Kredite werden laut Unternehmern noch teurer

Roland Führer
Roland Führer ©Petra Spiola
Österreichs Unternehmen machen sich nichts vor: 87 Prozent der befragten Unternehmer rechnen in den nächsten Jahren mit höheren Kosten für Kredite. 70 Prozent erwarten Zinserhöhungen, 65 Prozent Aufschläge bei schlechter Bonität und 54 Prozent Kosten durch die Kapitalhinterlegungsvorschriften (Basel II bzw. III) der Banken.

Zudem erwartet mehr als ein Drittel (38 %) der Befragten, dass Banken durch Aufschläge versuchen werden, höhere Margen zu erzielen. Aber rosig dürften die Zeiten schon jetzt nicht sein: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmer (54 %) meint, dass sich die Kreditvergabepolitik im Vergleich zum Vorjahr verändert hat – und das nicht zum Positiven.

„Seit Krisenbeginn hat sich die Vergabepolitik nachhaltig gewandelt. Wesentlich ist, dass die Banken die Basel II-Bestimmungen nun strikter umsetzen. Im Hinblick auf Basel III und die damit zusammenhängenden verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken ist auch nicht von einer Lockerung auszugehen – eher wird sich ein neues Niveau der Normalität etablieren. Die Unternehmen scheinen sich dessen bewusst zu sein und wissen auch, dass eine gute Bonität immer entscheidender wird – insbesondere, wenn es um neue Kredite geht“, analysiert Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG.

Banken wollen Risiko reduzieren

47 Prozent der Befragten klagen, dass eine Kreditaufnahme heute schwieriger ist als vor einem Jahr. Für 36 Prozent hat sich nichts verändert. Allerdings: Schon vor einem Jahr haben 59 Prozent der Unternehmen bei einer vergleichbaren Umfrage die Kreditvergabe als restriktiv beschrieben. Aktuell führen die Unternehmen die Verschlechterung primär darauf zurück, dass die Banken ihr Ausfallsrisiko so gering wie möglich halten wollen (66 %) und auch die Basel II-Bestimmungen (23 %) strikt umsetzen. Für 39 Prozent wirkt sich dies in Form von schlechteren Kreditkonditionen aus. Dennoch meint knapp die Hälfte (49 %), dass die Kosten für Kredite in Summe noch immer akzeptabel sind, 32 % bezeichnen sie als hoch.
„Die Entwicklung des Zinsniveaus gewerblicher Kredite lässt sich nur schwer prognostizieren, wird sich aber eher nach oben orientieren. Dass die Unternehmen schon jetzt dieses Risiko im Sinne der unternehmerischen Vorsicht einkalkulieren, ist ein absolut positives Ergebnis. Insgesamt hat die Krise sicher auch dazu beigetragen, dass im oberen Management nun ein gesunder Pragmatismus Einzug gehalten und eine riskante Firmenpolitik an Attraktivität verloren hat, oder zumindest wohl überlegt sein dürfte“, so Roland Führer, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH.

Verhandeln zahlt sich aus

Trotz der eher trüben Aussichten, zeigen sich die Unternehmen kämpferisch. 55 Prozent geben an, dass sie beim Bankberater zäh verhandeln und auch die Konditionen „drücken“ würden. 30 Prozent probieren es zumindest – wenn auch ohne Erfolg. Nur 15 Prozent nehmen das Kreditangebot der Bank als gegeben an und verzichten gänzlich aufs „Feilschen“. Wer mit Banken verhandelt, dürfte also klar im Vorteil sein. „Beste Bedingungen mit Lieferanten und Kunden auszuhandeln ist das tägliche Brot von vielen Unternehmern und Geschäftsführern. Insofern ist nicht zu erwarten, dass sie damit aufhören, sobald sie die Schwelle einer Bank überschreiten. Als Kundenbetreuer würde ich einen positiven Eindruck von einem Unternehmer gewinnen, der die Konditionen in seinem Sinne gestalten will“, meint Roland Führer.

Kredite sind kein Wunschkonzert

Dass bei der Kreditvergabe nur harte Fakten zählen, will der Großteil der befragten Unternehmer nicht glauben. Auch käme es auf persönliches Auftreten und die eigene Überzeugungskraft an. Das Verhältnis zwischen Überzeugungskraft und harten Fakten schätzen 85 Prozent der Befragten mit 25:75 oder gar 50:50 ein. Roland Führer zu diesem Ergebnis: „Natürlich hat auch die Unternehmerpersönlichkeit einen gewissen Einfluss, doch ohne fundierte und aussagekräftige Unternehmensdaten dürfte selbst das überzeugendste Auftreten vergebens sein, denn keine Bank kann Kreditentscheidungen ohne fundierte Basis treffen.“

Hohe Betreuungs- und Beratungskompetenz

Besonders unterstützt fühlen sich die Befragten im Umgang mit der Bank durch den eigenen Kundenbetreuer. 73 Prozent loben die kompetente Beratung, 71 Prozent die laufende Betreuung und auch die Abwicklung sei flexibel (67 %). Für 65 Prozent der Unternehmer ist der Verwaltungsaufwand im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Bank akzeptabel, 62 Prozent berichten von schnellen Entscheidungen und 51 Prozent von einer raschen Bereitstellung der Geldmittel. Jedoch nur ein Viertel der Teilnehmer ist zufrieden mit den Informationen zum Thema Ratingverbesserung. „Dies ist insofern kein gutes Zeichen, als die Bonität der Unternehmen – aufgrund von Basel II bzw. III – in Zukunft noch stärker die Kreditentscheidung bzw. die Konditionen beeinflussen wird als dies schon jetzt der Fall ist. Positiv ist, dass sich die Umfrageteilnehmer darüber im Klaren sind und darauf einstellen können“, so Roland Führer. „Unternehmen sind heute mehr denn je dazu aufgerufen, ihr Rating durch korrekte und vollständige Informationen aktuell zu halten.“

Ruhe vor dem Sturm?

82 Prozent verzeichnen eine bessere (39 %) oder gleich gute (43 %) Auftragslage wie im Vorjahr. Nur 18 Prozent klagen aktuell über eine Verschlechterung. Ähnlich schätzen sie die Dynamik in der Gesamtwirtschaft ein: 87 Prozent meinen, es laufe besser oder zumindest gleich gut wie im Vorjahr. Mehr als ein Drittel (35 %) möchte sogar krisenbedingt zurückgestellte Investitionen heuer oder im nächsten Jahr durchführen. Dies allerdings wohl kalkuliert: 28 Prozent sind heute vorsichtiger hinsichtlich Geschäftsrisiken als noch vor einem Jahr, für 66 Prozent hat sich nichts verändert und nur 6 Prozent setzen auf „no risk, no fun“. Die überwiegende Mehrheit der Befragten verzeichnet denselben Mitarbeiterstand (62 %) wie vor einem Jahr, 24 Prozent haben sogar neue Arbeitskräfte eingestellt. 14 Prozent haben Stellen abgebaut.

Hinweise zur Befragung: Die Umfrage „Wirtschaft und Finanzierung im Umschwung?“ wurde im September 2011 unter den Mitgliedern und Kunden des KSV1870 online durchgeführt. Es haben rund 1.100 Unternehmen teilgenommen.

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