Internet erhöht die Beziehungschancen

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Wer daheim über einen Internetanschluss verfügt, hat gute Chancen nicht einsam zu sein. Das behaupten US-Psychologen auf ihrem Jahreskongress in Atlanta.

Sie haben repräsentative Daten von 4.000 US-Amerikanern ausgewertet, von denen 3.000 in einer Beziehung lebten. Das Ergebnis: 82 Prozent der Internetnutzer hatten einen Ehe- oder Liebespartner. Bei denen, die zuhause offline lebten, betrug der Anteil nur 63 Prozent.

Freunde verlieren Bedeutung

Der Boom des Internets hat die Partnerfindung revolutioniert, so das Resümee der Forscher von der Stanford University. Denn während immer mehr Beziehungen mit einem Mausklick beginnen, sinkt die Bedeutung des Freundeskreises für diese wichtige Aufgabe. “Möglicherweise wird das Internet schon in wenigen Jahren wichtiger für die Partnervermittlung als die Freunde – zumindest in den USA”, so die gewagte These des Studienleiters Michael J. Rosenfeld.

Auch die Zahlen für Deutschland zeigen, dass das Internet kaum mehr aus der Partnerfindung wegzudenken ist. Von den 19 Mio. Paaren, die es hierzulande gibt, haben sich drei Mio. bzw. 16 Prozent im Internet kennen gelernt. “Damit liegt die Partnersuche im Netz nach dem Bekanntenkreis (28 Prozent), Clubs und Bars (20 Prozent) etwa gleichauf mit derjenigen am Arbeitsplatz (17 Prozent)”, berichtet Doreen Schlicht, Sprecherin der Online-Partnerbörse Parship, im pressetext-Interview.

Emotionen sprießen online schneller

Dass das Internet auch den Verlauf von Beziehungen verändert hat, betont die Psychologin Christiane Eichenberg von der Universität zu Köln. “Im Internet geschlossene Partnerschaften werden schneller intensiv und emotional, ähnlich wie in therapeutischen Online-Settings”, so die Expertin gegenüber pressetext. Als Grund dafür sieht Eichenberg, dass die Distanz Hemmungen löst. “Man hat eher das Gefühl, steuern und auch aufhören zu können, falls es nicht klappt. Denn es gibt ja noch andere Optionen.”

Laut Schlicht verlaufen Partnerschaften glücklicher, wenn sie im Internet geschlossen wurden. Ein Grund dafür sei, dass das Internet die Möglichkeit bietet, über Werte und Persönlichkeit eines potenziellen Partners zu erfahren, bevor Äußerlichkeiten oder sexuelle Anziehung ins Spiel kommen. Angesichts der großen Auswahl potenzieller Kandidaten hänge die Erfolgschance wesentlich von der kompetenten Auswahl durch die Vermittlungsagentur ab. Der Rest sei harte Arbeit der Suchenden. “Sobald es gefunkt hat, heißt es investieren. Denn jede Partnerschaft funktioniert nur durch Beziehungsarbeit.”

Nadel im Heuhaufen

So vorteilhaft das Web auch für den Erstkontakt ist, gewisse Hürden schafft es neu, ergänzt Eichenberg. “Suchende müssen sich aus vielen Optionen für die eine richtige entscheiden. Zudem muss man damit rechnen, dass bei Intensivierung des Kontakts Stimme und Erscheinungsbild des anderen nicht den Vorstellungen der eigenen Phantasie entsprechen”, so die Psychologin. Ob der Beginn im Internet eine Partnerschaft langfristig anders verlaufen lässt, sei bisher noch wenig untersucht.

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