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Internationale Pressestimmen zum G-8-Gipfel in Japan

Die internationale Presse schreibt am Montag über den G-8-Gipfel: Ein roter Faden zieht sich durch die Berichterstattung: Die Frage, was die G-8 wirklich tun können.

“The Guardian” (London):

“Die Teilnehmer des G-8-Gipfels könnten eines tun, um die Ölpreise zu senken: Sie könnten die Spekulation angehen und es für Banken teurer machen, auf Rohstoffpreise zu wetten. Das hätte vermutlich die Wirkung eines Nadelstichs in einen Luftballon. Die Politiker werden über die Ölpreise reden, doch kaum handeln. In einer Zeit, in der die Weltwirtschaft eine Führung nötig hätte, ist diese nicht in Sicht. Dies betrifft auch die jüngsten Zusicherungen der G-8 für arme Länder und den Klimaschutz. In dem Entwurf des Gipfelkommuniqués werden die (auf dem G-8-Gipfel) in Gleneagles 2005 versprochenen Hilfsgelder nicht einmal erwähnt. Ähnlich könnte es mit dem Klimawandel geschehen. Mehr als ein Fonds für Umwelttechnik für arme Länder ist nicht zu erwarten”.

“Le Figaro” (Paris):

“Unternehmer oder Staatschefs, die sich in Toyako zu ihrem jährlichen G-8-Gipfeltreffen versammeln, müssen sich mehr denn je an eine Welt im ständigen Wandel anpassen. Eine Welt, in der die teure und selten gewordene Energie viele Wirtschaftsmodelle infragestellt werden, eine Welt, in der das Wachstum ebenso viel Instabilität wie Reichtum produziert und eine Welt, in der die entwickelten Länder flexibel sein müssen, um sich an ständig neue wirtschaftliche Umfelder anzupassen. In diesem Kontext kann (Präsident) Nicolas Sarkozy mit 60 seit einem Jahr eingeleiteten Strukturreformen seinen Amtskollegen hohen Hauptes begegnen, egal wie düster die weltweite Wirtschaftsentwicklung aussieht.”

“Libération” (Paris):

“In dem Chaos dieses Jahrhunderts wirken die G-8 zugleich als Ungeheuer und Sündenbock. (…) Der Gipfel pflegt die Illusion, er sei der Herr der Welt geworden. Er zieht Medien und Demonstranten an, Gegen-Gipfel und andere Kritiker dieses Systems einer weltweiten Regierung. Als ob er Angst vor seinem eigenen Schatten hätte, zieht sich der G-8-Gipfel auf weit entfernte Inseln zurück, oder in unzugängliche Berge. Journalisten, Zeugen und Demonstranten werden Kilometer vom Gipfel entfernt auf Distanz gehalten. (…) Warum gehören Kanada und Frankreich diesem Weltexekutiv an, Indien oder Brasilien aber nicht? Diese Länder mit an den Tisch zu laden, ist alleine freilich aber keine Lösung. Es ist höchste Zeit, dass die G-8 reformiert wird.”

“La Stampa” (Turin):

“Die Großen vor der Herausforderung der globalen Krisen: Im Vordergrund stehen die steigenden Energiepreise und die Krise um die Nahrungsmittel, aber auch der Klimawandel und der Kampf gegen den Terrorismus – das sind fundamentale Probleme dieses Planeten, zu denen die Staats- und Regierungschefs dieses exklusiven Achter-Clubs vertretbare und konkrete Lösungen suchen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sich die acht wichtigsten Industrienationen dabei einen größeren Rückgriff auf die Kernkraft als eine wesentliche Aufgabe verschreiben. Dabei geht es ihnen auch darum, die Zusammenarbeit zu verstärken, um immer sicherere und sauberere Atommeiler zu bauen.”

“Corriere della Sera” (Mailand):

“Den Club der Acht abschaffen? Das ist kein Tabu mehr, auch wenn die Frage in eine Diskussion um eine G-8-Erweiterung gekleidet wird. So wird der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy derjenige sein, der die erste wesentliche Debatte unter diesen sogenannten acht wichtigsten Industrienationen anfacht. Er schlägt vor, China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko in einem ersten Schwung in den Club aufzunehmen. (…). Diese G-13-Idee wird von dem britischen Premier Gordon Brown unterstützt, während Japan jede Überlegung einer Erweiterung eindeutig bekämpft, weil es befürchtet, sein internationaler Status werde durch die Mitgliedschaft der beiden asiatischen Giganten verringert. Aber ist eine G-13 die Formel der Zukunft? Oder eine G-16 mit Indonesien, Südkorea und Australien?”

“Aftenposten” (Oslo):

“Die Staats- und Regierungschefs der G-8-Länder haben eine schwierige Tagesordnung bei ihrem Treffen in Japan. Mit einer Weltwirtschaft im Niedergang sollen die Führungen aus den USA, Kanada, Russland, Japan, Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland unter anderem Beiträge zur Lösung der immer ernsteren Nahrungsmittel-Krise und Fortschritte beim Kampf für ein besseres Klima diskutieren. (…) Gute praktische Antworten setzen politische Tatkraft voraus, die wiederum nur Politiker mit gehörigem Respekt in ihrer Heimat haben können. Mehrere Teilnehmer am G8-Treffen erfüllen diese Voraussetzung nicht. Präsident George W. Bush sitzt auf Abruf (…), der britische Premierminister Gordon Brown ist stark geschwächt (…), und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat in seinem ersten Amtsjahr enorm an Unterstützung verloren. Auf einem solchen Hintergrund gibt es wenig Grund zu großen Erwartungen an den G-8-Gipfel.”

“Magyar Nemzet” (Budapest):

“Klimawandel, Ölkrise, Lebensmittelpreise, Armut – Realisten erwarten sich von dem Treffen doch nicht mehr als ein schusseliges Auf-der-Stelle-Treten. Tatsächlich ist zu befürchten, dass man als einziges greifbares Ergebnis des Gipfels wird verbuchen können, dass ein jeder den neuen russischen Präsidenten Medwedew kennengelernt und sich vom scheidenden US-Präsidenten Bush verabschiedet hat. Nach den bisherigen Erfahrungen verfügen nämlich die Teilnehmer dieses Forums in Hinblick auf die neuen Herausforderungen nur über stumpfe Waffen.”

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