"Karlsplatz-Saga" im Wien Museum

Eine "Karlsplatz-Saga in Fortsetzungen", so Dir. Wolfgang Kos, bietet das Wien Museum in seiner Ausstellung "Am Puls der Stadt. 2000 Jahre Karlsplatz", der "bedeutendsten stadthistorischen Ausstellung der letzten Jahre in Wien".

In 12 chronologisch angeordneten Zeitschnitten führt die Schau von der Naturlandschaft des Wienflusses u. a. über Römer, Mittelalter, Barock, die Metropolenwerdung Wiens um 1900 bis zum heutigen Kunstplatz und zeigt dabei die Veränderungen des Platzes. Erst mit dem Bau der Wienflussregulierung und der Stadtbahn erfuhr der Karlsplatz seine erste Platzgestaltung, bis heute ist er “kein eingefrorenes Stück Altwien”, so Kos, sondern ein Platz städtischer Pluralität, eine großstädtische Wegkreuzung, ein in ständiger Entwicklung befindlicher Ort. Die von Elke Doppler und Christian Rapp kuratierte Schau führt anschaulich durch den Zeitenwandel am Karlsplatz, der auch einen Spiegel der Entwicklung der Stadt Wien insgesamt darstellt. Als besondere Attraktion ermöglicht eine Kranfahrt die Sicht über den Platz. Die Ausstellung vom 29. Mai bis 26. Oktober, von Dienstag bis Sonntag und Feiertag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 6 Euro, am Sonntag 5 Euro, verschiedene Ermäßigungen. Die Kranfahrt kostet mit Eintrittskarte 2 Euro, ohne Eintrittskarte 5 Euro.

Durch 2000 Jahre Wiener Geschichte am Ort des heutigen Karlsplatzes führt eine einleitende Animation zur Ausstellung, die dem Besucher einen historischen Bogen als Grundlage für die folgenden 12 Zeitschnitte vermittelt, in denen die Entwicklung an den Ufern der Wien und später am Platz dem Betrachter anhand von Bildern, Dokumenten, Plänen, Modellen, Fotografien, Zitaten bekannter Persönlichkeiten, atmosphärischen Accessoires etc. zur spannenden Geschichte, zu einer urbanen Zeitreise wird. Am Anfang stand die Aulandschaft an der Wien, es folgten die Römerstraßen in den Süden, die mittelalterlichen Spitäler vor den Toren der Stadt, das Glacis als militärisches Exerziergebiet, der Bau der Karlskirche als habsburgische Machdemonstration, die Zeit, als das mit Alleen versehene Glacis zum Naherholungsgebiet der Wiener wurde. Erst mit der Gründerzeit, dem Ringstraßenbau und dann dem Bau der Stadtbahn und der Einwölbung des Wienflusses wurde die Gegend allmählich um Platz, wenn auch bis heute dieses Prädikat für den Karlsplatz umstritten ist. Gebäude wie das Künstlerhaus und der Musikverein entstanden, Otto Wagner plante hier und baute die Stadtbahn mit den bis heute Platz prägenden Stationsgebäuden, sein Entwurf für das Stadtmuseum wurde leider nie akzeptiert. Die Secession, Anfang des 20. Jahrhunderts als Symbolbau der Moderne entstanden, ist es bis heute geblieben. Die Veränderungen, die den Platz bis heute prägen, entstanden im Gefolge des U-Bahn-Baues, der Entstehung des größten U-Bahn-Knotens Wiens und der Straßenführungen an der Oberfläche. In den letzten Jahren wurde der Karlsplatz schließlich unter dem Kontext des Kunstplatzes benutzerfreundlicher gestaltet. Als Verkehrsknoten, Parklandschaft und Kulturraum bietet er viele Nutzungen und ist zugleich immer wieder Thema städtebaulicher Diskussionen, die auch in Zukunft eine Weiterentwicklung der Karlsplatz-Geschichte gewährleisten.

Eine besondere Attraktion im Zusammenhang mit der Ausstellung bietet die Möglichkeit, vor dem Museum einen Transportkorb zu besteigen und sich von einem Kran der Firma Felbermayr auf 35 Meter Höhe mit grandiosem Rundblick über den Platz und die Stadt hieven zu lassen. Karlplatz-Touren, thematische Spaziergänge über den Platz, Karlsplatz-Expeditionen, individuelle Entdeckungsreisen und Karlsplatz-Kontroversen als Diskussionsforen bieten neben den Führungen ein überreiches Begleitprogramm. Der Platz selbst fungiert mit 33 Platzbeschriftungen als erweiterte Ausstellungszone. 530 Seiten Karlsplatz-Geschichte und damit Wiener Historie in Bild und Wort bietet der Katalog mit Beiträgen und Analysen von über 30 AutorInnen aus den unterschiedlichsten Disziplinen von Städtebau und Kunstgeschichte bis zu Geologie und Biologie.

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