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Kurz, der bessere Haider

©APA/GEORG HOCHMUTH
Gastkommentar von Johannes Huber. Auch der Bundeskanzler kann Stimmungen erfassen und sich danach ausrichten, wie kein anderer seiner Zeit. Das macht ihn so erfolgreich.

Schon Bruno Kreisky soll erkannt haben, dass Jörg Haider ein politisches Talent ist. Wie groß es wirklich wurde, hat der Sozialdemokrat nicht mehr erlebt. 1990, als er starb, war Haider kaum Landeshauptmann von Kärnten und noch nicht allzu lange FPÖ-Chef. Wie auch immer: Haider war eine extrem vielschichtige Persönlichkeit. Außerordentlich war seine Fähigkeit, Stimmungen zu erfassen und sich in weiterer Folge auch danach auszurichten. Selbst war er zunächst zum Beispiel für einen EU-Beitritt. Als er jedoch sah, dass er damit im Hinblick auf die Volksabstimmung darüber an der Seite von ÖVP und SPÖ nichts gewinnen kann, schwenkte er kurzerhand um – und mobilisierte so überzeugend dagegen, dass niemand an seiner Aufrichtigkeit zweifelte. Auch die ausländerfeindliche Politik entdeckte er erst Anfang der 1990er Jahre als echten Stimmenlieferanten; dann aber voll und vor allem hemmungslos.

Das zeigt, dass Jörg Haider weniger ein ideologiebesessener Politiker mit inneren Überzeugungen war, sondern vielmehr ein erfolgsgetriebener: Wie muss ich mich positionieren? Worauf springen die Menschen an? Das sind die alles entscheidenden Fragen für einen solchen Typ.

Heute kann das niemand so gut wie Sebastian Kurz. Auch in seinem Fall gibt es ein Beispiel, das das bestätigt: Als Integrationsstaatssekretär hat sich Kurz jahrelang abgemüht. Besonders gut ist er damit bei den Massen nicht gefahren, im Gegenteil. 2014 wies er darauf hin, dass sich viele Zuwanderer nicht heimisch fühlten in Österreich. Und zwar auch, „weil wir zu wenig Willkommenskultur haben“, wie er wörtlich sagte.

2015 schlug Kurz in Folge der Flüchtlingskrise den entgegengesetzte Kurs ein, statt Willkommenskultur forderte er die Schließung der Mittelmeerroute. Und zwar immer und immer wieder. In diesem Text geht es nicht darum, das moralisch zu bewerten, sondern einzig und allein darum, zu unterstreichen, wie sehr Kurz vor vielen anderen erkannt hat, was eine Mehrheit wirklich bewegt und wie wirkungsvoll-anpassungsfähig er sich dann gezeigt hat.

Mag sein, dass sich viele Politiker bemühen, so zu sein. Wollen und Können sind jedoch zwei Paar Schuhe. Wie einst Haider hat Kurz nicht nur den richtigen Riecher, er findet im Übrigen sogar noch eher als dieser die Botschaften dazu, die zum großen Wahlerfolg führt. Siehe Triumph bei der Nationalratswahl vor ziemlich genau einem Jahr.

Bemerkenswerterweise wird dieses Talent des Kanzlers von vielen roten und grünen Mitbewerbern noch immer unterschätzt. Sie meinen, dass von ihm nur diese eine Episode bleiben werde. Gut möglich jedoch, dass sie weitere Gelegenheiten bekommen, ihn zu studieren. Kurz steht nämlich nicht nur für diese eine Flüchtlingspolitik. Er hat sich auch schon vom Viktor-Orban-Verteidiger zum -Kritiker gewandelt. Und er scheint überhaupt zu fühlen, dass die Stimmung im Land wieder ein bisschen europafreundlicher wird. In seiner EU-Vorsitzfunktion kommt ihm das gelegen, da kann er versuchen, auch dem gerecht zu werden.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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