Kinderliga fordert "Kindermilliarde" und lobt offene Schulen

Kinder sind in der Coronapandemie besonders betroffen.
Kinder sind in der Coronapandemie besonders betroffen. ©APA
Die Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen ist während der Pandemie gewachsen, stellte die Kinderliga am Mittwoch in einer Pressekonferenz fest. Daher forderte sie eine "Kindermilliarde" sowie ein eigenes Kinderministerium.

Ein Kinderministerium und eine "Kindermilliarde" hat die Österreichische Kinderliga in einer Pressekonferenz am Mittwoch gefordert. Damit sollen gesellschaftliche Defizite, die durch die Coronapandemie noch deutlicher wurden, ausgeglichen werden. Auf die existierende Chancenungleichheit wurde auch in dem heute präsentierten Bericht zur Kinder- und Jugendgesundheit 2021 hingewiesen. Die Entscheidung, Schulen während des Lockdowns offenzulassen, wurde grundsätzlich gelobt.

Österreich werde in Zukunft nur stark sein, "wenn wir möglichst viele Kinder in die Mitte nehmen und wir in deren Talente und Ressourcen investieren", ist Präsident Christoph Hackspiel überzeugt.

Kinder als vulnerable Gruppe

Dass Kinder und Jugendliche eine vulnerable Gruppe seien, zeichne sich in der Pandemie ab. Mit dem Coronavirus infiziert würden sie zwar kaum schwerwiegende Erkrankungen entwickeln, allerdings durch Lockdown, Schulschließungen und Distance-Learning Bildungschancen sowie soziale Kontakte verlieren, sagte der Präsident des Netzwerks mit mehr als 100 Mitgliedsorganisationen.

Abhilfe soll etwa ein Kinderministerium schaffen, das ressortübergreifend für die Interessen von Kindern und Jugendlichen eintritt. Mit einer "Kindermilliarde" sollen Defizite ausgeglichen werden.

Hackspiel begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung, Schulen trotz des Lockdowns offenzuhalten. Kinderliga-Vizepräsidentin Hedwig Wölfl sah allerdings Probleme dadurch, dass die Wahl, ob Kinder in Präsenzunterricht oder Distance-Learning geschickt werden, unter anderen bei den Eltern liegt. Beide Entscheidungen können schamhaft besetzt sein. Jedoch plädierte auch Wölfl für offene Schulen: "Kinder brauchen Gemeinschaft", stellte sie fest. Da viele Kinder und Jugendliche keinen ruhigen Platz zu Hause oder keinen internetfähigen Computer besitzen, hätten sich Bildungschancen verschlechtert, sagte Kinderliga-Geschäftsführerin Caroline Culen. Mehr Bildung wirke sich außerdem positiv auf die Gesundheit aus. Die Schule sei mittlerweile zur "Sehnsuchtswelt" geworden.

25 Prozent der Kinder leben in Armut

Doch auch schon vor der Corona-Pandemie hatten Kinder mit Ungleichheit zu kämpfen: 25 Prozent der Kinder leben laut Hackspiel in Armutsverhältnissen oder sind armutsgefährdet und haben somit schlechtere Startchancen im Leben. Um Kinderarmut abzuschaffen, fordert die Kinderliga unter anderem präventive Angebote, mehr Bildungschancen und attraktivere Arbeitsbedingungen im Kinder- und Jugendbereich.

Vehement kritisierten die Sprecher auch die fehlenden kostenfreien Therapieplätze. Kindern sei es in den vergangenen Monaten psychisch schlecht gegangen, sagte Wölfl, es gebe allerdings viel zu wenige kassenfinanzierte Psychotherapieplätze, in Psychiatrien seien nur noch Kinder aufgenommen worden, die suizidal oder schwersten Risiken ausgesetzt waren.

Schlechte Ernährung bei Kindern

Kassen-Kinderärztin Nicole Grois beobachtet außerdem einen Zuwachs an schlechter Ernährung und Entwicklungsdefiziten bei Kindern. Letztere führt sie darauf zurück, dass Kinder stundenlang vor dem Fernseher sitzen würden und wenig Interaktion mit den Eltern hätten. "Ich kann die Kinder nirgendwo hinschicken, weil es zu wenige kostenfreie Therapieplätze gibt", sagte sie etwa in Bezug auf Ergo-, Logo- und Physiotherapie. Es brauche mehr Beratungsangebote für Eltern in verschiedensten Sprachen. Im Gegensatz dazu gebe es aufgrund des Mehrs an Bürokratie und Patienten sowie eines Honorarsystems, das dem Beruf nicht gerecht werde, immer weniger Kassenärzte. Ihre Patienten, ein Großteil davon Migranten, könnten sich eine Privatversicherung allerdings nicht leisten.

(APA/Red)

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