Innovativ: Abwärme aus Wiener Rechenzentrum heizt ab 2023 Klinik Floridsdorf

(v.l.), StR. Peter Hacker, Martin Madlo, Managing Director Interxion, BM Leonore Gewessler, StR. Peter Hanke, Michael Strebl, GF Wien Energie, Michael Binder, Med. Direktor Gesundheitsverbund bei der Präsentation von Wien Energie, Interxion und Wiener Gesundheitsverbund
(v.l.), StR. Peter Hacker, Martin Madlo, Managing Director Interxion, BM Leonore Gewessler, StR. Peter Hanke, Michael Strebl, GF Wien Energie, Michael Binder, Med. Direktor Gesundheitsverbund bei der Präsentation von Wien Energie, Interxion und Wiener Gesundheitsverbund ©APA/HANS PUNZ
Wenn ein Großspital davon profitiert, dass andere fernsehen: Künftig können Wienerinnen und Wiener, wenn sie einen Film streamen, damit auch ein Spital heizen - nämlich die Klinik Floridsdorf.

Denn Abwärme aus Serverräumen des privaten Rechenzentrumsbetreibers Interxion - in dem auch ein namhafter Streaming-Anbieter seine Geräte untergebracht hat - wird ab dem Jahr 2023 ein wichtiger Teil der Energieversorgung der Klinik Floridsdorf werden. 50 bis 70 Prozent des Wärmebedarfs des Krankenhauses will man dadurch abdecken.

Kooperation von Klinik Floridsdorf und Inerxion

Die Cloud ist ein Großkomplex an der Brünner Straße: Interxion betreibt dort auf einem einst von der Firma Elin genutzten Areal den laut Unternehmensangaben größten Rechenzentrums-Campus des Landes. Von außen sind die Dimensionen der Anlage nicht zu erkennen. Doch hinter der Fassade eines schlichten Bürogebäudes verbirgt sich auf tausenden Quadratmetern ein Netz aus Gängen und Räumen mit IT-Gerätschaften.

Wessen Daten in welchem Raum schlummern, wissen nur eingeweihte Personen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind generell sehr streng. Ohne Registrierung und Begleitung darf keine betriebsfremde Person das Haus betreten. Mehr als 100 Firmen nutzen das Angebot, viele Kunden wollen jedoch nicht, dass man sie nennt, wie bei einem Medientermin am Montag betont wurde.

Digitalisierung benötigt richtige Temperatur

Die Digitalisierung benötigt nicht nur eine komplexe Infrastruktur, sondern auch die richtige Temperatur. Server müssen permanent gekühlt werden, um nicht zu überhitzen. Die wiederum erwärmt das Kühlwasser im Floridsdorfer Campus, nämlich auf rund 26 Grad. Hier setzt nun das gemeinsam mit der Wien Energie und dem Gesundheitsverbund realisierte Projekt an. Die Flüssigkeit macht sich nach erfolgtem Einsatz künftig mittels Rohrleitung auf den Weg zum Nachbarn.

Wärmepumpe und Windrad zur Versorgung der Klinik Floridsdorf

Denn die Klinik Floridsdorf ist nur wenige hundert Meter entfernt. Zwischen den beiden Gebäuden wird bis 2023 eine Wärmepumpe errichtet, deren Energiebedarf unter anderem durch ein Windrad gedeckt werden soll. In der Anlage wird dem Wasser die Wärmeenergie entzogen und das Heizwasser für das Krankenhaus auf bis zu 82 Grad temperiert. Das kalte Wasser fließt wieder zurück ins Rechenzentrum, wo es wieder zur Kühlung herangezogen wird.

Das Spital, das einst unter dem Begriff Krankenhaus Nord firmierte, verfügt über insgesamt 90.000 Laufmeter Heizung bzw. einen jährlichen Warmwasserverbrauch von 73.000 Kubikmetern. Beheizt wird die Klinik an 150 Tagen im Jahr.

CO2-Einsparungen von 4.000 Tonnen pro Jahr

Die Kooperation mit dem Nachbarbetrieb soll CO2-Einsparungen in der Höhe von 4.000 Tonnen pro Jahr ermöglichen. Die Investitionen wurden heute mit 3,5 Mio. Euro beziffert, wobei ein finanzieller Zuschuss aus Mitteln der Umweltförderung des Bundes gewährt wurde.

Präsentiert wurde das Vorhaben am Montag von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne), Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke, Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (beide SPÖ) sowie Vertretern der Projektpartner. Gewessler verwies darauf, dass derartige Konzepte dazu beitragen würden, dass die in Österreich benötigte Energie auch hier produziert werden könne. "Wir nutzen die Energie, die ohnehin da ist", hob die Ressortchefin hervor.

(APA/Red)

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