Jazz Fest - McFerrin und Quasthoff als Gesangsverein deluxe

Luxus ist, wenn einer der wendigsten und witzigsten Jazzsänger auf seinen klassischen Widerpart stößt. Dienstagabend war es so weit, Bobby McFerrin lud zum ersten von zwei Konzerten im Rahmen des Jazzfests Wien in die Staatsoper.

Sein Gast: Bassbariton Thomas Quasthoff, dessen Seitensprünge in die Jazzwelt mittlerweile bekannt sind. Der neu gegründete Gesangsverein Deluxe absolvierte zwar nur einen kurzen Auftritt gemeinsam, aber auch McFerrins Solo-Programm wurde einhellig bejubelt.

Es waren natürlich McFerrins erstaunlicher Stimmumfang, seine Vokalakrobatik und die Prise Humor, die das Publikum ins Haus am Ring gelockt hatte. Von Funk über allerlei Weltmusikalisches bis zum Mississippi-Blues gab es alles, was den perfekten Familienausflug in die Jazzwelt ausmacht. Selbst italienische Oper wurde geliefert, wobei McFerrin gleich die Parts beider Duett-Partner übernahm. “Blackbird” war ohnehin Pflicht, bei Gounods “Ave Maria” durfte das Publikum in Karaoke-Manier den Solo-Part übernehmen. Alles zwar alte Hüte, beim ersten Mal jedoch sicher unterhaltsam.

Und schließlich der Gast des Abends, der vom Publikum in der Staatsoper tatsächlich mehr Auftrittsapplaus bekam als McFerrin selbst. Quasthoff, der auch bei früheren seiner Jazzkonzerte McFerrin als Idol durchlugen ließ, versuchte erst gar nicht, ins direkte Duell zu gehen, sondern ungezwungen mitzumusizieren, wobei er sich ebenso als Instrumenten-Imitator gut schlug. Dafür herhalten musste Jimmy McHughs “I Can’t Give You Anything But Love”. Wobei Quasthoff vor allem eher Schritt hielt als danach McFerrin bei Schuberts “Die Forelle”.

Nach dem Abgang Quasthoffs kam beim Gastgeber offensichtlich Lust auf mehr Gesellschaft. McFerrin betätigte sich als Scout für Badewannen-Talente und lud so ziemlich jeden im Publikum auf die Bühne ein. War es zuerst nur eine beherzte Tänzerin, kam es schließlich doch noch zum großen und vor allem ungleichen Sängerkrieg mit drei zumindest bemühten Vokalisten. Gipfel der Gefühle: Ein zwölfköpfiger Abschlusschor. Allerdings könnte man auch die Suche nach einer Band als Alternative einmal ins Auge fassen.

McFerrin singt also gerne, vorwiegend des Gesangs und nicht des Geldes wegen. Diese Wahrheit bestätigte der Künstler während der Zugabe, die er aufgrund von wohlverdienter Müdigkeit zu einer Fragestunde umgewandelt hatte. Noch Fragen? Ja, etwa: “Wie treffen sie die Bassnoten?” Antwort: “Üben.”

Heute, Mittwoch, gibt sich McFerrin abermals in der Staatsoper die Ehre. Gast ist diesmal Gert Voss, mit dem Thomas Bernhards Elisabeth II. interpretiert werden soll.

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