Klimadashboard zeigt Klimakrise in Österreich und der Welt

Drei Wiener veranschaulichen mit dem Klimadashboard die Klimakrise.
Drei Wiener veranschaulichen mit dem Klimadashboard die Klimakrise. ©AP (Sujet)
Drei junge Wiener haben das Klimadashboard ins Leben gerufen. Damit soll ein Überblick über die Klimakrise in Österreich und der Welt gegeben werden.

Um wie viel Grad hat sich Österreich seit der eigenen Geburt erwärmt? Wieso hat Schlusslicht Oberösterreich einen signifikant höheren Ausstoß an Treibhausgasen im Vergleich zu Vorreiter Wien und wie setzen sich die Emissionen zusammen? Nachdem keine anschaulichen Antworten auf diese Fragen verfügbar waren, haben drei junge Wiener ihr Herzensprojekt selbst in die Hand genommen. Das Klimadashboard ist nun online gegangen und soll Durchblick im Datenchaos der Klimakrise bringen.

Wiener veranschaulichen die Klimakrise mit Klimadashboard

"Es ist wahnsinnig schwierig, sich vorzustellen, wie die Klimakrise die Erde noch beeinflussen wird", sagte einer der drei Datenwissenschafter hinter der Seite, PhD-Student Johannes Stangl (27). Denn nur mit Zahlen am Papier könne man viele Menschen nicht abholen, sind sich auch die beiden weiteren Mit-Initiatoren, Adrian Hiss (27) und David Jablonski (23), sicher. Es brauchte daher eine einfache und optisch ansprechende Aufbereitung der Datensätze von Umweltbundesamt, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), Statistik Austria und anderen Quellen.

Auch das Klimaschutzministerium empfiehlt die Seite der drei Datenwissenschafter, die unter https://klimadashboard.at/ erreichbar ist. "Das #Klimadashboard bietet einen guten Überblick über unsere #Klimakrise", schreibt das Ministerium dazu auf Twitter.

Dashboard als "Übersetzungshilfe" für Wissenschaftler

Ihre Arbeit sei wie eine "Übersetzungshilfe" für Wissenschafter, sagen die Macher. Die "interaktiven und wiederverwendbaren Visualisierungen zu Emissionsdaten, Temperaturtrends und Lösungsindikatoren" sollen die drastische Lage für alle Menschen mit nur einem Klick sichtbar machen, wie sie die Aufgabe des Dashboard selbst beschreiben.

So sieht man im Dashboard nicht nur die - für Laien im Vorfeld sicherlich nicht erwartbare - Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen seit 1850. "Österreich gehört zu den früh industrialisierten Ländern und stößt daher schon lange Treibhausgase aus", so die Beschreibung zur Grafik. Auch lernt man, dass pro Tag im Schnitt 100 Ölheizungen getauscht werden müssen, damit wie von der Regierung beabsichtigt, bis 2035 alle Ölheizungen im Land getauscht werden.

"Um die Klimakrise nicht zur Klimakatastrophe werden zu lassen, braucht es Daten zu Herausforderungen, Auswirkungen und Lösungsansätzen", so Jablonski, der bereits für das Sozialministerium als Webentwickler am Impfdashboard gearbeitet hat. Während der Corona-Krise haben die Freunde nicht nur gemerkt, wie groß der "Datenhunger" der Öffentlichkeit und der Medien im Bezug auf die Pandemie ist, sondern auch, wie wichtig gut zugängliche und frei verfügbare Zahlen und Fakten sind. Deshalb solle ihr Projekt, an dem sie neben Studium oder Job ausschließlich in ihrer Freizeit arbeiten, niemals kommerziell werden. Medien sollen ihre Daten genauso kostenfrei übernehmen wie Schüler und Schülerinnen, die sich auf eine Präsentation im Klassenzimmer vorbereiten.

Trio lernte sich durch "Fridays for Future" kennen

Kennengelernt haben sich die drei Männer bei ihrem Einsatz bei den Klimaschutzaktivisten von "Fridays for Future". Stangl ist einer der Mitbegründer des österreichischen Zweigs. Aktionismus brauche es aber beim Klimadashboard gar nicht, auch wenn die Auswahl der Daten natürlich selbst einen bestimmten Fokus vorgibt. "Wir halten die Texte aber sehr neutral. Auch so kommt die Schwere der Krise gut zum Ausdruck", sagte Jablonski.

Für die Zukunft wünschen sich die Datenaktivisten einen schnelleren und besseren Zugang zu Daten. Gewisse österreichweite Auswertungen werden erst mit mehrjähriger Verzögerung veröffentlicht. Zudem sollen zahlreiche weitere klimarelevante Themen im Dashboard grafisch aufbereitet werden, etwa die immer häufiger werdenden Hitzetage im Sommer oder die dramatische Gletscherschmelze in Österreich und der Welt.

Idealerweise werde die Arbeit künftig auch auf deutlich mehr Schultern verteilt, so das Team. Und die ersten, sehr zahlreichen und nahezu ausschließlich positiven Rückmeldungen zu ihrem Klimadashboard geben ihnen Mut, dass sich bald noch mehr Mitstreiter und Helfer finden. Denn es sollen auch wieder andere Dinge in den Vordergrund treten dürfen: "Am liebsten würde ich ja Hyänen in Kenia hinterherlaufen, um ihr Sozialleben zu studieren", schmunzelte Hiss, Student der Neuro-, Verhaltens- und Kognitionsbiologie.

(APA/Red)

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