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Kässpätzle im Orient

Christian Klien bereitet sich als Testpilot des BMW-Sauber Formel 1 Rennstalls auf den bevorstehendne Grand Prix in der Türkei vor.

Das Rennen in der Türkei ist mittlerweile ein Fixpunkt im Kalender. Uns Piloten lacht das Herz, denn Istanbul Park ist die mit Abstand beste und aufregendste der neuen Rennstrecken von Hermann Tilke. Es geht bergauf, bergab, es gibt blinde Einlenkpunkte und eine unglaubliche Kurve—Turn 8.

Speziell bei exotischen Schauplätzen geben unsere Physiotherapeuten besonders acht, was auf den Teller kommt. Ein schnelles Kebap am Abend ist da leider beim besten Willen nicht drin. Im BMW Sauber F1 Team arbeitet meist Josef Leberer unseren Menüplan aus. Er hat sich früher schon um mein Jugendidol Ayrton Senna gekümmert. Jo weiß ganz genau, welche Bedürfnisse welcher Pilot hat. Und so essen Nick Heidfeld, Robert Kubica und ich eigentlich immer drei Mahlzeiten direkt an der Strecke: Fisch, Gemüse, Reis oder Pasta. Das ganze wird passenderweise zubereitet von unserem Vorarlberger Caterer Joschi Walch. Da fehlt es uns an nichts.

Und damit keiner das Training am Klo verbringen muss, werden viele Zutaten gleich von daheim mitgenommen. Auch für die Getränke haben die Physios genaue Rezepte. Beim Rennen führen wir 0,8 Liter isotonische Drinks mit — eisgekühlt. Wenn‘s extrem heiß ist, hast du nämlich sonst um drei Uhr „tea time“. Beim Grand Prix verbrennen wir bis zu 1.500 kCal und verlieren 2‐3 kg an Gewicht. Daheim essen und trinken wir dann eigenverantwortlich. Denn mehrmals im Jahr müssen wir zum Fitnesscheck. Und beim Laktattest am Ergometer findet Jo ohnehin raus, wer gegessen hat wie ein Weltmeister.

Bemerkenswertes zum Türkei‐Grand Prix:

– Istanbul ist geografisch einzigartig. Die Rennstrecke liegt in Asien, der Formel 1‐Tross schläft aber überwiegend im europäischen Teil der Stadt. Anfahrtszeiten von 2 bis 3 Stunden über die Bosporus‐Brücke sind daher keine Seltenheit.
– Mein damaliger Teamkollege David Coulthard durfte zu PR‐Zwecken die Bosporus-Brücke mit dem Formel 1‐Auto überqueren. Prompt wurde er natürlich vom Radar geblitzt und musste 22 Euro Strafe zahlen. Hat er auch gemacht!
– Kurve 8 ist einzigartig in der Formel 1. Sie hat gleich drei Scheitelpunkte! Du fährt sie mit 250 km/h und sie nimmt anscheinend kein Ende. Über 8 Sekunden hängst du da mit bis zu 4.5 G Seitenbelastung drin. Am Ende des Rennens kann kaum einer noch den Kopf gerade halten.

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