Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Ischgl 2

©APA/JAKOB GRUBER
Gastkommentar von Johannes Huber. Wieder muss die Regierung zur Corona-Bekämpfung ans Äußerste gehen. Wieder hat sie es zu weit kommen lassen.

"Ischgl" steht nicht nur für eine Gemeinde in Tirol, sondern auch dafür: Politisches Versagen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Vor Ort mögen sie meinen, alles richtig gemacht zu haben, in Wirklichkeit haben sie jedoch zu lange weggeschaut und versucht, zu vertuschen. Man möge Gras über ein paar Infektionsfälle wachsen lassen, meinte eine sogenannte Lokalgröße. Das Ergebnis ist bekannt: Es verstrichen Stunden und Tage, in denen Gäste das Virus mit nach Hause nehmen konnten, um es in aller Welt zu verteilen.

Jetzt haben wir Ischgl 2. Nur, dass sich diesmal wirklich niemand nach Vorbild des Tiroler Landeshauptmannes Günther Platter (ÖVP) darauf ausreden kann, nach bestem Wissen und Gewissen agiert zu haben. Die Bundesregierung muss bei der Corona-Bekämpfung ans Äußerste gehen; diesen Samstag nennt sie Details. Es geht nicht mehr anders, es ist fünf nach zwölf: Deutschland hat am Mittwoch einen "Lockdown Light" ausgerufen. Das ist bemerkenswert: Deutschland war gerade mit 94 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche konfrontiert. Auf diesem Niveau lag Österreich, das mittlerweile schon auf über 250 davongezogen ist, vor zwei Wochen. Das ist, wie jeder Hobby-Epidemiologe weiß, eine halbe Ewigkeit, zumal Maßnahmen, die heute gesetzt werden, erst in zwei Wochen wirken (wenn überhaupt).

Um es auf den Punkt zu bringen: Bundes- und Landespolitiker müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, sich zu lange zurückgehalten oder von ganz anderen Dingen gesprochen zu haben. Seit September gehen die Kurven immer steiler nach oben. Kein Kanzler- und kaum ein Landeshauptmann hat den Leuten jedoch mitgeteilt, wie ernst die Lage ist. Ja, sie haben diese Krisenkommunikation nicht einmal Experten überlassen. Ergebnis: In Westösterreich gibt es Bezirke, in denen gerade auch Ältere gar nicht mitbekommen haben, dass die Zahlen dort längst im tiefroten Bereich sind und es daher besser ist, sich nicht in Gesellschaft aufzuhalten; der eine oder andere hat die Herbstferien sogar für Reisen innerhalb Österreichs genützt. Jetzt haben alle den Schaden.

Im besten Fall lernt man diesmal daraus, dass die Pandemie wirklich ein Marathon ist und dass es bei einem Marathon folgendermaßen läuft: Man denkt nicht frühzeitig abwechselnd ans Aufgeben ("Lockdown") und ans Ziel ("Licht am Ende des Tunnels"). Man konzentriert sich vielmehr ausschließlich auf den nächsten Schritt, achtet auf Atmung und jede Faser und stimmt permanent alles bestmöglich aufeinander ab.

Seit Wochen wird so sehr von einem weiteren Lockdown geredet, seit Wochen wetteifern Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in Bezug auf ein vermeintliches "Licht am Ende des Tunnels" so sehr um eine Impfung ab Jänner, Februar (Anschober) oder bis zum Sommer (Kurz), dass es verhängnisvoll wurde: Österreich pendelte zwischen Resignation und Hoffnung – statt sich voll um die tägliche Bekämpfung der Pandemie zu kümmern.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

Kommentare
Kommentare
Grund der Meldung
  • Werbung
  • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
  • Persönliche Daten veröffentlicht
Noch 1000 Zeichen