Kundin überfallen: Bank muss Hälfte zahlen

Die Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA) muss einer Kundin, die von Räubern beim Besuch einer Filiale in Wien-Fünfhaus „ausspioniert“ und am Heimweg überfallen worden war, doch nur die Hälfte der Beute ersetzen.

Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat damit in einer außerordentlichen Revision das Wiener Oberlandesgericht (OLG) korrigiert, das der Bank noch das Alleinverschulden zugesprochen und die gänzliche Schadensgutmachung angeordnet hatte.

Bank ist zufrieden

BA-CA-Pressesprecher Tiemon Kiesenhofer zeigte sich am Dienstagnachmittag gegenüber der APA zufrieden mit dem Ausgang des Verfahrens und betonte, man werde die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Kunden und Angestellten – das Institut hatte dafür zuletzt acht Mio. Euro investiert – wie geplant umsetzen. „Vom Tisch“ seien allerdings der Einbau von Sicherheitsschleusen und das Abstellen von Wachpersonal für Kunden nach der Behebung größerer Geldbeträge, wie das OLG dies angeregt hatte.

Kundin hatte 28.000 Euro behoben

Die Kundin hatte nach telefonischer Terminvereinbarung in einer schon mehrfach ausgeraubten BA-CA-Filiale 28.000 Euro behoben. Dabei wurde sie von einem Mann beobachtet, der Mitglied einer auf so genannte Bankanschlussdelikte spezialisierten Bande war. Über ein Mobiltelefon beschrieb dieser auf der Straße wartenden Komplizen die Frau.

Nur 500 Meter bis zur Wohnung

Am Weg zu ihrer nur 500 Meter von der Bank entfernten Wohnung wurde sie von den beiden Männern ausgeraubt. Dabei hatte sie aus Sicherheitsgründen noch ihren Vater gebeten, sie zu begleiten. Die Täter sprühten den beiden Pfefferspray ins Gesicht.

Die Frau wandte sich an den Wiener Rechtsanwalt Eduard Wegrostek, der die Beute von der Bank zurück verlangte. Er hatte damit vor dem OLG zunächst durchschlagenden Erfolg.

“Bank muss ihre Kunden schützen”

„Die Bank ist nicht nur verpflichtet, ihre Mitarbeiter vor Überfällen zu schützen und zu diesem Zweck – wie es manchmal geschieht – Sicherheitsbeamte in den Filialen abzustellen, sondern auch ihre Kunden“, so das OLG in der Entscheidung 2 R 270/04x. Der Schutz der Kunden erstrecke sich nicht nur auf den Innenraum der Filiale, sondern auch außerhalb derselben auf den gefahrlosen Zu- und Abgang. Die BA-CA müsse dafür sorgen, „dass potenziellen Straftätern keine Möglichkeit des Ausspionierens von Opfern ermöglicht wird.“

Kundin hatte Teilschuld

Dem OGH ging das zu weit. Er erkannte eine „geteilte Verantwortung von Kundin und Bank“. So merkte er beispielsweise an, dass sich die Kundin auch mit einem Taxi heimbringen hätte lassen können.

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