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Kein Sex, nur Kuscheln: Kuschelpartys in Wien-Ottakring

Gemütliches Gruppenkuscheln: So sieht es bei einer Kuschelparty aus
Gemütliches Gruppenkuscheln: So sieht es bei einer Kuschelparty aus ©Andrea Kiss
Kuschelpartys sind ein Trend, der zwar nicht neu ist, aber immer mehr Akzeptanz findet - auch in Wien. Doch wie kann man sich das vorstellen, wenn sich wildfremde Menschen treffen, um sich im geschützten Rahmen zu streicheln, umarmen und miteinander zu kuscheln? VIENNA.AT hat Kuschelparty-Veranstalterin Andrea Kiss über die Hintergründe der ungewöhnlichen Veranstaltung befragt.

Kuschelpartys – wer den Begriff zum ersten Mal hört, denkt oft erst einmal an etwas Anrüchiges. Doch mit Schmuddeligkeiten hat das Treffen zum gemeinsamen Kuscheln nichts zu tun, wie Andrea Kiss, Veranstalterin der Kuschelpartys in Ottakring, im Gespräch mit VIENNA.AT gleich einmal klarstellt. Auch nicht um Grenzerfahrungen irgendeiner Art. “Kuscheln soll Freude bringen, es ist keine Therapie,” erläutert die Erwachsenentrainerin.

Aus den USA mitten ins Herz von Ottakring

“Aus dem Kopf, in den Körper”, lautet das Motto der Events, die etwa 1 bis 2 mal pro Monat in einem Seminarzentrum in der Hyrtlgasse in Ottakring veranstaltet werden. Kiss veranstaltet inzwischen seit gut drei Jahren Kuschelpartys – mit wachsendem Erfolg. Auf die Idee dazu bzw. den diesbezüglichen Geschmack ist sie gekommen, nachdem sie selbst eine Kuschelparty in Wien besuchte – und schlichtweg begeistert war.

Ihren Ursprung haben die Kuschelpartys eigentlich im Jahre 2004 in den USA, wo das Konzept im Rahmen eines Familientherapie-Modells für verheiratete Paare entwickelt wurde, die Eheprobleme haben und sich wieder näherkommen wollen. Der gravierende Unterschied zu den daraus entstandenen Kuschelpartys: Hier kuscheln Fremde miteinander.

Alle kommen zu Kiss kuscheln

Das Publikum bei Kuschelpartys ist laut Kiss bunt gemischt: von der 20-jährigen Studentin bis hin zum 80-jährigen Pensionisten ist hier alles vertreten. Auch ein Mann im Rollstuhl sei schon dabeigewesen. 90% der Teilnehmer sind allerdings laut Kiss Singles, die es oft besonders in der Stadt schwerer haben, positive Körperkontakte zu erleben. “Körperkontakt ist aber ein wichtiges Grundbedürfnis! Ein verbindendes Element, bei dem man das Gefühl erlebt, dazuzugehören. Wer kuschelt, fühlt sich verbunden statt psychisch isoliert – es stimmt optimistisch,” erklärt Kiss, worum es bei den Kuschelpartys geht. “Wir leben ja in einer Versingelungsgesellschaft heutzutage. Über 50% der Haushalte in Wien sind Single-Haushalte. Bei vielen ist das Repertoire an Körperkontakt begrenzt, Singles bekommen den schwieriger. Deshalb unter anderem die Kuschelpartys.”

Um gleich mit einem weiteren Irrglauben auszuräumen: Zur Partnervermittlung dienen Kuschelpartys auch nicht. Auch wenn es schon vorgekommen sein soll, dass sich einzelne Personen sympathischer waren und sich nach dem Kennenlernen beim intensiven Kuscheln auch nach der Veranstaltung getroffen haben. Wichtig ist laut Kiss, dass bei Kuschelpartys nichts Grobes oder Extremes passiert – es geht um behutsame Annäherung.

Das steht bei Kuschelpartys auf dem Programm

Was erwartet einen denn nun konkret beim Besuch einer Kuschelparty? Am Anfang steht eine Vorstellungsrunde, bei der man seinen Vornamen ebenso verrät wie alles, was man sonst noch loswerden möchte. “Zum Beispiel: Ich bin heute zum ersten Mal da und schon neugierig, wie es wird. Viele kommen aber auch wieder, weil es ihnen so gut gefällt. Etwa die Hälfte der 12 bis 24 Teilnehmer, die pro Termin kommen, ist nicht zum ersten Mal da,” freut sich Kiss über den großen Andrang.

Dann wird es ernst – oder auch nicht. Denn Kuschelpartys sind alles andere als eine steife, bierernste Angelegenheit. “Viele Teilnehmer sind besonders beim ersten Mal gehemmt und aufgeregt, aber das legt sich. Wenn sich die Anspannung löst, wird auch viel gelacht,” so Kiss. Damit dies gelingt, ist das erste Ziel bei einer Kuschelparty, den eigenen Körper wahrzunehmen und bei sich anzukommen. Musik hilft dabei, etwa Jazz oder esoterisch angehauchte Instrumentalmusik, zu der man sich am Beginn der Veranstaltung zu bewegen beginnt, um locker zu werden und sich auf die Begegnung mit den anderen Teilnehmern einlassen zu können.

Eine nicht ganz alltägliche Erfahrung

Dabei gibt es laut Kiss eine hohe Erfolgsquote: 99% der Teilnehmer sollen positive Erfahrungen bei Kuschelpartys machen. “Ich bekomme meistens das Feedback, dass es sehr gut tut. Viele sind richtig überrascht, wie schön sie diese neue Erfahrung erleben,” berichtet die Veranstalterin. Was nach dem anfänglichen Aufwärmen folgt, sind aufbauende Übungen, man solle sich laut Kiss “gut fühlen beim Übergang vom Fremdsein zum Vertrauten”. Ganz selten käme es Kiss zufolge vor, dass Teilnehmer entdecken, dass Kuschelpartys doch nicht das Richtige für sie sind – und sich verabschieden würden. Eine Begründung müsse natürlich nicht abgegeben werden, manche könnten sich eben schwer darauf einlassen.

Bei jenen die bleiben, finde dann behutsam und spielerisch die Annäherung statt, es ginge dabei um Aufmerksamkeit und Wahrnehmen der Berührung, darum, den “Berührungsraum zu erweitern”. In den Übungssituationen erlebe man Dinge, die im Alltag selten vorkämen – etwa, dass man von vier oder fünf Personen gleichzeitig umarmt werde. Weiter geht es dann mit Massageübungen. Auch hier gilt wieder: Ein Schelm, wer Erotisches dabei denkt.

Auch Kuscheln braucht Regeln

Denn es gibt laut Kiss klare Regeln, was bei einer Kuschelparty geschehen darf, und was nicht. “Es gibt kein Kuschel-Muss. Wir machen auch Ja-Nein-Übungen, bei denen es darum geht, herauszufinden, was für einen passt,” erläutert Kiss. Die detaillierten Kuschelregeln sind auf der Homepage zu den Kuschelpartys zu finden. Hier wird deutlich gemacht, was Kiss auch im Gespräch immer wieder betont hat: Ausziehen ist tabu, Sex sowieso, Berührungen an erogenen Zonen unerwünscht. Absichtslosigkeit lautet die Devise, vorbehaltlose Begegnung und Berührung stehen im Vordergrund.

“In vielen Übungen ist es gar nicht wichtig, wer einen berührt, ob Mann oder Frau, jung oder alt. Man kann und soll da auch Vorurteile abbauen und sich entspannen. Viele sind schüchtern, haben Berührungsdefizite, wir alle stehen unter einem enormen sozialen Druck. Man soll immer lustig und gut drauf sein, Männer müssen den großen Checker geben. Kuschelpartys nehmen den Sozialstress und sind eine friedvolle Erfahrung von Berührungen, die nähren,” beschreibt Kiss.

Wenn die Party ihren Höhepunkt erreicht

Eine Kuschelparty dauert drei Stunden – mit einer kurzen Pause, in der man sich beim gemeinsamen Tee und kleinen Snacks nach der intensiven Erfahrung stärken und auf die nächste Runde Kuscheln vorbereiten kann. Am Ende jeder Kuschelparty steht dann der “Höhepunkt”: 45 Minuten Kuscheln, wobei man gemeinsam in einem großen Matratzenlager liegt. Dabei klingt die Veranstaltung entspannt aus.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, muss sich aber erst einmal etwas gedulden: Kuscheln hat erst im Herbst wieder Saison. Derzeit herrscht Sommerpause. Dann ist man aber um wohlfeile 18 Euro (inklusive Snacks und Tee) wieder mit von der Kuschelparty-Partie – und kann eine Erfahrung machen, die man garantiert so bald nicht vergessen wird.

Update: Aktuell gibt es einen neuen Termin für Kuschelfreudige:

Donnerstag, 12. Jänner 2017, 19-22 Uhr
Therapiezentrum Hyrtlgasse, Hyrtlgasse 12/1, 1160 Wien

Infos und Anfragen können per Mail an Andrea Kiss gerichtet werden, auch telefonisch oder per SMS (0681/2029 4541) ist dies möglich.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, spontanes Erscheinen zur Kuschelparty ist willkommen.

(DHE)

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