Kabarett Simpl will Vindobona übernehmen

Hoffnungsschimmer für das Wiener Vindobona: Das Kabarett Simpl hat sich zur Übernahme der Brigittenauer Kabarettbühne bereiterklärt.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich die Gläubiger des Vindobona – das im Rahmen der Generalsanierung in Schwierigkeiten geschlittert war – mit einem außergerichtlichen Ausgleich zufriedengeben. In einem der APA vorliegenden Brief werden die Firmen ersucht, zu diesem Angebot Stellung zu nehmen.

Das anwaltliche Schreiben wurde auf Initiative des Vermittlers in der Causa Vindobona verfasst – dies ist die Stadt Wien. Den Gläubigern werden insgesamt 200.000 Euro angeboten. Man befinde sich in der Mitte eines “außergerichtlichen Ausgleichsversuchs”, betonte eine Sprecherin des Wiener Kulturstadtrats Andreas Mailath-Pokorny (S). Was dabei herauskomme, sei noch offen.

Das kulturpolitische Ziel sei, dass im Vindobona wieder Kabarett gespielt werde. Zu diesem Zweck, so hieß es, habe die Stadt zwischen dem früheren Betreiber und möglichen Interessenten vermittelt.

Zu der Initiative kommt bereits Kritik: Laut ÖVP hatte die Vindobona-Gesellschaft 3 Mio. Euro Schulden, die Quote würde nicht einmal 7 Prozent betragen, hieß es.
Von mehreren qualifizierten Bewerbern habe sich im Zuge eines langwierigen Verfahrens die Kabarett Simpl Betriebsgesellschaft als dafür am besten geeignet erwiesen. Diese plant, so heißt es, die Fertigstellung des Vindobona samt Spielstätte und Gastronomie.

Laut dem Schreiben gibt es bereits einen “bedingten” Vertrag. Bedingt heißt: Sollte mit allen Gläubigern ein außergerichtlicher Ausgleich erzielt werden, wird der Vertrag gültig. Die 200.000 Euro sollen anteilig an die beim Umbau beteiligten Firmen ausbezahlt werden. Das Simpl wird demnach eine weitere Million Euro für die Fertigstellung investieren.

Die Stadt Wien, so wird betont, wäre ihrerseits damit einverstanden, auf die Rückzahlung der bisher gewährten Subvention von 1,35 Mio. Euro (die in den Gesamtschulden von rund 3 Mio. enthalten ist, Anm.) zu verzichten. Denn wenn im Vindobona wieder Kabarett gespielt werde, dann würde das eintreten, wofür der Zuschuss gewährt wurde, hieß es im Rathaus.

In dem Brief an die Gläubiger wird davor gewarnt, das Angebot nicht anzunehmen: “Die Alternative zu diesem (…) Angebot wäre die wohl unvermeidliche Insolvenz der AGKS Vindobona Theater und GastronomiebetriebsgmbH, die unseres Erachtens für die Gläubiger dramatisch schlechtere Konsequenzen (bis zu einer Nullquote) hätte.” Dabei dürften auch die “hohen Kosten” eines Insolvenzverfahrens nicht außer Acht bleiben.

Rechtsanwalt Karl Newole, der den Brief verfasst hat, zeigte sich im Gespräch mit der APA von den ersten Rückmeldungen erfreut: “Die Reaktionen der Gläubiger waren bisher überwiegend positiv.” Mit den anderen, also den Unternehmen, die dem Vorschlag nicht so viel abgewinnen konnten, wird es laut Newole noch Gespräche geben.

Für die ÖVP ist das Angebot hingegen nicht annehmbar: “Gläubiger werden abgespeist”, befand der nicht amtsführende VP-Stadtrat Norbert Walter. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) sei aufgefordert, sich für die Firmen einzusetzen, noch dazu, wo zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe betroffen seien.

Diese könnten jedoch wieder im Vindobona arbeiten, hieß es heute. Laut Anwalt Newole sollen die bisher tätigen Professionisten weiter beschäftigt werden, falls sie akzeptable Angebote legen.

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