Kampf gegen Krebs

Wirksame Antikörper am Wiener AKH entwickelt. Rund 7.000 neue Krebserkrankungen pro Jahr in der Bundeshauptstadt Wien- Lungenkarzinom bei Frauen immer häufiger diagnostiziert.

Rituximab, Trastuzumab, Sutent, Nexavar und Avastin – für viele Krebspatienten bedeuten diese Begriffe Hoffnung. Es handelt sich um neue Antikörper, die am Wiener AKH entwickelt und bereits erfolgreich eingesetzt worden sind. Eine ausgewählte Expertenrunde überbrachte am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz im AKH aber nicht nur erfreuliche Nachrichten: So sind etwa bei Frauen die Fälle von Lungenkarzinomen in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Große Fortschritte wurden vor allem bei der Behandlung von Lymphdrüsen-, Brust- und Nierenkrebs gemacht. „Vor 15 Jahren hatten wir nur eine Hand voll Zytostatika und Chemotherapeutika zur Verfügung, es gab auch kaum Begleittherapien. Den größten Schub gab es in den vergangenen fünf Jahren. Mittlerweile gibt es zielgerichtete Therapien gegen das Wachstum von Tumoren“, berichtete die Onkologin Gabriela Kornek von der Univ.-Klinik für Innere Medizin. Im Europavergleich leben derzeit österreichische Krebspatienten am längsten. Bei Lymphdrüsenkrebs habe sich die Heilungschance fast verdoppelt.

Beim Nierenzellkarzinom, dem häufigsten bösartigen Tumor der Niere, habe sich 20 Jahre lang “überhaupt nichts getan“, erinnert sich Kornek’s Kollegin Manuela Schmidinger. In wenigen Fällen habe man einen Wachstums-Stillstand erreichen können, mehr aber nicht. Mittlerweile seien die Überlebenschancen enorm gestiegen, Medikamente in Tablettenform ermöglichen eine Therapie zu Hause. Mit den neuen Antikörpern würden nicht nur Lebensqualität und -dauer deutlich verbessert worden, sondern auch Heilungschancen – bei manchen Krebsarten sogar noch dann, wenn sich bereits Metastasen gebildet haben.

Doch so gut die Behandlungsmethoden schon sein mögen, der Krebs behält immer noch in vielen Fällen die Oberhand: In der Bundeshauptstadt ist er die zweithäufigste Todesursache, 2004 verstarben 4.215 Wiener. Ein überproportionaler Anstieg von Lungenkrebs wurde in den vergangenen Jahren bei Frauen registriert und das, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Erkrankung bei Männern ungleich höher ist. Grund genug, mit Informations- und Aufklärungskampagnen die Bewusstseinsbildung der Menschen anzuregen. Am kommenden Samstag (25. November) findet im Wiener Rathaus der „Krebstag 2006“ statt. Ziel der Veranstalter ist nicht nur Wissenstransfer, sondern auch eine Enttabuisierung der Krankheit.

„Der Aufwand zur Erzielung dieser Erfolge ist hoch. Wir sind aber der Auffassung, dass gewonnene Lebensqualität und Lebensjahre den Aufwand bei weitem rechtfertigen“, betonte Reinhard Krepler, Ärztlicher Direktor des AKH Wien. Er setzt sich vehement für eine Fortsetzung der intensiven Zusammenarbeit zwischen Forschung und Kliniken ein. „Ich weiß, das ist teuer und man sieht nur die Ausgaben – der dadurch entstandene volkswirtschaftliche Nutzen scheint hingegen nirgends auf. Menschen, die früher die Arbeitsfähigkeit nicht wieder erlangt hätten, können weiterarbeiten und die Familie weiter fördern. Damit können kostenintensive Leistungen der Allgemeinheit zur Kompensation des Verlustes eines Familienmitgliedes vermieden werden“, so Krepler.

(S E R V I C E – „Krebstag 2006“, Samstag, 25. November 2006, Festsaal des Wiener Rathauses, 11.00 bis 17.00 Uhr, Informationen zu Früherkennung, Behandlungsmethoden, Schmerztherapie, Ernährungsberatung, Komplementärmedizin, Selbsthilfegruppen und persönliche Beratung durch Experten; http://www.leben-mit-krebs.at, Info-Hotline 01/710 55 01)

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