Kein Zittern vor "worst case" - Salzburg marschiert weiter

4 Spiele, 4 Siege - Diese Bilanz weisen in der 48 Teams umfassenden Europa League nur Schachtjor Donezk und Red Bull Salzburg auf.
Aber während der ukrainische Titelverteidiger dank dieser Maximalausbeute bereits fix im Sechzehntelfinale steht, besteht für die Salzburger trotz des 1:0 am Donnerstagabend in Sofia gegen Lewski in Gruppe G noch die theoretische Gefahr des Scheiterns. Diese will man nun in vier Wochen im Heimspielschlager gegen Lazio Rom endgültig bannen, gegen die Italiener reicht dazu – vor möglicherweise vollem Haus – bereits ein Remis.

Der goldene Treffer durch Franz “Fränky” Schiemer in der 93. Minute nach weitem Einwurf von Christian Schwegler war nicht der erste späte Entscheidungstreffer des ÖFB-Meisters in dieser Saison. Für Trainer Huub Stevens ist das kein Zufall. “Glück kann man sich erkämpfen. Und das haben wir auch gegen Lewski gemacht”, bilanzierte Stevens, dessen Team in der Anfangsphase zahlreiche Großchancen und damit eine frühe Vorentscheidung vergeben hatte.

Die Maximalausbeute von zwölf Punkten bezeichnete Stevens als “unglaublich”. Nun will man gegen Lazio zumindest den nötigen Punkt erobern. “So einfach ist das. Aber wir sind noch nicht weiter, die Möglichkeit des Ausscheidens ist theoretisch noch da”, so Stevens. Salzburgs Aufstieg käme aber nur in Gefahr, wenn der sogenannte “worst case” eintreten würde und Salzburg und Lewski beide ausstehenden Partien (jeweils gegen Lazio und Villarreal) verlieren würden.

Dann hätten Salzburg, Lazio und Villarreal jeweils zwölf Punkte, und dann würde eine Dreier-Tabelle aus den direkten Duellen des Trios erstellt werden. In diesem Fall hätten alle drei Teams in dieser Tabelle sechs Punkte und damit würde das Torverhältnis aus diesen Spielen entscheiden.

Der Champions-League-erfahrene Ex-Bayern-München-Stürmer Alexander Zickler kann sich an ein ähnliches Szenario nicht erinnern. “Mit zwölf Punkten ist man normalerweise durch. Es wäre sehr, sehr bitter, wenn wir noch ausscheiden würden. Aber es liegt in unseren Händen, wir können es aus eigener Kraft schaffen. Am liebsten natürlich gegen Lazio vor eigenem Publikum”, hofft Zickler.

Für Zicklers deutschen Landsmann Dietmar Beiersdorfer, der so wie auch Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz in Sofia vor Ort war, war es ein gelungener Einstand auf seinem Posten als Sportdirektor, den er offiziell seit 1. November ausübt. “Es spricht für die Mannschaft, dass bis ganz zum Schluss der Wille dagewesen ist, das Tor zu schießen. Man kann das Glück auch ein bisschen zwingen.”

Für Beiersdorfer, der Stevens aus gemeinsamen Zeiten beim Hamburger SV sehr gut kennt, ist bei den Bullen bereits die Handschrift von Stevens zu erkennen. “Die Mannschaft steht sehr gut. Kein Gegentor zu kriegen, ist nicht zuletzt in internationalen Spielen sehr wichtig. Salzburg hat über Wochen und Monate eine gewissen Sicherheit etabliert, auch auswärts aufzutreten. Da ist schon seine Handschrift zu erkennen.”

Auf eine harte Geduld- bzw. Dopingprobe wurden nach Schlusspfiff Schiemer und Marc Janko gestellt. Das Duo saß bis 1.45 Uhr Ortszeit im Stadion und trank pro Mann rund fünf bis sechs Liter Wasser, alkoholfreies Bier und Limonade. “Ein großartiger Moment. Aber harte Arbeit für 70 Milliliter”, erklärte Schiemer nach der Erleichterung. Zu seinem Goldtor per Kopf meinte der Oberösterreicher: “Ich habe gewusst, dass Schwegler weit über die erste Stange hinaus einwerfen kann. Darauf habe ich spekuliert und den Ball nur noch reingedrückt.” Schiemer ist sich sicher, “wir werden zu Hause gegen Lazio den entscheidenden Punkt einfahren”.

Noch ein paar MInuten länger bei der Dopingprobe gebraucht hat Janko. Zuvor hatte der ÖFB-Teamstürmer in der Partie einige Topchancen vergeben. “Das hat mich gewurmt. Aber zum Glück ist der Fränky immer zur Stelle, wenn man ihn braucht.” Janko betrachtet das 1:0 in Sofia als “Riesenschritt, wir sind alle happy”. Ein Zittern gibt es nicht. “Wir gehen davon aus, dass wir auch das nächste Heimspiel gegen Lazio erfolgreich gestalten werden.”

(Von Alexander Hofstetter/APA aus Sofia)

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