Kantor schießt Sabres zum Titel

Der EHV Sabres Vienna ist nach einem knappen 3:2-Erfolg gegen die Salzburger Ravens erneut österreichischer Dameneishockey-Meister. Nationalspielerin Esther Kantor gelang der entscheidende Treffer in einer hochklassigen und umkämpften Finalpartie in der Wiener Albert-Schultz-Halle. Bilder 

Die favorisierten Salzburgerinnen wurden von den Sabres kalt erwischt: Kaum 4 Minuten waren gespielt, als Belinda Strer die Wienerinnen nach Zuspiel von Virginia Ernst in Führung brachte. Ernst wanderte wenig später wegen Hakens auf die Strafbank. Die Ravens schossen sich im Powerplay auf das Tor der Sabres ein, Torfrau Borschke rettete allerdings mehrfach in höchster Not. Kaum war Ernst von der Kühlbox zurück auf dem Eis, riskierte sie einen Schuss – und den Abpraller verwertete Nadine Ullrich zum 2:0 für die Sabres (14.).

Sabres im Glück
Im zweiten Drittel fanden die Salzburgerinnen zu ihrem temporeichen Spiel und kamen zu zahlreichen hochkarätigen Chancen. Die beste vergab Janine Weber, die allein vor Goalie Borschke knapp verzog. Die Sabres beschränkten sich nur noch darauf, den Schwung der Gäste an der blauen Linie abzufangen. In einer umstrittenen Szene hatten die Sabres Glück: Borschke war geschlagen, Hummel kratzte die Scheibe von der Linie – die Linesmen entschieden auf kein Tor.

Dramatik im Schlussdrittel
Das kanadische Topscorer-Duo der Ravens schlug im letzten Drittel zu. Nach Kristen Haggs Anschlusstreffer (43.) erzielte kurz darauf Adrienne Vanderzalm aus spitzem Winkel den Ausgleich zum 2:2 (45.). Damit wären die Salzburgerinnen Meister gewesen. Dann einer der selten gewordenen Vorstöße der Sabres: Belinda Strer brachte den Puck vors Tor und Esther Kantor verwandelte aus kurzer Distanz sicher zum 3:2 in der 50. Minute. Die Ravens versuchten noch einmal, den Ausgleich zu erzwingen, nahmen Torfrau Vanderveer vom Eis. In den letzten Sekunden kam Weber nach scharfem Querpass nur um Zentimeter zu spät.

Die Wienerinnen verteidigten mit dem knappen Vorsprung bis zur Schlusssirene auch den österreichischen Meistertitel. Das Finalspiel stand auf hohem Niveau – beide Teams zeigten, was modernes Dameneishockey auszeichnet: Technik, Tempo und Kampf um jeden Meter.

EHV Sabres Wien – The Ravens Salzburg 3:2 (2:0,0:0,1:2)
Wien, Albert-Schultz-Eishalle, 200, SR Falkner
Tore: Strer (4.), Ullrich (14.), Kantor (50.) bzw. Hagg (43.), Vanderzalm (45.)

„Es ist uns gelungen, einen Gegner, der besser war als wir, zu schlagen“, bilanzierte Sabres-Trainer Roman Krupinec.

„Ein phantastisches Spiel, zwei Drittel haben absolut uns gehört. Das war Höchstleistung, ein Niveau, wie man es ganz selten sieht. So eine Niederlage kann passieren. Wir greifen nächstes Jahr wieder an“, meinte Ravens-Trainer Heinz Schiller. „Kristen Hagg hatte Probleme mit den Adduktoren, konnte nicht einmal anständig gehen – und bietet auf dem Eis eine großartige Leistung. An dieser Einstellung, an diesem Willen können sich die Spielerinnen ein Beispiel nehmen. Hagg und Vanderzalm waren ein absoluter Glücksgriff für uns.“

Thomas Seywald, sportlicher Leiter der Ravens Salzburg: „Das aberkannte Tor war eine Fehlentscheidung, ich bin genau dort gestanden. Aber das ist Sport.
Im Nachwuchs gab es in Salzburg in der Vergangenheit gewisse Versäumnisse. Erst seit Red Bull eingestiegen ist, gibt es eine gute Kooperation im Nachwuchsbereich. Diese Spielerinnen werden aber erst in zwei, drei Jahren zur Verfügung stehen. Bis dahin wird es schwierig bleiben. Wir mussten die ganze Saison mit zwei Linien bestreiten.
Mit der Hockey Academy haben wir ein funktionierendes Austauschprogramm mit Nordamerika. Die nordamerikanischen Spielerinnen haben einen tollen Teamgeist, da gibt es keine disziplinären Probleme. Unsere Spielerinnen sollen merken: wenn ich mich richtig anstrenge, dann werde ich so gut wie Kristen Hagg.
Wir werden am 4. April in Salzburg ein großes Benefizspiel veranstalten, mit allen Dameneishockey-Teams, mit einer großen Show. Dazu möchte ich alle Damenteams noch einmal einladen. Da rechnen wir mit mehr als 2.000 Zuschauern. Es wird ein kräftiges Lebenszeichen für das Dameneishockey in Österreich.“

Bei der anschließenden Siegerehrung konnten sich die Salzburgerinnen mit zwei zweiten Plätzen trösten: Silber in der Elite Womens Hockey League (EWHL) und bei den  Staatsmeisterschaften. Die Sabres erreichten in der EWHL Platz drei und holten den bereits sechsten österreichischen Meistertitel nach Wien.

Dass das heimische Dameneishockey ein internationales Top-Niveau erreicht hat, belegen nicht nur die guten Platzierungen in der Euroliga, sondern auch, dass im EWHL-All-Star-Team gleich drei Spielerinnen der beiden Finalteams stehen: Kristen Hagg und Adrienne Vanderzalm von Salzburg sowie Esther Kantor von den Sabres.

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