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Jenseits des Sichtbaren - Hilma Af Klint: Kritik und Trailer zum Film

Hilma af Klint malte bereits 1906 bahnbrechende abstrakte Kunst - und damit vor Kandinsky oder Mondrian, doch die Kunstgeschichte ignorierte sie bis jetzt. In ihrem Dokumentarfilm "Jenseits des Sichtbaren" begibt sich Regisseurin Halina Dyrschka nun auf die Spuren der Schwedin, deren Entdeckung knapp 100 Jahre später die Chronologie der Kunstgeschichte über den Haufen wirft. Ab Freitag im Kino.

Jenseits des Sichtbaren: Kurzinhalt zum Film

"Jenseits des Sichtbaren" beginnt mit einer Gegenüberstellung. Der Film vergleicht weltberühmte Werke von Josef Albers, Paul Klee oder Andy Warhol mit Bildern von Hilma af Klint. Das unmittelbare Zitat von af Klints Malerei ist unübersehbar, erwähnt hat das bis dato nur niemand. Vor zwei Jahren widmete das Guggenheim Museum in New York der 1944 verstorbenen Künstlerin erstmals eine Einzelausstellung. Mit über 600.000 Besuchern brach sie jegliche Rekorde und verhalf dem Schaffen af Klints posthum zum sachten Durchbruch. Die Neuentdeckung der schwedischen Malerin galt als Sensation in der Kunstgeschichte.

Die 1862 bei Stockholm geborene Malerin wollte nichts Geringeres, als die Essenz der Existenz selbst auf die Leinwand bannen. Dabei war ihr eines klar - sie musste hinter das Sichtbare schauen. In theosophischen Kreisen, die unter ihren Zeitgenossen en vogue waren, suchte sie nach Antworten, genauso wie in der Natur. Neue Erkenntnisse der Wissenschaft, wie etwa die Quantenphysik prägten die Zeit.

In organischen Formen, Spiralen und ausufernden Linien in sattem Gelb, zartem Lila und tiefem Blau malt af Klint auf riesigen Leinwänden den Stoff, aus dem die Welt gemacht ist. Ihre Darstellungen von Röntgenwellen oder Atomen geben Phänomenen der Physik, Astronomie oder Biologie, die außerhalb des Sichtbaren liegen, eine Gestalt. Die bekannteste Reihe "Die zehn Größten" malt Hilma af Klint in nur 42 Tagen. Auf zwei Mal drei Meter großen Leinwänden stellt sie in farbexplosiven Kompositionen die vier Lebensphasen dar. In ihrem ersten abstrakten Zyklus von 1906, "Urchaos", verstreuen sich geisterhafte Nebel, Schneckenhäuser, Zeichen und Symbole in Grün- und Blautönen auf 26 mystischen Gemälden.

Ihr Vater, ein Marineoffizier, brachte af Klint auf die Malerei. Die adlige Familie stand seit sieben Generationen in der Tradition der Seekartografie. Sie besuchte die Kunstakademie in Stockholm. Mit ihren Landschaftsmalereien und Porträts war sie erfolgreich und konnte sogar davon leben. Nach der Ausbildung beschritt sie dennoch neue Wege. Sie gründete die spiritistische Frauengruppe "Die Fünf", lebte vegetarisch und begann mit ihrer abstrakten Kunst. Bei der Familie stieß sie zusehends auf Unverständnis.

Die Theosophie Helena Blavatskys und die Anthroposophie des Zeitgenossen Rudolf Steiner lieferten den Nährboden für ihre Suche nach neuen Wegen. Oft betonte sie, dass ihre Bilder nicht von ihr, sondern durch sie hindurch gemalt seien. Sie sprach von höheren Energien, für die sie ein Medium wäre. Das brachte ihr zeitlebens und auch posthum Abneigung ein. Ein Stolperstein am Weg zu größerer Bekanntheit.

Den zeitlebens unveröffentlichten Nachlass vermachte Hilma af Klint ihrem Neffen. Erik af Klint war erstmal überfordert von der Wucht und dem Umfang des Werks. 26.000 Tagebuchseiten, über 1.500 Gemälde. Af Klint verfügte vor ihrem Tod 1944, dass das Archiv erst 20 Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht werden dürfe, und nicht zum Verkauf stehe. Darin sieht Julia Voss, eine wichtige Wegbereiterin zur Entdeckung von Hilma af Klint im 21. Jahrhundert, eine weitere mögliche Erklärung für die Frage, warum af Klint so lange unentdeckt geblieben ist. Voss, Kunsthistorikerin und Biografien der schwedischen Malerin, ist sich sicher: Würde man alle Künstler, die sich mit höheren Energien und Geistern beschäftigt hatten, aus der Kunstgeschichte streichen - es würden wenige übrig bleiben.

Jenseits des Sichtbaren: Die Kritik

"Jenseits des Sichtbaren" ist ein ruhiger Dokumentarfilm über ein aufregendes Oeuvre geworden. Der Film gibt einen ausgedehnten Einblick in das umfangreiche Werk. Bei fast stiller musikalischer Untermalung von Damian Scholl werden die Gemälde lange gezeigt und kommen ohne Kommentar aus, sodass sie in Ruhe wirken können. Das ist eindrucksvoll und kommt einem entspannten Museumsbesuch sehr nahe. Dazwischen plaudern Nachfahren wie Johann af Klint aus dem Nähkästchen, Fachleute kommentieren die Bedeutung Hilmas für die Kunstgeschichte. Halina Dyrschka besucht außerdem die Orte, an denen af Klint gearbeitet und gelebt hat.

All das kompensiert gekonnt die Tatsache, dass es von der Malerin selbst kaum Aufnahmen oder Fotos gibt. Dafür findet sich im Nachlass umso mehr schriftliches Material über die Gedankenwelt der Künstlerin. So darf sie selbst in Zitaten zu Wort kommen. "Diejenigen, die die Gabe haben, tiefer zu blicken, können die Form fallen lassen, und sich auf den wundervollen Aspekt konzentrieren, der sich hinter jeder Form verbirgt, und der sich Leben nennt." Ist man einmal in den Genuss ihrer Malerei gekommen, hat man eine Vorstellung davon, wie die Welt hinter sichtbaren Formen ausschauen könnte. Und das ist Hilma af Klints großer Verdienst für ihre Nachwelt, indem sie dem Geheimnis um das Leben einen Pinselstrich näher gekommen ist.

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(APA/red)

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