Kroatien bekommt "Kapetan Dragan" doch nicht

Der in Australien lebende ehemalige serbische Milizenführer Dragan Vasiljkovic, besser bekannt als "Kapetan Dragan", wird nun doch nicht an Kroatien ausgeliefert.
Das Bundesgericht Australiens befand, dass Vasiljkovic in Kroatien keine “reale Chance” auf ein gerechtes Verfahren habe, berichteten serbische Medien am Mittwoch. Noch im Februar hatte ein Gericht eine diesbezügliche Beschwerde von Vasiljkovic abgelehnt und damit eine Auslieferung an Kroatien unterstützt.

Zudem entschied das Gericht nun, dass Vasiljkovic, der seit 2006 in Haft ist, aus dem Gefängnis entlassen wird. Damit werde aber noch bis Freitag gewartet, um den Anwälten, die Kroatien vertreten, Zeit für eine mögliche Berufung zu geben.

Vasiljkovic ist australischer und serbischer Staatsbürger. Aus Australien, wo er seit 1969 lebte, war er zu Beginn des Kroatien-Krieges 1991 nach Ex-Jugoslawien zurückgekehrt. In der Krajina, eine damals großteils von Serben bewohnten Region Kroatiens, bildete er eine serbische Freischärlereinheit, die in der lokalen Bevölkerung als “Rote Barette” bekannt war. Kroatien wirft ihm vor, zwischen 1991 und 1993 Morde an Zivilisten angeordnet zu haben. In Kroatien drohen ihm 20 Jahre Haft. Vasiljkovic räumte zwar ein, Kommandant serbischer Einheiten gewesen zu sein, negierte aber, Angriffe auf kroatische Zivilisten angeordnet zu haben.

In den späten 90er Jahren kehrte “Kapetan Dragan” (“Kapetan” bezeichnet sowohl den militärischen Dienstgrad Hauptmann als auch einen Flugkapitän, Anm.) erneut nach Australien zurück, wo er vor dem Krieg in Ex-Jugoslawien als Berufspilot tätig war. Bis zur Festnahme im Jahr 2006 lebte er dort unter dem Namen Daniel Snedden. Nach dem Krieg hatte sich Vasiljkovic aus dem öffentlichen Leben völlig zurückgezogen und sich humanitären Tätigkeiten gewidmet. Vasiljkovic hatte im Februar 2003 als Zeuge der Anklage im Prozess gegen den früheren jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgesagt. Er änderte dabei frühere, Milosevic belastende Aussagen beträchtlich ab. Die Anklage bezeichnete ihn daraufhin als “feindlichen Zeugen”.

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