Kika/Leiner-Mutter Steinhoff will sich 200 Mio. Euro beschaffen

Steinhoff hat sich 60 Mio. Euro beschafft.
Steinhoff hat sich 60 Mio. Euro beschafft. ©APA/HANS PUNZ
Der deutsch-südafrikanische Möbelhändler Steinhoff will sich zur Finanzierung seines Europageschäfts kurzfristig 200 Mio. Euro beschaffen. Der Konzern habe sich Unterstützung seiner Kreditgeber in Südafrika gesichert und erwarte noch in dieser Woche eine erste Tranche von 60 Mio. Euro, teilte das angeschlagene Unternehmen am Donnerstag mit.

Der Konzern bemüht sich nach eigenen Angaben, die nötigen Genehmigungen für die restlichen Tranchen zu erhalten. Steinhoff steht erheblich unter Druck, nachdem Zweifel an den Bilanzen vor allem im Europa-Geschäft aufgekommen waren. In Deutschland laufen seit längerem Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen gegen die Nummer zwei im weltweiten Möbelhandel hinter Ikea. Die US-Großbanken JP Morgan, Citigroup, Bank of America und Goldman Sachs haben insgesamt 700 Mio. Dollar (573,63 Mio. Euro) auf Finanzgeschäfte mit Steinhoff abgeschrieben.

Kika/Leiner kappte Zahlungen an Steinhoff

Kika/Leiner-Chef Gunnar George hat die sonst üblichen Zahlungen an die Mutter Steinhoff vorläufig gekappt, schreibt das Wirtschaftsmagazin “Trend” in einer Vorabmeldung. Bisher lieferten kika/Leiner die gesamten Einnahmen bei Steinhoff ab und bekamen dann 45 Mio. Euro an Liquidität, um den laufenden Betrieb zu finanzieren. Am 23. Dezember 2017 seien die Gelder laut “Trend” an Steinhoff überwiesen worden, die 45 Mio. Euro kamen aber am 27. Dezember nicht. In einer Notaktion verkaufte der kika/Leiner-Chef dann kurz vor Jahresende den Leiner-Flagshipstore in der Wiener Mariahilferstraße um kolportierte 50 bis 70 Mio. Euro an den Tiroler Immobilienmilliardär Rene Benko; der Signa-Chef soll nur drei Tage Zeit zur Entscheidung gehabt haben. In der Leiner-Filiale könnte Benko später einmal einen KaDeWe-Standort eröffnen. Der Mietvertrag von Leiner läuft aber noch bis 2030.

Steinhoff will Geldgeber in London treffen

Auch die Commerzbank gehört zu den Gläubigern des Steinhoff-Konzerns. Nach einem Bericht des “Manager Magazins” steht für das Geldhaus ein dreistelliger Millionenbetrag auf dem Spiel. Die Commerzbank wollte sich dazu nicht äußern, tatsächliche und potenzielle Kundenbeziehungen kommentiere die Bank grundsätzlich nicht. Der Ausblick für die Risikovorsorge im Gesamtjahr 2017 bleibe unverändert. “Sie dürfte bei rund 800 Mio. Euro liegen”, sagte ein Commerzbank-Sprecher.

Am 26. Jänner will Steinhoff laut dpa-AFX seine europäischen Geldgeber in London treffen. Mit einigen Gläubigern soll auch über ein Stillhalten gesprochen werden. Zudem hat man sich von Unternehmensteilen getrennt, um sich frisches Geld zu beschaffen. Den Weg des Versilberns will Steinhoff weiter verfolgen.

APA/Red.

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