Karadzic sucht Ankerkennung von Holbrooke-Deal

Der frühere bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadzic hat sich an den UNO-Sicherheitsrat gewandt, um mit Verweis auf eine Immunitätsvereinbarung dem Verfahren vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien zu entgehen.

Karadzic habe beim Sicherheitsrat die Anerkennung einer angeblich vom früheren US-Gesandten Richard Holbrooke zugesicherten Straffreiheit beantragt, teilte das UNO-Tribunal in Den Haag am Freitag mit. Karadzic bezog sich in dem Antrag demnach auf die Entscheidung des Gerichts, nur der UNO-Sicherheitsrat könne einzelne Personen vor Strafverfolgung schützen.

Die Berufungskammer des UNO-Tribunals hatte am Dienstag entschieden, die von Karadzic in einem Immunitätsantrag vorgebrachten Hinweise auf eine Absprache mit Holbrooke seien für die internationale Strafverfolgung der Verbrechen im Bosnien-Krieg (1992-95) nicht relevant. Karadzic hatte sich in seinem am 25. September eingereichten Antrag zum wiederholten Male darauf berufen, dass Holbrooke ihn 1996 zum Rückzug aus dem öffentlichen Leben bewegt habe, indem er ihm Schutz vor Strafverfolgung zusicherte. Dies wird von Holbrooke, der inzwischen Sondergesandter von US-Präsident Barack Obama für Pakistan und Afghanistan ist, bestritten.

Der 64-jährige Karadzic muss sich wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes während des Bosnien-Kriegs vor dem UNO-Tribunal verantworten. Er war im Juli 2008 nach einem 13 Jahre währenden Versteckspiel in der serbischen Hauptstadt Belgrad gefasst worden. Die Anklage bezieht sich unter anderem auf die 44-monatige Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, während der rund 10.000 Menschen ums Leben kamen, und auf das Massaker an rund 8.000 muslimischen Männern und Buben in Srebrenica im Juli 1995. Der Prozess vor dem UNO-Tribunal soll am 26. Oktober eröffnet werden.

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