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Kurden-Mord vor 17 Jahren in Wien

Präsident Ahmadinejad, &copy EPA
Präsident Ahmadinejad, &copy EPA
Vor 17 Jahren wurde der kurdische Exilpolitiker Ghassemlou in Wien ermordet. Nun soll es angeblich neue Beweise geben - ausgerechnet gegen Irans Präsident Ahmadinejad.

„Nachdem es neue Beweise bezüglich der Ermordung des kurdischen Generalsekretärs der Demokratischen Partei Kurdistan – Iran (PDKI), Abdul Rahman Ghassemlou, vor 17 Jahren gibt, haben wir Grund, den Jahrestag heuer groß zu begehen“. Dies erklärte der Zuständige für die Parteiorganisation der PDKI im Ausland, Khosrow Bahrami, in Wien. Man wolle die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad „ein Terrorist an der Spitze des iranischen Staates stehe“, so Bahrami.

In dem Mordfall an dem kurdischen Exilpolitiker Ghassemlou, der vor 17 Jahren am 13. Juli in Wien ermordet wurde, sind die Aussagen des Zeugen „D“, der aus Sicherheitsgründen anonym bleibt, laut Bahrami „zu 100 Prozent identisch mit den Recherchen der österreichischen Polizei“. Damit gebe es keinen Zweifel, dass Ahmadinejad, der damals in einer Terrorgruppe aktiv gewesen sei, die außerhalb des Irans gegen iranische Oppositionspolitiker operiert hätte, an diesem Tag in Wien und an der Tat beteiligt gewesen sei.

Es gebe noch einen weiteren Zeugen, der zum damaligen Zeitpunkt in der iranischen Botschaft in Wien angestellt war, so Bahrami. Dieser habe, wie er einem Dritten erzählte, in der Tatnacht Ahmadinejad in der iranischen Botschaft bedient.

Aus Angst vor Repressalien in seiner iranischen Heimat habe er sich jedoch geweigert, Bahrami gegenüber seine Aussage zu wiederholen. Es gebe außerdem noch andere Leute, „die etwas zu sagen hätten“, aber „damit müsse man vorsichtig sein“, so Bahrami.

Polit-Mord in Wien


Im Sommer 1989 kam Ghassemlou zu geheimen Verhandlungen mit Vertretern der iranischen Regierung nach Wien. Am 13. Juli wurden er, sein Stellvertreter Abdullah Ghaderi-Azar sowie der in Österreich eingebürgerte Kurde Fadel Rasoul erschossen. Die mutmaßlichen Täter tauchten damals in der iranischen Botschaft unter und konnten schließlich unbehelligt ausreisen.

Der als „Zeuge D“ bekannte iranische Journalist, der nunmehr in Paris lebt, hat sein Wissen angeblich von einem der mutmaßlichen Attentäter, dem mittlerweile verstorbenen späteren General der iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran), Nasser Taghipour, mit dem der Zeuge bekannt gewesen sein soll.

Die österreichische Polizei wollte laut Bahrami „D“ verhören, dies sei ihr jedoch vom französischen Innenministerium nicht gestattet worden.

Bahrami war der Meinung, die österreichische Regierung „freue sich, dass sie ihn nicht verhören durfte“, denn ihr Interesse, in diesem Fall weiter zu ermitteln sei „gering“. Eine weitere Ermittlung „könnte politische Konsequenzen haben“ und auch den wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran könnte es schaden, so Bahrami.

Öffentlich erst im August

Der Grüne Parlamentarier Peter Pilz bestätigte auf Anfrage der APA, dass es neue Beweise im Fall der Ermordung Ghassemlous gebe, diese würden jedoch erst Anfang August der Öffentlichkeit vorgestellt. Pilz soll nach Medienberichten über den im Pariser Exil lebenden iranischen Ex-Präsidenten Abolhassan Bani-Sadr Kontakt zu „D“ haben.

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