Karadzic in Wien? Serbische Community zweifelt an Medienberichten

Der bosnisch-serbische Ex-Präsident Radovan Karadzic sei ganz sicher nicht unter seiner falschen Identität "Doktor Dragan Dabic" in der österreichischen Hauptstadt gewesen, betont Slobodan, Eigentümer des serbischen Lokals "Zum Paten" im 14. Wiener Gemeindebezirk, am Freitag gegenüber der APA.

Nach einem Bericht der Tageszeitung “Kurier” (Donnerstag-Ausgabe) soll “Dabic” alias Karadzic in Wien als Alternativmediziner tätig gewesen sein. Unter dem Namen “Pera” und mit kroatischem Pass habe Karadzic eine Frau, die schwanger werden wollte, 2006 in der Märzstraße im 14. Bezirk behandelt, berichtete “Kurier” unter Berufung auf eine Familie, die Karadzic auf Bildern wiedererkannt haben will. Er habe jedenfalls nie einen Mann mit einem solchen Aussehen gesehen, streicht Slobodan hervor. “Das Ganze entspricht sicher nicht den Tatsachen oder der Wahrheit.”

Der seit fast 30 Jahren in Wien lebende Mirko schlägt in dieselbe Kerbe: “Karadzic soll hier gewesen sein? Niemals! Das ist total unglaubwürdig”. Ein Mann mit diesem Aussehen und mit dieser Kleidung wäre ihm sicher aufgefallen. “Über einen angeblichen Wunderheiler Pera habe ich auch nie etwas gehört”, betont der in der Märzstraße lebende Mann. Als Karadzic hätte er diesen Mann sowieso nicht erkannt. “Und selbst wenn, ich hätte das nie gemeldet”, betont Mirko.

“Ich glaube nicht an die Geschichte, dass Karadzic in Wien war. So frei hat er sich nun doch nicht bewegen können. Ich bin mir sicher, dass er auch immer Angst hatte, erkannt zu werden”, erzählt der 35-jährige Jovan. Karadzic ist ihm übrigens “völlig egal”. “Mir ist nur der Weg nach Europa wichtig”, betont Jovan. Seine Freundin Jelena fügt hinzu: “Ich hoffe nur, dass sie endlich alle Angeklagten schnappen und an das UNO-Kriegsverbrechertribunal ausliefern”.

Der 48-jährige Zivorad ist als Taxi-Fahrer viel unterwegs und spricht nach eigenen Angaben viel mit seinen Gästen. “Karadzic war sicher nicht in Wien. Das ist fern jeder logischen Überlegung. Ich kenne sehr viele Menschen hier. Irgendjemand hätte mir sicher davon erzählt, einen Mann mit diesem Aussehen gesehen zu haben oder einen Wunderheiler Pera zu kennen.” Er glaube eher, dass hier jemand “Feuer legen” wolle, so Zivorad.

“Wenn er in Wien gewesen wäre, dann hätte ich das ganz sicher erfahren und ich würde das ganz sicher wissen”, betont Petar Milatovic Ostroski, in Wien lebender Schriftsteller und Präsident des “Serbischen Kultur- und Informationszentrums”. Jene Journalisten, die diese Geschichte publiziert haben, “müssen jetzt den Nachweis über den angeblichen Aufenthalt von Karadzic in Wien liefern – oder sie müssen sich entschuldigen”.

Dem Verfahren vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, vor dem sich Karadzic wegen Völkermord und anderen schweren Verbrechen verantworten muss, sieht Ostroski übrigens sehr gelassen entgegen: “Der Prozess wird eine große Niederlage für das Haager Tribunal. Radovan Karadzic hat alle Argumente in seiner Hand”.

Ostroski nährte zudem Spekulationen, wonach der US-Balkan-Beauftragte Richard Holbrooke mit Karadzic ein Geheimabkommen abgeschlossen hat. “Den Vertrag mit dem Cowboy-Politiker Richard Holbrooke hat Karadzic in der Tasche.” Demnach soll Karadzic im Jahr 1996 zugesichert worden sein, nicht an das UNO-Tribunal überstellt zu werden, wenn er aus sich aus der Politik zurückzieht. Holbrooke bestritt dies mehrmals vehement und nennt Karadzic mittlerweile “Osama Bin Laden Europas”.

“Das UNO-Tribunal wird gegen Karadzic genauso eine Niederlage erleiden wie gegen meinen Paten Vojislav Seselj”, betont Ostroski und fügt stolz hinzu, dass Seselj, Chef der Radikalen Partei in Serbien, Taufpate seiner Kinder ist.

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