Interview mit Fotograf Andreas Barylli-Fayer vor dem Opernball 2014

Andreas Barylli-Fayer und sein Team setzen die Opernballgäste fotografisch in Szene.
Andreas Barylli-Fayer und sein Team setzen die Opernballgäste fotografisch in Szene. ©VIENNA.AT
Andreas Barylli-Fayer (69) war bereits 46 Mal beim Wiener Opernball. Aber getanzt hat er nicht ein einziges Mal. Für ihn ist es nicht der Dreivierteltakt des Walzers, der den Rhythmus des Abends bestimmt, sondern das Klicken seiner Kamera.
Interview mit Andreas Barylli-Fayer
Bilder vom Interview

Als Andreas Barylli-Fayer das erste Mal am Opernball war, hatte er seine Fotografen-Lehre gerade erst abgeschlossen. Sofortbildfotografie war damals gerade ganz groß im Kommen und so lief der junge Fotograf mit einer sehr großen und sehr schweren Kamera von Loge zu Loge, um die Ballgäste zu fotografieren und ihnen diese neue technische Errungenschaft zu präsentieren. Ob er damals aufgeregt war? Barylli-Fayer lacht. Ja, er war sehr aufgeregt. Denn es war nicht nur sein erster Opernball, sondern sein erster Ball überhaupt. „Und dann gleich der wichtigste der Stadt“, meint er.

Sein Lebensmotto „Ins kalte Wasser springen und schwimmen“ beschreibt wohl keine Situation so gut wie diese. Mittlerweile hat er Routine, 2014 ist er zum 47. Mal als Fotograf vor Ort. Seitdem hat sich vieles verändert: Nicht nur die technischen Möglichkeiten der Fotografie, sondern auch der Opernball. Letztendlich entwickelt sich aber beides zurück zu den Wurzeln: Die analoge Fotografie ist nicht unterzukriegen (Foto Fayer wirbt in der Auslage seines Geschäfts auch mit dem Slogan „Analog is back“) und der Opernball entwickelt sich wieder zurück zu einem „Ball der Künstler“.

Altes Flair des Opernballs wird revitalisiert

Der Fotograf erinnert sich sehr genau, dass zu seinen Anfangszeiten die Gästeliste deutlich anders aussah als noch vor ein paar Jahren: Opernstars aus aller Welt hätten früher gemeinsam mit Freunden und Unterstützern der Oper gefeiert. Der Society-Faktor war deutlich niedriger, Möchtegern-Prominente standen nicht am Roten Teppich und im Rampenlicht. Es war nicht so ein „Spektakel“. Genau davon entwickle sich der Ball auch wieder weg, meint Barylli-Fayer als jahrelanger Beobachter. Ihn freut es, dass Operndirektor Dominique Meyer auch heuer wieder einen Schwerpunkt auf die mit der Oper verbundenen Künstler legen möchte und Nachwuchstalenten eine Chance gibt. Das „alte Flair“ werde so „revitalisiert“. Ein idealer Opernball ist seiner Meinung nach eine Zusammenkunft von Operngrößen gepaart mit 5.000 Gästen.

Um auf die analoge Fotografie noch einmal zurückzukommen: Es gibt ein einziges Motiv, das jedes Jahr ganz identisch abgelichtet wird – und das auch immer noch analog. Ein Panorama bei der Balleröffnung, bei dem gestochen scharf das Gesicht jedes einzelnen Debütanten, jeder Debütantin erkennbar ist. Eine Sekunde zu früh oder zu spät abgedrückt und das Bild ist ruiniert. Dann ist die erste Reihe der Debütanten nicht mehr im Bild oder es sind noch gar nicht alle Paare eingezogen. Die Generalprobe der Eröffnung ist also auch immer die Generalprobe für den Fotografen. Der Moment, in dem die Aufregung auf der Tanzfläche am größten ist, ist auch der Moment, in dem der Fotograf besonders aufmerksam sein muss. Barylli-Fayers Team hat Routine, eine wirklich schlimme Panne habe es bei diesem Bild eigentlich noch nie gegeben.

Der Opernballfotograf im Interview

Stress statt Unterhaltung für die Fotografen

Statt einer unterhaltsamen Ballnacht erleben die Fotografen in der Wiener Staatsoper eher Stress. Sie bekommen vom Ballgeschehen wenig mit, ob „leider“ oder „Gott sei Dank“, möchte Andreas Barylli-Fayer dahingestellt lassen. Fotos machen, ins Labor laufen, zurücklaufen, Fotos machen. Ein Hin und Her die ganze Nacht, im Schnitt werden 2.000 bis 2.500 Fotos geschossen. Zahlreiche Stufen gilt es zu überwinden und durch viele schmale Gänge müssen sich die Fotografen drängen, um die Logen zu erreichen. Treppauf, treppab geht es die ganze Nacht. Stunde um Stunde wird um ein Lächeln gebeten, um eine Drehung, um eine Neigung des Kopfes – hinter jeder Erinnerung an den Ballbesuch, die sich die Gäste später zuhause gerahmt aufhängen, steckt viel harte Arbeit: künstlerisch und körperlich. Den Auftrag fasst Barylli-Fayer ganz nüchtern zusammen: Es gehe darum, „perfekte Bilder in kürzester Zeit“ zu liefern. Dass diese aber emotional aufgeladen sind, ist ihm klar: Fotografie schaffe Erinnerungen für die Ewigkeit, findet er.

Auch die Situation der Ballfotografen hat sich über die Jahre stark verändert. In den Anfangszeiten war eine unbeschränkte Anzahl von Fotografen zugelassen. Die Ballgäste seien damals regelrecht belagert worden, beschreibt Barylli-Fayer, der heuer mit einem Team von 17 Mitarbeitern am Opernball vertreten ist, die Problematik. Unzumutbar. Später habe es neben den Pressefotografen nur mehr drei Unternehmen gegeben, die vor Ort die Gäste ablichten. Aber auch das war anscheinend noch zu viel, denn mittlerweile hat seine Firma einen Exklusivvertrag. Der 69-Jährige leitet das Familienunternehmen, das auf eine lange Geschichte, streng genommen die längste eines Fotografenbetriebs in Österreich, zurückblicken kann, seit 1971. 2014 bietet er am Opernball in Zusammenarbeit mit einem Sponsor erstmals eine digitale Fotolounge an. Dort können sich die Ballgäste kostenlos fotografieren lassen und die Bilder direkt digital verschicken. “Wir sind endlich auch im 21. Jahrhundert angekommen”, wurde dieses Angebot von Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh kommentiert.

Als Gast am Wiener Opernball

Die Frage, ob er nicht ein einziges Mal beim Wiener Opernball getanzt habe, bringt Andreas Barylli-Fayer ins Grübeln. Der Gedanke, dass diese Möglichkeit überhaupt bestehe, scheint ihm noch nie gekommen zu sein. Nein, kein einziges Mal habe er getanzt. Jedes Jahr ist er auf rund 15 Bällen – auch mit der Hofburg hat sein Unternehmen einen Exklusivvertrag – in Wien. Und auch den Gedanken „Nie wieder Opernball!“ habe er noch nie gehabt. Ach doch, ein einziges Mal: Im Jahre 1990, als die Ausschreitungen bei der Opernballdemonstration so heftig waren, dass für die Ballgäste und seine Mitarbeiter eine ernsthafte Gefahr bestand. In dem Moment dachte er für eine Sekunde: „Muss das sein? Wozu tue ich mir das eigentlich an?“, gibt er zu. Das ist lange her, die Demonstrationen sind ruhiger geworden.

Wie es wohl ist, als Gast am Wiener Opernball zu sein? Andreas Barylli-Fayer überlegt, ob er anlässlich seines 50. Jubiläums den Ball der Bälle besuchen soll. Ohne Kamera.

In unserem Special finden Sie mehr Infos zum Opernball 2014.
(SVA)

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