Kühbauer: "Schiris werden mir abgehen wie Lungenentzündung"

Am Samstag geht im Mattersburger Pappelstadion die erfolgreiche Fußball-Karriere des 55-fachen Teamspielers Dietmar Kühbauer zu Ende.

Das Spiel am Samstag ist daher ein besonderes für den Routinier, der im Laufe seiner Karriere auch bei der Admira und Rapid sowie als Legionär in Spanien (Real Sociedad) und Deutschland (VfL Wolfsburg) sein Geld verdient und sich einen Namen gemacht hat. “Je näher es kommt, desto mehr geht mir durch den Kopf”, so Kühbauer. Immerhin habe der Fußball 20 Jahre lang sein Leben bestimmt. “Es wird schwer, das von einem auf den anderen Moment hinter sich zu lassen.”

Über seine Karriere zog der Mittelfeld-Regisseur eine positive Bilanz. “Ich habe mit einer Unterbrechung 20 Jahre in der obersten Liga gespielt, dass ist glaube ich nicht schlecht”, merkte Kühbauer an und fügte gleich hinzu: “Ich habe sehr viel erlebt, bin ein gebranntes Kind, bereue aber nichts.”

Highlights erlebte der 37-Jährige genug, so etwa den Meistertitel mit Rapid “im ausverkauften Happel-Stadion” oder das Cup-der-Cupsieger-Finale (0:1 gegen Paris St. Germain/beides 1996) sowie den ÖFB-Cupsieg mit Rapid (1995). Dazu stand er auch bei der WM 1998 in Frankreich, “bei der es nicht so gelaufen ist wie gewünscht”, im Aufgebot. Zudem führte der Routinier auch seinen jetzigen Club in die Bundesliga (2003). “Der Meistertitel mit Mattersburg war zwar nicht vergleichbar mit dem von Rapid, aber trotzdem etwas ganz Besonderes”, wies Kühbauer, der im August 2002 von Wolfsburg zu den Burgenländern gewechselt war, hin.

Mit Kühbauers Karriereende und dem wahrscheinlichen Abgang von Christian Fuchs (“Der Fuchsi hat sich sehr gut entwickelt, ich habe sein Talent schon gesehen, als er mit 17 Jahren gekommen ist. Ein Wechsel ist gut für ihn.”) steht beim SV Mattersburg nun ein Umbruch bevor. “Es wird schwer, die Rolle, die man gespielt hat, weiter zu spielen. Aber das wird jedem bewusst sein”, gab der 37-Jährige preis.

Tatsächlich hatte sich das Pappelstadion in den vergangenen Jahren sehr oft als “uneinnehmbare Festung” präsentiert, in der laufenden Saison haben die Burgenländer etwa vor eigenem Publikum nur eine Niederlage (Austria) hinnehmen müssen. 2007 hatten sie das Spieljahr gar auf dem sensationellen dritten Platz beendet, den Vizemeistertitel nur knapp verpasst. “In Mattersburg waren in der Vergangenheit alle großen Clubs mit einem Remis zufrieden, wir haben die Gegner oft an die Wand gespielt, ich glaube nicht, dass man in Zukunft mit so etwas rechnen kann”, so Kühbauer. In der Mannschaft gebe es aber einen guten Kern. “Jetzt können sich jene Spieler zeigen, die sonst nicht drankommen sind.”

Dem Fußball wird Kühbauer jedenfalls “über kurz oder lang” erhalten bleiben, vorerst möchte er jetzt aber “einmal nichts machen und entspannen”. “Ich habe 20 Jahr keinen wichtigen Sommerurlaub gehabt”, wies der Ex-Internationale, der derzeit die Trainerausbildung absolviert, hin. Bezüglich seiner Trainerlaufbahn “macht mir mein Name vieles leichter, aber ich will nichts geschenkt bekommen”. Deshalb müsse er auch zuerst kleinere Brötchen backen, sich erst alles verdienen. “Bei Rapid will jeder einmal Trainer sein, aber auch im Ausland”, gab Kühbauer Einblick in seine Wünsche und fügte hinzu: “Wenn ich eine Mannschaft übernehme, werde ich den Kader aussuchen.”

Die Voraussetzungen für den Trainerjob seinen bei ihm laut eigenen Angaben jedenfalls absolut gegeben. “Ich war immer ein korrekter Mensch und habe das Team als Spieler führen können”, meinte der 73-fache Erstliga-Torschütze (Österreich, Spanien, Deutschland) der glaubt im Gegensatz zu seiner Funktion als Spieler als Trainer entspannter zu sein.

Seine Ankündigung vor einigen Wochen, gerne einmal eine Schiedsrichterlaufbahn einzuschlagen, waren dagegen nicht wirklich ernst gemeint. “Einen Tag einmal dort zu sein, wäre aber schon ein Theater”, so Kühbauer, dem die Referees, mit denen er oftmals nicht einer Meinung war, nicht unbedingt fehlen werden. “Die Schiedsrichter werden mir genauso abgehen wie eine Lungenentzündung.”

Steckbrief Dietmar Kühbauer

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