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Kultur-Neustart: Mehr Teilnehmer bei Outdoorveranstaltungen, Abstandsregel wird erleichtert

Anschober und Mayer präsentierten die Lockerungspläne.
Anschober und Mayer präsentierten die Lockerungspläne. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Am Montag wurden Lockerungspläne für den Kulturbereich vorgestellt. Unter anderem wird die strikte Ein-Meter-Abstandsregel im Kulturbereich gelockert und bei Outdoorveranstaltungen dürfen mehr Personen teilnehmen.

Die strikte Ein-Meter-Abstandsregel wird im Kulturbereich ab Freitag teils gelockert - wobei dann von den Zuschauern ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen ist. Angehoben wird die mögliche Besucherzahl bei Outdoorevents ab 1. Juli. Diese Lockerungspläne für den Kulturbereich wurden am Montag von Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Neo-Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (beide Grüne) präsentiert.

Ein Meter Abstand als Grundregel bleibt bestehen

"Ein Meter Abstand gilt nach wie vor als Grundregel", unterstrich Mayer in der Pressekonferenz. Sollten die Sitze diesen in einem Haus nicht hergeben, müsse der seitliche Sitz freibleiben - die ventilierte Sitzverteilung in Form eines Schachbrettmusters werde damit möglich. Zugleich könne man unter bestimmten Umständen im Veranstaltungsbereich ab kommendem Freitag aber auch abweichen vom Sicherheitsabstand.

"Menschen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben und vier erwachsene Menschen, die gemeinsam eine Veranstaltung besuchen, dürfen nebeneinander sitzen", so Mayer. Hier orientiere man sich an den Regeln zur Gastronomie, die in der Freizeitgestaltung ohnedies oft zusammengehörten. So sollen auch Pausen und Pausenbüfetts bei Veranstaltungen möglich sein.

Lockerungen der Abstandsregeln nur mit Mund-Nasen-Schutz

Allerdings sei die Lockerung der Abstandsregel nicht ohne ein kleines "Opfer" möglich, so die am Mittwoch angelobte Kulturstaatssekretärin: "Wenn durch diese Regelungen der Abstand von einem Meter unterschritten wird, dann ist im Publikum der Mund-Nasen-Schutz zu tragen." Das sei selbstredend nicht der Idealzustand für das Kulturleben, aber: "Halbwegs gut besuchte Veranstaltungen mit Maske sind besser als fast leere Säle mit weit auseinander sitzenden Gästen ohne Maske."

Weitere Lockerungen bei Outdoorevents

Eine weitere Lockerung gibt es für Outdoorevents. "Für Outdoorveranstaltungen können wir schon jetzt mehr Publikum ermöglichen", kündigte Mayer an. Hier geht man über den bisher bekannten Dreisprung von 100 möglichen Besuchern ab 29. Mai, 250 ab 1. Juli und 500 respektive 1.000 bei Vorliegen eines Sicherheitskonzeptes ab 1. August hinaus. So sind im Freien ab 1. Juli bis zu 500 Gäste erlaubt, ab 1. August sogar 750 respektive 1.250, wenn ein Sicherheitskonzept erstellt wurde. Eine Maskenpflicht besteht outdoor übrigens nicht. "Da ist schon allerhand möglich", so Mayer.

Die genannten Zahlen bezögen sich dabei immer nur auf die Besucher und würden kein Personal oder keine Künstler umfassen. Zugleich gelten diese nur für Veranstaltungen mit fixen Sitzplätzen - ansonsten ist eine Obergrenze von 100 Personen festgelegt. "Mir ist klar, dass das strenge Auflagen sind, aber es ist einleuchtend, dass stehende Veranstaltungen schwerer kontrollierbar sind als jene mit fixen Sitzplätzen", so die Kulturstaatssekretärin.

Sicherheitskonzept muss bei jeweiliger Bezirksbehörde vorgelegt werden

Dabei wird im Kulturbereich ein erster kleiner Schritt in Richtung der Regionalisierung gesetzt. So ist das verpflichtende Sicherheitskonzept, das Veranstalter vorlegen müssen, die ab 1. August über 500 Gäste empfangen wollen, bei der jeweiligen Bezirksbehörde zur Bewilligung vorzulegen - die dann in ihrer Entscheidung auch die lokalen Infektionszahlen und die Lage des Gesundheitsbereichs berücksichtigen kann. "Das ist aber noch keine allgemeine Regionalisierung - wir haben sie nur in einem bestimmten Segment", unterstrich Anschober.

Bei der in der Branche heiß diskutierten Frage, unter welchen Rahmenbedingungen in den kommenden Wochen Proben möglich sind, setzt man indes stark auf die Eigenverantwortung der jeweiligen Institutionen, die entsprechende Vorsicht walten lassen sollten. Klar ist jedenfalls, dass auch auf der Bühne die Abstandsregel gegebenenfalls nicht gelten muss. "Wenn es die berufliche Tätigkeit erfordert - und das wird auf der Bühne so sein -, ist von dem einen Meter Abstand abzusehen", so Mayer. Diese Orientierung in Richtung Eigenverantwortung solle dann auch bei Filmdrehs gelten.

Verordnung regelt die nächsten drei Monate

Mit der jetzigen Verordnung regelt man die Bedingungen für die nächsten drei Monate. Die Frage für die Institutionen ist mithin, wie die Lage mit Saisonbeginn im September aussieht. Hier wolle die Regierung Mitte Juni nach einer umfassenden Evaluierung eine "erste Abschätzung in Richtung Herbst" geben, kündigte Anschober an. Zu konstatieren bleibe dabei aber immer: "Das Virus ist schwer planbar."

Noch nichts Genaues war am Montag ebenfalls zur Frage der Verlustabdeckungen für die einzelnen Betriebe zu hören. "Wir werden das evaluieren und schauen, wie die Häuser finanziell dastehen", verwies Mayer auf die kommenden Wochen.

Sport-Zuschauer bleiben ausgesperrt

Österreichs Spitzensport ist von den nächsten Lockerungsmaßnahmen der Regierung ausgenommen. Während ab 1. Juli bei Kulturveranstaltungen im Freien wieder bis zu 500 Personen zugelassen sein werden, soll etwa Fußball dann weiterhin ohne Publikum praktiziert werden. Das verkündete Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Montag auf einer Pressekonferenz.

"Für die (Anfang Juni startende, Anm.) Bundesliga haben wir eine eigene rechtliche Regelung verankert", meinte Anschober mit Blick auf die seit Mitte Mai geltende Verordnung für allerdings alle Mannschaftssportarten. Jene sieht bei Umsetzung eines strengen Präventions- und Hygienekonzepts die Austragung ohne Publikum vor und soll ungeachtet neuer Regelungen für den Kulturbereich weiter gelten. Dies auch, obwohl Anschober festhielt, dass eine "Lex Kulturveranstaltung" schon "rein rechtlich nicht zulässig" sei.

Lockerungspläne für SPÖ und NEOS tendenziell positiv

Die am Montag von Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Neo-Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (beide Grüne) angekündigten Lockerungsschritte im Kulturbereich ab Freitag treffen bei der Opposition auf eine grundsätzliche Zustimmung. In Summe positiv bewertet SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda die angekündigten Schritte, die sinnvoll und pragmatisch seien.

Unverständlich sei allerdings, weshalb die Regierung am alten Plan festhalte, die Öffnungsschritte anhand der Größe der Veranstaltung zu vollziehen. "Das wäre so, als hätte man die kleinen Schulen zuerst geöffnet, dann die mittleren und erst am Schluss die großen Schulen", so Drozda. Nicht die Größe, sondern die Möglichkeit, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, sollte hier der entscheidende Parameter sein. Und eine Klärung der dringenden Frage der finanziellen Absicherung stehe noch aus.

Auch NEOS-Kultursprecher Sepp Schellhorn zeigte sich hinsichtlich der präsentierten Lockerungen grundsätzlich erfreut. "Wir hoffen sehr, dass es im Sinne der Kulturschaffenden und der ganzen Kulturbranche in diesem Tempo weitergeht. Es braucht jetzt Planbarkeit und Perspektive." Zugleich mahnte auch Schellhorn die finanzielle Absicherung von Kunst- und Kulturschaffenden sowie von Veranstaltungen ein.

Zustimmung auch von der IG Autorinnen Autoren

Zustimmung kam am Montag ebenfalls von der IG Autorinnen Autoren. "Wir begrüßen die (nunmehr nachgereichten) ersten Lockerungen für den Kunst- und Kulturveranstaltungsbetrieb", so deren Geschäftsführer Gerhard Ruiss. Allerdings spreche man hier von "Wiederbeginn", nicht von "Wiedereröffnung". Es gehe gleichsam um eine Testphase, die sich noch Monate hinziehen dürfte: "Für Autorinnen und Autoren und Literaturveranstalter verbessert sich durch sie zunächst nur sehr wenig." Angesichts eines notwendigerweise zu prognostizierenden Besucherschwunds würden die meisten Literaturveranstaltungen nicht stattfinden. Am Kartenverkauf beteiligte Dramatiker oder Kabarettisten fielen weiterhin um einen nicht geringen Teil ihrer Einnahmen um. Ruiss erneuerte deshalb unter anderem seine Forderung nach Einrichtung eines Unterstützungsfonds für Autoren.

Geplante Lockerungen auch für Sportveranstaltungen

Das Gesundheitsministerium hat am frühen Montagabend betont, dass die allgemeine Öffnung von Veranstaltungen unter bestimmten Auflagen auch für Sportveranstaltungen gelten soll. Ausnahme bleibt die Fußball-Bundesliga, wo es eine eigene Vereinbarung gibt, wonach es vorerst Geisterspiele ohne Zuschauer geben wird.

Wie bei allen anderen Veranstaltungen erfolgt auch im Bereich Sport die Öffnung für Veranstaltungen gestaffelt, hieß es in einer Klarstellung des Ministeriums. Auch im Bereich der Hochzeiten und Begräbnisse sind Lockerungen in Arbeit, wann diese in Kraft treten sollen, blieb zunächst unklar.

Positive Resonanz auf neue Verordnung

Die von Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (beide Grüne) präsentierten Lockerungspläne ab 29. Mai finden positive Resonanz in der heimischen Kulturbranche. Die Salzburger Festspiele, der Musikverein und die Staatsoper arbeiten bereits an ihren neuen Programmen bzw. haben diese sogar schon angekündigt.

"Wir sind sehr erleichtert, dass durch diese Verordnung mehr Klarheit für alle Kulturveranstalter geschaffen wurde. Das macht Festspiele, die künstlerisch und wirtschaftlich Motor unserer Region sind, doch möglich", ließ Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) am Montagnachmittag verlauten. Die neue Verordnung ermögliche es den Salzburger Festspielen, die erst für 30. Mai angekündigte Entscheidung über die Abhaltung der Festspiele vorzuverlegen. Zwischen 1. und 30. August soll es rund 90 Vorstellungen auf "höchstens sechs Spielstätten" geben. Details sollen Anfang Juni bekanntgegeben werden.

Der Musikverein und die Staatsoper sollen laut "News"-online bereits im Juni mit einem kleinen Programm den Neustart versuchen. Und Burgtheaterdirektor Martin Kusej, der heute seine Saisonvorhaben für 2020/21 präsentierte, ließ die APA wissen: "Die heute angekündigten Lockerungen bzw. Rahmenbedingungen für den Probenbetrieb sind ein wesentlicher Schritt, um auf eine Wiedereröffnung des Burgtheaters im September hinzuarbeiten. Wir werden bei all unseren Maßnahmen natürlich dafür Sorge tragen, dass unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und später auch unser Publikum bestmöglich geschützt sind."

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(APA/Red)

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