Karadzic ab Montag vor Haager Gericht

Ab kommenden Montag wird der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) in Den Haag vor Gericht gestellt. Weitere NewsKaradzic: Psychiater, Politiker, Poet und Kriegsverbrecher?Eckdaten: Radovan Karadzic von 1989 - 2008

Der im Vorjahr in Belgrad festgenommene Karadzic wird sich wegen Völkermordes, Verschwörung zum Völkermord sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten müssen. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Das Verfahren wird rund drei Jahre dauern.

Wie das UNO-Tribunal mitteilte, wird die Anklage zum Prozessbeginn zwei Tage für ihre einleitenden Worte bekommen. Karadzic, der sich vor dem Haager Gericht selbst verteidigen will und dabei mit der Hilfe eines mehrköpfigen internationalen Anwälteteams rechnet, hatte angekündigt, dass er ebenso viel Zeit für seine einleitenden Worte in Anspruch nehmen werde.

Zuvor war ein neuerlicher Versuch von Karadzic unterbunden worden, den Prozess mit dem Hinweis auf eine angeblich vom früheren US-Balkan-Beauftragten Richard Holbrooke zugesicherte Straffreiheit zu verhindern. Die Berufungskammer des Tribunals entschied, die von Karadzic vorgebrachten Hinweise auf eine Absprache mit Holbrooke seien für die internationale Strafverfolgung nicht relevant.

Karadzic hatte sich in seinem am 25. September eingereichten Antrag zum wiederholten Male darauf berufen, dass Holbrooke ihn 1996 zum Rückzug aus dem öffentlichen Leben gedrängt habe, indem er ihm Schutz vor Strafverfolgung zusicherte. Dies wird von Holbrooke, der inzwischen Sondergesandter von US-Präsident Barack Obama für Pakistan und Afghanistan ist, bestritten.

Der heute 64-jährige Karadzic war im Juli 2008 nach einem 13 Jahre dauernden Versteckspiel in der serbischen Hauptstadt Belgrad gefasst worden. Die Anklage bezieht sich unter anderem auf die 44-monatige Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, während der rund 10.000 Menschen ums Leben kamen, und auf das Massaker an rund 8.000 muslimischen Männern und Buben in Srebrenica im Juli 1995.

Wenn sich die Staatsanwaltschaft durchsetzt, wird Karadzic zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Dass er für Gräueltaten während des Bosnien-Krieges bezahlt, sei “für die Angehörigen der Opfer ungemein wichtig”, sagt Chefankläger Serge Brammertz. Er ist zuversichtlich, die persönliche Schuld des Angeklagten in elf Fällen von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter zwei Fälle von Völkermord, beweisen zu können.

Dennoch ist ungewiss, wie der Prozess ausgeht, der 14 Jahre nach dem Bosnienkrieg am 26. Oktober um 09.00 Uhr im Gerichtssaal 1 des Haager Kriegsverbrechertribunals beginnt. Sicher ist nur, dass es ein Marathon-Verfahren wird. Vor 2013 erwartet kaum einer der Beteiligten ein endgültig rechtskräftiges Urteil. Tausende Seiten umfassen die Anklage und die Dokumente zur Beweisführung. Allein die Befragung von Zeugen durch die Staatsanwaltschaft könnte sich gut ein Jahr hinziehen.

Noch einmal wird der Welt das Grauen des Bosnien-Krieges vor Augen geführt. Frauen und Männer werden berichten, wie bosnisch-serbische Truppen und Milizen mehr als 1.400 Tage Sarajevo belagerten. Wie die einstige Olympia-Stadt von den umliegenden Bergen aus beschossen wurde, wie Heckenschützen auf Menschen in den Straßen feuerten, wie mehr als 10.000 Frauen, Männer und Kinder umkamen. Und bis in alle Einzelheiten werden Zeugen die Erinnerung an das Morden in der Moslem-Enklave Srebrenica wachrütteln. Die Massaker an den männlichen Bewohnern der Schutzzone gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit den Verbrechen Hitlers und Stalins.

  • VIENNA.AT
  • Moj Bec News
  • Karadzic ab Montag vor Haager Gericht
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen