Kabarettmarathon: Neuer "Stadtsaal" für Wien eröffnet

Eine neue Kleinkunstbühne mitten in Wien.
Eine neue Kleinkunstbühne mitten in Wien. ©APA
Bis tief in die Nacht bot die neue Kleinkunstbühne an der Mariahilfer Straße ihr Auftaktprogramm – mit einer Nummern-Revue mit 17 Künstlern von Josef Hader bis Stermann & Grissemann.
Der neue Stadtsaal
Wiens neuer "Stadtsaal" mit Kabarettmarathon eröffnet

Wiens neue Kabarettbühne “Stadtsaal” ist eröffnet – mit einem wahren Parforceritt durch das aktuelle Kaleidoskop heimischen Kleinkunstschaffens: Am Montag überboten sich zum Start der Großbühne in einem alten Hotelballsaal an der Mariahilfer Straße 17 Künstler bis 1.30 Uhr in einer Nummernrevue. Neben dem Panoptikum der heimischen Szene vollzogen die Intendanten dabei vor hoffnungslos überlaufenem Haus gleich die angestrebte Öffnung hin zu deutschsprachigen Künstlern aus dem Ausland und hatten etwa Martina Schwarzmann und Willy Astor aus Deutschland geladen.

Conferencier Josef Hader dankte zunächst den Bau- und den Schwarzarbeitern, die den neuen Saal möglich gemacht hätten. Auch sei die neue Bühne an der Renommeeadresse Mariahilfer Straße genau das, worauf viele Kabarettisten gewartet hätten: “Ein Haus in der Nähe, wo wir wohnen.” Das habe zur Folge, dass nur die Zuschauer kämen, die so seien wie die Akteure auf der Bühne: “Es geht um Wertegemeinschaft.”

Seltene Lesung aus “Indien”

Gegen Ende der Kabarettnacht, bis zu deren Ende die Mehrheit des begeisterten Publikums aushielt, bot Hader mit Partner Alfred Dorfer dann eine seltene Lesung aus ihrer Erfolgsproduktion “Indien”, die von den beiden in aller Ausführlichkeit gleich am Dienstag, dem ersten regulären Spieltag, wiederholt wird. Auch die übrigen Künstler werden mehrheitlich in den kommenden Wochen ihre Programme im Stadtsaal mit Soloabenden zum Besten geben.

So bot Bernhard Ludwig nur einen kurzen Einblick in sein Diätkabarettprogramm, Willy Astor ehrte das Gastland mit einem “Lied für Österreich”, während der Stinatzer Thomas Stipsits ein Medley aus Austropopbarden bot. Veteran Werner Schneyder sinnierte über den Zustand der Finanzmärkte, Gunkl über die Lüge und die Sprache. Stermann & Grissemann lasen aus dem Tagebuch des schlechtesten Skispringers der Welt, während Thomas Maurer den chinareisenden Oberösterreicher gab.

Auch Musik im Prachtbau

Hinkünftig sollten im Stadtsaal neben Kabarett aber auch Musikgruppen a la Wir sind Helden oder Attwenger auftreten, unterstrichen gegenüber der APA die beiden Leiter Fritz Aumayr, einst verantwortlich für Kulisse, Spektakel oder Vindobona, und Andreas Fuderer, Chef des Kabaretts Niedermair. Sie haben die Kleinkunstinfusion für Wiens zentrale Einkaufsmeile mit Till Hofmann von der Münchener Lach- und Schießgesellschaft initiiert.

Der zentrale Historismussaal kann dabei wie beim Eröffnungsabend mit 364 Sitzplätze locker bestuhlt, mit Tischen und Stühlen versehen werden oder als Stehplatzlocation dienen. Der Weg zum Saal ist für Besucher jedoch weit. Durch einen schmalen Gang von der Einkaufsmeile, vorbei an Kleidergeschäften, Sushilokalen und dem Verein für Konsumenteninformation (VKI), muss man sich in den Hinterhof schlängeln – um dann von den Ausmaßen des Prachtbaus überrascht zu sein, der von den Machern adaptiert wurde.

400 Sessel um 5.000 Euro

Die von der Stadt erhoffte Starthilfe dazu blieb allerdings aus. Subventionen wolle man nicht in Anspruch nehmen, auf einen Baukostenzuschuss habe man aber gehofft, so Aumayr und Fuderer. So wurden nun rein privat 850.000 Euro investiert, die in neue Lüftungs- und Toilettenanlagen, Farbe und Adaptierung der Gastrobereiche und natürlich des Saales flossen. Um Geld zu sparen, kaufte man vom Theater in Bad Wörishofen 400 Sessel zum Schnäppchenpreis von 5.000 Euro.

Der Ursprung des künftigen Stadtsaals liegt in der Ballepoche der Gründerzeit. Für das einstige Hotel “Zum blauen Bock”, das zuletzt den Namen Münchnerhof trug, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert der rund 350 Quadratmeter große Saal mit expressiven Atlanten, neobarocken Formen und Säulen samt vergoldetem korinthischen Abschluss errichtet.

Hotel bis in die 1980er

Das Hotel blieb bis in die 1980er Jahre in Betrieb. Nach Jahren des Leerstands zog nach einer Renovierung mit städtischer Hilfe 1996 dann der VKI in das hochherrschaftliche Gebäude. Der VKI richtete im Saal sein Beratungszentrum ein und verblieb dort bis Juli 2010. Da Aumayr mit einem Mitglied der Besitzerfamilie befreundet ist, konnte der VKI zum Umzug in ein benachbartes Lokal überredet werden.

Mehr Info unter stadtsaal.com

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Mariahilfer Straße 81, 1060 Wien, Austria

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