Junge Frau zockte Männer mit 90.000 Euro ab: Prozess

Eine 26-Jährige sprach einen 65-Jährigen vor der Wiener Universität im Bezirk Alsergrund an und knöpfte ihm und einem Studenten insgesamt 90.000 Euro ab.
Eine 26-Jährige sprach einen 65-Jährigen vor der Wiener Universität im Bezirk Alsergrund an und knöpfte ihm und einem Studenten insgesamt 90.000 Euro ab. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Wegen gewerbsmäßig schweren Betruges musste sich am Freitag eine junge Frau vor einem Wiener Schöffengericht verantworten. Die Frau soll zwei Männern insgesamt 90.000 Euro herausgelockt haben.

Eine junge Frau hat sich am Freitag vor einem Wiener Schöffengericht wegen gewerbsmäßig schweren Betruges verantworten müssen, weil sie die Gutmütigkeit zweier Männer ausgenutzt und ihnen insgesamt fast 90.000 Euro herausgelockt haben soll. Sie soll Schicksalsschläge vorgetäuscht haben, um die finanzielle Hilfe zu erhalten. Ein 62-Jähriger gab ihr 88.400 Euro, ein Student 450 Euro. Der junge Mann wurde jedoch stutzig und alarmierte die Polizei.

62-Jähriger gab Frau für Begräbnis ihrer Mutter 25.000 Euro Bargeld

Die dreifache Mutter hatte laut Staatsanwalt den 62-Jährigen im Jänner 2018 vor der Wiener Universität angesprochen, ihm einen falschen Namen genannt und um einen Job als Putzfrau angesucht, da sie ihre Miete nicht mehr bezahlen könnte. Der Mann lehnte das Angebot dankend ab, jedoch - angetan von ihrer charmanten Art - überreichte er ihr 300 Euro, um ihr vermeintlich aus ihrer brenzligen Situation zu helfen. In der Folge kontaktierte die junge Frau den Mann immer wieder. Im Sommer 2018 erzählte die 26-Jährige dem Bekannten plötzlich, dass ihre Mutter gestorben sei und sie Geld für ihr Begräbnis brauche. Der 62-Jährige sagte seine Hilfe zu, ging zur Bank und überreichte der Frau 25.000 Euro in bar. Dazu wurde sogar ein Schuldschein ausstellt. "Leben Ihre Eltern noch", fragte Richter Stefan Huber. "Ja", meinte die Beschuldigte leise. Auch ihre Großeltern würden sich bester Gesundheit erfreuen.

Frau behauptete sie hätte Schulden bei Bank und Nachbarn

Nur einen Monat später im, September 2018, behauptete die junge Frau, dass sie Schulden bei der Bank und bei Nachbarn hatte. Wieder half der 62-Jährige aus und übergab der vermeintlich Verzweifelten mehrere tausend Euro. Im April 2019 gaukelte sie vor, sie würde Geld für einen medizinischen Eingriff benötigen, im Mai 2019 waren es Bankforderungen aufgrund des Nachlasses der angeblich verstorbenen Mutter. Immer wieder versprach sie, das Geld zurückzuzahlen, sobald ein Haus aus dem Nachlass in Serbien verkauft sein würde. Am Ende waren 88.400 Euro weg, die der 62-Jährige bis heute nicht mehr sah.

26-Jährige ging mit dem Geld shoppen

"Wofür haben Sie das Geld gebraucht", fragte der Richter. "Für mich, einkaufen, shoppen", sagte die 26-Jährige, die von Anwalt Werner Tomanek vertreten wurde. Zusätzlich zu den Darlehen hat der 62-Jährige der jungen Frau auch Geschenke gemacht, wie etwa eine Joop-Tasche, die er für sie bei einer gemeinsamen Shoppingtour erworben hatte. Man hätte Zuneigung zueinander gehabt, meinte die 26-Jährige. "Er wollte sich sogar scheiden lassen von seiner Frau wegen mir", meinte sie. Auf die Frage, warum sie dem 62-Jährigen gegenüber einen falschen Namen, ein falsches Geburtsdatum und eine falsche Wohnadresse angab, meinte die Frau leise: "Das war halt mein Fehler. Damit man mir nicht draufkommt."

Student gab der Frau 450 Euro

Im Februar 2021 zog sie dasselbe Schauspiel bei einem Studenten ab. Die 26-Jährige sprach den Gleichaltrigen im Servitenviertel im Bezirk Alsergrund an und bat ihn um Hilfe. Sie stellte sich erneut unter ihrem falschen Namen vor. Sie käme aus Serbien und lebe bei einer türkischen Vermieterin. Nun könne sie die Miete nicht mehr bezahlen und habe Angst, als alleinerziehende Mutter aus der Wohnung zu fliegen. "Die Vermieterin dreht durch", behauptete sie. Der 26-Jährige nahm sich Zeit und befragte die Frau ausführlich, um herauszufinden, ob ihre Geschichte echt sei. "Sie hatte einen recht verzagten Gesichtsausdruck und hat einen schwächlichen Eindruck gemacht", beschrieb der Student als Zeuge die Situation. Schlussendlich half er der Frau und überreichte ihr 450 Euro in bar.

26-Jähriger erstattete Anzeige

Zwei Tage später meldete sich die Frau erneut bei dem jungen Mann und wollte sich treffen, um dabei wieder um finanzielle Hilfe zu bitten. Der 26-Jährige wurde nun stutzig, lehnte seine Hilfe ab und beschloss, die Angaben der 26-Jährigen zu überprüfen. Er fuhr an die von ihr angegebene Adresse im Bezirk Landstraße und stellte fest, dass die junge Frau dort gar nicht wohnte. Er ging schlussendlich zur Polizei und erstattete Anzeige, um auch andere Betroffene zu schützen, meinte er. Als sich die Frau jedoch kurz darauf erneut bei ihm meldete, vereinbarte er einen Treffpunkt bei einer Parkbank, wo auch die Polizei hinzukam und die Frau schnappte.

Prozess wurde vertagt

Da die Frau in der Verhandlung am Freitag behauptete, dass ein Teil der von dem 62-Jährigen überreichten Geldbeträge keine Darlehen, sondern Geschenke gewesen seien, wurde der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Mann konnte aufgrund einer schweren Erkrankung am Prozesstag nicht vor Gericht erscheinen, nun soll er jedoch doch als Zeuge befragt werden.

(APA/Red)

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