Kletterprofis erledigen Baumarbeiten am Ring

Nicht immer ist die Arbeit der Stadtgärtner so spektakulär, wie wenn die Kletterprofis zum Einsatz kommen.
Nicht immer ist die Arbeit der Stadtgärtner so spektakulär, wie wenn die Kletterprofis zum Einsatz kommen. ©APA/ Georg Hochmuth
Morsche Äste in der Baumkrone sind ein Fall für die Kletterprofis des Stadtgartenamtes. Am Dienstag arbeiteten mehrere Profiseilkletterer an der Wiener Ringstraße und gaben dabei einen kleinen Einblick in ihren Arbeitsalltag. Der Beruf wird hauptsächlich von Männern ausgeübt, in Wien sind nur zwei Frauen in diesem Bereich tätig.
Kletterprofis im Einsatz
Wie viele Bäume am Ring müssen gefällt werden?

“Der Aufstieg ist das krafttechnische Highlight”, sagt Clemens Pistracher mit Blick auf seinen Kollegen Michael Jezek. Der ist gerade damit beschäftigt, sich via Seil in die Krone eines Baumes an der Wiener Ringstraße zu hieven, um morschen Ästen mit Hand- und Motorsäge endgültig den Garaus zu machen. Was wie Showakrobatik aussieht, ist für die beiden Männer Arbeitsalltag: Pistracher und Jezek sind zwei von rund 30 Profiseilkletterern, die die städtischen Holzgewächse ordnungsgemäß stutzen.

Kletterprofis arbeiten immer in Dreierteams

Üblicherweise begeben sich die Stadtgärtner weniger spektakulär, mit Hilfe von Hebebühnen, ins Geäst. Wenn die Baumriesen allerdings mit schweren Maschinen nicht oder nur äußerst schwer zugänglich sind, rücken die Seilspezialisten an. Gewerkt wird üblicherweise im Dreierteam, wobei einer kraxelt und sägt und die beiden anderen für die Sicherung am Boden zuständig sind – also beispielsweise Passanten von der Gefahrenzone fernhalten.

Sicherheit steht bei der Arbeit an erster Stelle

Was den Ring-Baum vor dem Rathauspark angeht, müsse ein Ast “eingekürzt” werden, da dieser nicht mehr “bruchsicher” sei und möglicherweise auf die Straße bzw. den Geh- und Radweg fallen könnte, erklärt Jezek – mittlerweile seit zwei Jahren mit Seil und Säge für die Stadtgärten im Einsatz – der APA. Vor seinem Arbeitsausflug ins Blätterwerk wirft er das sogenannte Wurfseil, an dessen einem Ende ein mit Bleikugeln gefülltes Säckchen befestigt ist, per Hand in Richtung Krone. “Bei großen Bäumen mit bis zu 35 Metern Höhe benutzen wir dafür eine Art Steinschleuder”, sagt Kollege Pistracher.

An das Wurfseil, dem eine stabile Astgabel als Angelpunkt hält, wird dann das eigentliche Kletterseil befestigt. Ist das erledigt, zieht sich der Seilprofi mittels Fußklemmtechnik nach oben und startet – ausgestattet mit schnittsicherer Kleidung, Gehör- und Augenschutz sowie Helm – mit der Sägearbeit, zuerst mit einem Fuchsschwanz, dann mit einer ebenfalls per Seil hochgezogenen Motorsäge. Dabei liegen die Pflegearbeiter eher in den Ästen als sie sitzen, weil so die Gefahr deutlich vermindert wird, dass der Ast abbricht und der Kletterer abstürzt. Denn trotz Sicherung sei es äußerst gefährlich, wenn man beispielsweise gegen den Baumstamm kracht.

Baumarbeiten können mehrere Tage dauern

Jezeks diesmaliger Einsatz dauert lediglich eine gute Viertelstunde. Durchschnittlich sind die Kletterer zwei bis drei Stunden auf einer kleinen bis mittelgroßen Pflanzen unterwegs. “Bei wirklich großen Bäumen kann es aber auch zwei Tage lang dauern”, wobei sich dann zwei Seilakrobaten zwischen den Blättern tummeln, so Pistracher. Körperlich geht das Kraxeln ordentlich an die Substanz: “Einen Acht-Stunden-Tag spürt man absolut.” Begegnungen mit Wespenschwärmen oder Fledermäusen sind zwar selten, kommen aber durchaus vor.

Nur zwei Frauen üben diese Tätigkeit in Wien aus

Insgesamt werken rund 30 Seilkletterer für die Stadt, wobei sich mit zwei aktiven Frauen der weibliche Anteil sehr in Grenzen hält. Laut Baumkontrolleur Günter Berger ist für den Job eine dreistufige Ausbildung nötig, die allerdings nur an wenigen Standorten in Österreich angeboten wird. Gelernt werden dort nicht nur Seiltechnik und der Umgang mit Sägen, sondern auch die Handhabung von Steigeisen, welche bei Baumfällungen zum Einsatz kommen. Zwischenfälle bei der täglichen Arbeit seien sehr selten: “In den vergangenen Jahren hatten wir überhaupt keine Unfälle”, versichert er der APA.

 Was an den jeweiligen grünen “Patienten” überhaupt zu tun ist, weiß ein in den jeweiligen Stamm implantierter Chip. Schließlich sind alle etwa 100.000 Straßenbäume in einem Kataster erfasst, was Standort, Größe, Art, Alter und Zustand betrifft. Aktualisiert werden die Daten von zwölf Kontrolleuren. Sie tragen auch die notwendigen Pflegemaßnahmen ins System ein, die dann von den zuständigen Teams erledigt werden, erklärt Baumprüfer Gregor Schmidt. Er selbst bringt es auf etwa 9.000 Kontrollen pro Jahr, sagt er nicht ohne Stolz. (APA)

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