"Bitte melde dich!"

Seit über einem Monat fehlt von Jürgen G. (36) aus Nenzing jede Spur. Sein Verschwinden gibt Rätsel auf.

Update: Am 10. Mai 2021 wurde bekannt, dass der Vermisste lebend aufgefunden wurden. Aus diesem Grund wurden alle personenbezogenen Daten aus dem Artikel entfernt.

Von Anja Förtsch/Wann & Wo

"Danke." Das ist das letzte Wort, dass Franz G. aus Nenzing von seinem Sohn Jürgen gehört hat. Bei ihm und seiner Frau waren Briefe für Jürgen angekommen, sie brachten sie ihm hinüber in seine Wohnung, gut 300 Meter neben dem Elternhaus. Über einen Monat ist das jetzt her. Seitdem hat niemand den 36-Jährigen mehr gesprochen oder gesehen. "Ich verstehe es einfach nicht", schildert Vater Franz im Gespräch mit WANN & WO. "Er ist ohne Abschied und scheinbar ohne Grund verschwunden. Einfach so." Doch die Umstände von Jürgens Weggang sind durchaus mysteriös.

Radikale Veränderung

"Anfang September waren wir alle bei der Hochzeit seines Bruders in Tirol", erinnert sich Vater Franz, "und danach hat Jürgen begonnen, sich immer mehr zurückzuziehen." Die Familie hört von da an wenig von dem Sohn. Bis Heiligabend. "Da hat er gefragt, ob wir zusammen kochen wollen und wir haben natürlich ja gesagt. Danach haben wir ihn erst Silvester wiedergesehen." Und zwar deutlich verändert: "Jürgen hatte immer Vollbart getragen. Aber an dem Tag erschien er komplett glattrasiert und mit Glatze", erinnert sich Franz. "Er sagte, es sei ein neues Jahr und er wolle etwas Neues machen."

Badewasser eingelassen

Ab da sieht die Familie Jürgen gar nicht mehr. Und auch Arbeitskollegen nicht: "Er hätte nach dem Weihnachtsurlaub ab dem 7. Jänner wieder arbeiten sollen, ist aber nicht erschienen", so Franz. "Sein Chef erzählte uns, Jürgen habe ihm gesagt, er gehe zum Arzt. Aber kein Arzt hier hat ihn in der Sprechstunde gehabt." Am 17. Jänner dann bringen ihm die Eltern die Briefe hinüber, er antwortet auf die Nachricht darüber mit "Danke". Danach nichts mehr. "Er hat nicht die Tür geöffnet, nicht das Telefon abgehoben, auf keine Nachricht geantwortet", so Vater Franz. "Am 19. Jänner wurde es uns dann zu unheimlich und wir sind zur Polizei gegangen." Ein Schlüsseldienst öffnet die Wohnung des 36-Jährigen. Doch wirkliche Hinweise bringt auch das nicht: "Sein Pass und sein Portemonnaie fehlten, aber abgesehen davon war alles noch da: Kleidung, persönliche Gegenstände, sogar seine Bankomatkarte und sein Handy." In der Wohnung fanden die Eltern auch Müllsäcke, die ein Arbeitskollege am gleichen Morgen aber noch außen an der Wohnungstür hängen gesehen hatte, wie die Familie später erfährt. "Er muss also am gleichen Tag noch in der Wohnung gewesen sein, bevor die Polizei sie vom Schlüsseldienst öffnen ließ", schlussfolgert der Vater. Ein weiteres Detail ist besonders mysteriös: "In der Wanne war noch Badewasser eingelassen. Es machte den Eindruck, als sei er völlig überstürzt aus der Wohnung geflohen." Nur wovor? "Wir wissen nichts von irgendwelchen möglichen Feinden, Streitigkeiten, Auseinandersetzungen oder sonstigen Sorgen", sagt Vater Franz.

Nur ein Wort

Einen Tag, nachdem die Eltern die Wohnung betreten, beauftragen sie die Hilfsaktion "Österreich findet euch". "Die haben in Nenzing alles akribisch abgesucht, aber nichts gefunden. Einer der Spürhunde hatte eine Spur aufgenommen, die von der Wohnung zum Parkplatz führte, doch dort endete", erinnert sich Franz. "Dabei hat Jürgen weder ein Auto noch einen Führerschein." Wo kann der 36-Jährige hin sein – ganz ohne Geld, Kleidung, Handy und Transportmittel? Diese Frage quält die Familie seit Mitte Jänner. "Wenn wir wenigstens nur ein Wort von Jürgen hören würden, irgend-etwas. Er muss uns ja nicht einmal viel erklären oder sich entschuldigen – wir wollen doch nur hören, dass es ihm gut geht", fleht Vater Franz. "Jürgen, bitte melde dich!"

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