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Kreuzritter

©APA/BARBARA GINDL
Gastkommentar von Johannes Huber. Beim Kreuz im Krankenhaus geht’s nicht um Religion. Sondern um einen politisch motivierten Kampf gegen den Islam. 

Mein Gott, ist das eine Aufregung, seit bekannt ist, dass im neuen KH Nord (Klinik Floridsorf) keine Kreuze in den Zimmern hängen: Dominik Nepp, der noch immer darum kämpft, als FPÖ-Chef bekannt zu werden, spricht von einer Unterwerfung gegenüber dem Islam. Der noch weniger bekannte nicht amtsführende ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch ortet eine unverständliche Entscheidung. Und zuletzt traten auch noch die beiden sehr bekannten Ministerinnen Karoline Edtstadler und Susanne Raab (beide ÖVP) auf, um ihren Unmut kundzutun.

Man kann sich nur wundern darüber, dass das Kreuz noch immer so wichtig ist: Laut einer Untersuchung, die die Akademie der Wissenschaften vor ein paar Jahren durchgeführt hat, dürfte es heute ungefähr noch gut 30 Prozent Katholiken geben in Wien. Der Anteil aller Christen an der Gesamtbevölkerung wird schon unter 50 Prozent gerutscht sein. Muslime brachten es in der Untersuchung – mit steigender Tendenz – auf 14 Prozent. Auf dem Weg zur größten Einzelgruppe waren aber nicht sie, sondern Konfessionslose.

Wie wird man also einen öffentlichen Raum einrichten, in dem sich alle wohlfühlen können? Man wird eher nicht das Zeichen einer Konfession wählen, sondern Formen und Symbole, die universell sind. So wie es zum Beispiel auch die Menschenrechte sind; auch sie sind allgemeingültig.

Wer dennoch um jeden Preis am Kreuz festhält, tut es unter Umständen aus ganz anderen Motiven. Es geht ihm darum, anderen etwas aufzuzwingen. Und zwar etwas, was schon für sich genommen zwei Seiten hat. Man denke nur an die Kreuzzüge oder die Inquisition. Oder den ganzen Antijudaismus. Womit wir bei einem anderen Punkt angelangt wären: Zu behaupten, das Kreuz sei das Zeichen eines christlich-jüdischen Erbes, wie es ÖVP-Integrationssprecherin Caroline Hungerländer tut, zeugt in Anbetracht all der Judenverfolgungen entweder von Unwissenheit oder von Unverfrorenheit.

Wahrscheinlich schwingt letzteres mit: Das Kreuz dient als Zeichen, das man gerade auch heute wieder Muslimen entgegenhalten kann; und zwar zur Abwehr. Aber das ist alles andere als eine religiöse Verwendung; es handelt es sich ausschließlich um eine politisch motivierte, eine kämpferische.

So wie Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache einst im Stile eines mittelalterlichen Missionars mit dem Kreuz in der Hand gegen die Errichtung eines Islamischen Zentrums in der Brigittenau auftrat oder „Pummerin statt Muezzin“ skandierte. Auch das hatte nichts mit Religion zu tun; im Gegenteil, Religion wurde nur für politische Zwecke missbraucht.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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