Kunsthalle Wien zeigt aktuelle Kunst aus Kroatien

Kunst aus Ex-Jugoslawien muss nicht postjugoslawisch sein. Sie muss nicht ihre Geschichte aufarbeiten und keine politischen Botschafen absondern. Zumindest lautet so der Appell der kroatischen Kuratorin Leila Topic, die für den project space der Kunsthalle Wien eine Ausstellung unter dem Titel "Lighting out for the Territories" zusammengestellt hat.


Am Dienstagabend wird die Schau eröffnet und ist bis zum 25. Juni zu sehen. Zehn kroatische Künstler der mittleren Generation zeigen dabei Arbeiten, die sich nicht auf Politik reduzieren lassen und die dennoch alles andere als unpolitisch sind.

Der Titel zitiert sowohl Mark Twain als auch Laurie Anderson. “Es ist ein Aufruf an die Künstler, aus der Beschäftigung mit der eigenen Geschichte herauszutreten”, so Kunsthallen-Kurator Lucas Gehrmann beim APA-Besuch. Die meisten von ihnen wuchsen noch unter Tito auf, erlebten die zahlreichen Umbrüche ihres Landes und reflektieren auch die neue Ära kritisch. “Es sind neue Mächte da – die globalen des Neoliberalismus”, so Gehrmann: “Es gibt Frieden und Hotelketten.”

Diese Elemente sind auch in den in Wien gezeigten Arbeiten spürbar. Renata Poljak zeigt ein Foto, auf dem eine Frau den Ausblick von ihrem Balkon genießt – statt dem Meer ist da nun aber das Dach eines neuen Hauses. Jasenko Rasol spürt in seinen Fotografien kleinen, individuellen Orten, Gärten, Sitzgruppen und Relikten inmitten von Plattenbauten und neuer Städteplanung nach. Aber da ist auch Kunst ganz ohne osteuropäischen Kontext. Eine Fotocollage etwa, in die Sandro Djukic Selbstporträts an vielen Orten der Welt, mit vielen anderen Menschen über einen Zeitraum von sieben Jahren zusammengestellt und nach Hintergrundfarben sortiert hat.

Leila Topic, die am Museum of Contemporary Art in Zagreb arbeitet, zeigt ihr Ausstellungskonzept in mehreren europäischen Städten. Für Wien könne die Zusammenarbeit besonders fruchtbar sein, hofft man in der Kunsthalle. Das Museum in Zagreb richtete auch bereits eine Schau mit Wiener Künstlern aus. Doch trotz der geografischen Nähe berühren sich die Kunstszenen der beiden Länder eher wenig – da soll die Ausstellung “etwas anregen”.

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