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J'accuse - Intrige: Kritik und Trailer zum Film

1894 wird Alfred Dreyfus (Louis Garrel) von einem Militärgericht wegen Hochverrats verurteilt und wenig später aus der Armee entlassen. Dreyfus beteuert zwar seine Unschuld, doch er wird auf eine einsame Insel verbannt. Das Volk jubelt und die Militärelite atmet erleichtert auf. Major Georges Picquart (Jean Dujardin aus "The Artist") wird danach sogar befördert. Im Auslandsnachrichtendienst fallen ihm allerdings gravierende Missstände und Missmanagement auf. Bei seinen Recherchen zum Fall Dreyfus stößt er auf ein Geflecht aus Lügen und Intrigen.

Die Dreyfus-Affäre erschütterte Frankreich vor 125 Jahren. Der derzeit selbst wegen Missbrauchsvorwürfen wieder unter Beschuss stehende Roman Polanski nimmt sich des Falls an und zeigt die Parallelen zur Gegenwart. In "Intrige" thematisiert der 86-Jährige eine verlogene Gesellschaft, der die Wahrheit nicht so wichtig ist wie Vorverurteilungen und der Machterhalt. Ab Freitag im Kino.

J'accuse - Intrige: Kurzinhalt zum Film

"J'accuse", ich klage an - so heißt der Film von Polanski im französischen Original. Obwohl der Oscarpreisträger darin von einem politischen Skandal erzählt, der das Land vor langer Zeit erschütterte, könnte der Titel auch als persönliche Abrechnung des Regisseurs verstanden werden. Immerhin holten Polanski im Zuge der #MeToo-Bewegung seine eigene Vergangenheit und unter anderem ein Missbrauchsfall aus dem Jahr 1977 wieder ein.

"Intrige" spielt in Paris Ende des 20. Jahrhunderts. 1894 wird Alfred Dreyfus (Louis Garrel) von einem Militärgericht wegen Hochverrats verurteilt und wenig später aus der Armee entlassen. Dreyfus beteuert zwar seine Unschuld, doch er wird auf eine einsame Insel verbannt. Das Volk jubelt und die Militärelite atmet erleichtert auf. "Die Römer gaben den Löwen Christen, wir geben ihnen Juden", sagt einer.

Major Georges Picquart (Jean Dujardin aus "The Artist") wird danach sogar befördert. Er hatte sich aus Sicht der Regierung in der Dreyfus-Affäre bewährt und wird im Auslandsnachrichtendienst Abteilungsleiter. Dort fallen ihm allerdings gravierende Missstände und Missmanagement auf. Bei seinen Recherchen zum Fall Dreyfus stößt er auf ein Geflecht aus Lügen und Intrigen: Beweismittel wurden gefälscht, Indizien bewusst in eine bestimmte Richtung ausgelegt. Die Wahrheit war einigen Verantwortlichen dabei egal. Lieber glaubten sie Gerüchten, die ihre Hierarchien stärkten und ihr Weltbild bestätigten. Ein Jude als Sündenbock, das passte gut in die antisemitische Stimmung.

J'accuse - Intrige: Die Kritik

Diesen historischen, auf wahren Begebenheiten basierenden Stoff inszeniert Regisseur Polanski als ein mit seinem ruhigen Sog sehr packendes Drama und spannenden Krimi. Denn die Aufarbeitung des Dreyfus-Falles ist kompliziert und riskant, auch weil Picquart auf viel Gegenwehr trifft. Vor allem aber wird so erst das eigentliche juristische und politische Ausmaß der Affäre deutlich, die die Regierung in eine tiefe Krise stürzen wird.

"J'accuse" steht schließlich in Form der Anklage von Emile Zola auf der Titelseite einer großen Tageszeitung - und genau so nennt auch Polanski seinen Film. Darin behandelt er zwar ausschließlich die Dreyfus-Affäre. Dennoch fragt man sich, ob der Regisseur damit nicht auch eine persönliche Geschichte erzählen will. 1977 hatte er Sex mit einer 13-Jährigen und floh vor der Urteilsverkündung aus den USA. Danach schuf er Kinoklassiker wie das mit drei Oscars ausgezeichnete Holocaust-Drama "Der Pianist". Das Opfer selbst setzt sich für die Einstellung des Verfahrens gegen Polanski ein. Doch die US-Justiz hält daran fest, und im Zuge der #MeToo-Bewegung wurde der Regisseur 2018 aus der Oscar-Akademie ausgeschlossen.

Mit "Intrige" beweist Polanski nun aber erneut, dass er zu den großen Filmemachern seiner Generation gehört und auch mit 86 Jahren nichts von seiner Erzählkunst und seine Filme nichts von ihrer visuellen Kraft verloren haben: Die Ausstattung ist detailreich wie opulent und die Bilder so majestätisch eingefangen, dass sie auf der großen Kinoleinwand bestens zur Geltung kommen. Polanski nimmt sich Zeit für Rückblenden und eine akribische Aufarbeitung des Falls - ohne dabei aber je zu langatmig zu werden. Keine Szene ist zu viel, kein Dialog zu lang.

Stattdessen offenbart "Intrige" ein von innen verrottetes System. Es geht um Vertuschung, Verdrehung von Fakten, Hass und Verleumdung von Medien. Polanski zeigt, was passiert, wenn aus Gerüchten Fakten werden und man sich die Gegenseite gar nicht anhört, weil man von seiner Sicht auf die Dinge fest überzeugt ist. "Intrige", der beim Filmfestival Venedig mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, regt das Publikum zum Nachdenken an - über Polanski, aber auch Parallelen zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen.

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(APA/Red)

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