und resultiere in einem "riesigen Stresslevel".

"Kopfschmerzen und Müdigkeit am Dienstende sind vorprogrammiert"

Sowohl Patienten als auch Personal seien großen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Die Mitarbeiter tragen doppelte Schutzkleidung, unter der man viel schwitze. "Man kann nur zu bestimmten Pausen trinken, das macht müde", erklärte Köck. Weiters habe man bis zu vier Stunden lang FFP3-Masken auf, berichtete der diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger (DGKP) Georg Potzmader. "Kopfschmerzen und Müdigkeit am Dienstende sind vorprogrammiert", sagte er.

Die Erkrankten hätten nur die Spitalsmitarbeiter als Ansprechpartner, so Potzmader. "Für uns ist es schlimm, Patienten nicht so begleiten zu können, wie gewohnt", sagte Köck. Aufgrund der Isolationsbestimmungen dürften die Pflegekräfte die Hospitalisierten nicht auf gewohnte Art betreuen. "Am Bettrand zu sitzen ist für die Patienten wie ein zehn Kilometer-Lauf", erklärte Potzmader. "Corona-Leugner und das Herunterspielen der Krankheit sind ein riesiges Problem und unfair gegenüber Patienten und Mitarbeitern", unterstrich er.

(APA/Red)

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