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Ist Hebein naiv?

Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber.
Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber. ©APA/HANS PUNZ
GASTKOMMENTAR VON JOHANNES HUBER. Sebastian Kurz konnte sich die Grünen um den Daumen wickeln. Jetzt sind sie ihm ausgeliefert.

Klar, bei den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP liege man teilweise „sehr beachtlich weit auseinander“, hat der Oberösterreicher Rudolf Anschober von den Grünen gerade betont. Bei Themen wie „illegale Migration“ und „Integration“ ist das naheliegend; da trennt die beiden Parteien viel, wenn nicht überhaupt alles.

Andererseits schaut der Stand der Koalitionsverhandlungen im Moment auch so aus: ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat sich die Grünen um den Daumen gewickelt. Er kann mit ihnen machen, was er will - es zu einer Zusammenarbeit kommen lassen oder aus irgendeinem Grund, der sich immer finden lässt, nicht. Für die Grünen auszukommen ist schwer. Und das zwingt sie wiederum dazu, eher weitreichende Zugeständnisse zu machen. Für Kurz ist das eine Win-Win-Situation.

Wo soll man anfangen? Zu VIENNA.AT passt die Geschichte mit der grünen Vizebürgermeisterin von Wien, Birgit Hebein. Einst hatte sie Kurz groß kritisiert und ihn als „abgehoben“ bezeichnet. Nach ein paar Gesprächsrunden konnte die „Kronenzeitung“ jedoch titeln: „Hebein lobt Kurz – und plötzlich waren sie Freunde“. Vorausgegangen war dem ihr Eingeständnis, dass sich die Bilder in ihrem Kopf geändert hätten; wie es eben so sei, wenn man sich persönlich begegnet.

Zunächst ist das sehr sympathisch, letzten Endes aber auch extrem befremdlich: Hebein gibt zu, dass sie Kurz in der Vergangenheit einfach so schlecht gemacht hat; viel überlegt hat sie sich dabei nicht. Im Gegenteil: Kaum ist sie Kurz gegenübergesessen, kann sie gut über ihn reden.

Ist sie blauäugig, naiv oder was? Kurz darf sich ins Fäustchen lachen: Hebein wird es sich kaum noch leisten können, ihn jemals wieder so schlicht abzuqualifizieren, wie sie es in der Vergangenheit getan hat.

Viel wichtiger für Kurz und verhängnisvoller für die Grünen ist jedoch dies: Ihre Wähler haben sich mit dem Gedanken angefreundet, dass es zu einer Koalition mit der ÖVP kommen könnte. Und zwar so sehr, dass bei einer SORA-Befragung im Rahmen der steirischen Landtagswahl ganze 91 Prozent erklärten, dass sie eine solche Konstellation gut fänden.

Das ist ein ziemlicher Hammer: Stellen Sie sich vor, Sie haben jemandem ein Geschenk in Aussicht gestellt und die betreffende Person freut sich darauf. Stellen sie sich darüber hinaus vor, sie müssen diese Person nun enttäuschen und ihr mitteilen, dass es doch kein Geschenk gibt. Das wird keine gute Stimmung machen, sondern eher eine getrübte.

So ähnlich ist das bei den Grünen: Ihre Anhänger sind schon auf Türkis-Grün programmiert. Da werden sie auch von daher alles tun müssen, damit es dazu kommt; und sei es, dass sie ziemlich viele Wünsche von Sebastian Kurz erfüllen müssen.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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