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Influenza-Medikamente: Hoffnung bei Pandemie

Jahrelang eher im Hintergrund, hat eine Arzneimittelklasse jetzt höchste Aktualität und entsprechende Verkaufszahlen erlangt: die Neuraminidase-Hemmer wie "Tamiflu" (Oseltamivir/Roche) oder "Relenza" (Zanamivir/GSK).

Bei einer Influenza-Pandemie könnten diese Medikamente entscheidend zur Beherrschung der Situation beitragen – prophylaktisch so lange, bis eine Vakzine vorhanden ist und therapeutisch zur Verhinderung der schwersten Folgen einer Influenza-Infektion.

Im Grunde ist die Geschichte schon uralt. „Inhibition of neuraminidase activity by derivatives of 2-deoxy-2,3-dehydro-N-acetylneuraminic acid“, lautete der Titel einer Arbeit von Wiener Biochemikern in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter Univ.-Prof. Dr. Hans Tuppy. Doch aus Mangel an den entsprechenden Verfahren blieben die Forscher im Endeffekt erfolglos.

Die Angelegenheit änderte sich erst, als in den neunziger Jahren die dreidimensionale Struktur der Neuraminidase dargestellt werden konnte. Influenza-A und B-Viren haben zwei Glykoproteine an ihrer Oberfläche: Hämagglutinin und Neuraminidase. Das Hämagglutinin ist Molekül, das am Sialidase-Rezeptor bindet. Über dieses Oberflächenprotein dringen Influenza-Viren in Zellen ein.

Das Neuraminidase-Enzym hingegen führt zur Ausreifung neuer Viruspartikel, indem sie die Sialidase-Rezeptoren so zurecht schneidet, dass funktionsfähige Viren entstehen. So verhindern Neuraminidase-Hemmer die Entstehung neuer Viruspartikel nach bereits erfolgter Infektion durch Influenza-Erreger. Erstmals besitzt die Menschheit damit ursächlich gegen die Influenza wirksame Medikamente. Obwohl in der Wirkung ganz ähnlich, unterscheiden sich Zanamivir und Oseltamivir in der Formulierung und in der Anwendung deutlich von einander.

Zanamivir gibt es nur als Pulver für die Trockeninhalation (Diskhaler). Nach der Inhalation erreichen zehn bis 20 Prozent der Wirksubstanz die Lunge. Fünf bis 15 Prozent werden aufgenommen. In der Lunge wird bis zum 1.000-Fachen der Konzentration des Wirkstoffes erreicht, der eine 50-prozentige Hemmung der Influenza A- und B-Viren bewirkt. Das Medikament wirkt buchstäblich binnen Sekunden. Fachleute meinen, dass dies und die hohe Konzentration in der Lunge das Entstehen von resistenten Viren verhindern könnte, hieß es vor kurzem in einer Übersichtsarbeit im „New England Journal of Medicine“.

Oseltamivir wird in Kapsel- oder als Suspension oral eingenommen und erst in der Leber von Enzymen in das wirksame Oseltamivircarboxylat umgewandelt. Die Halbwertszeit beträgt sechs bis zehn Stunden. Das Medikament wird hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden. Zanamivir ist für Kleinkinder und in der Prävention einer Influenza nicht zugelassen. Das könnte sich aber ändern. Die Dosierung von Zanamivir: zehn Milligramm (zwei Inhalationen zwei Mal pro Tag über fünf Tage hinweg). Oseltamivir ist für die Verwendung ab dem ersten Lebensjahr zugelassen. Hier gibt es sowohl die Möglichkeit einer Therapie als auch einer medikamentösen Prophylaxe (halbe Dosis). Bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte die Dosis halbiert werden.

Beide Arzneimittel sind wohl gegen Influenza A- als auch gegen Influenza B-Infektionen wirksam, während die Parkinson-Mittel Amantadin und Rimantadin nur gegen Influenza A einen Effekt haben. Da es sich um Hemmstoffe der Virus-Replikation nach bereits erfolgter Infektion handelt, kommt es bei der Wirksamkeit entscheidend darauf an, dass sie möglichst schnell auf Auftauchen von Symptomen eingenommen werden. Empfohlen werden nicht länger als 48 Stunden nach Beginn der Erkrankung.

Dies geht auch aus zahlreichen Studien hervor. Demnach reduzierte Oseltamivir bei 629 gesunden Erwachsenen mit per Labor nachgewiesener Influenza die Krankheitsdauer bei Einnahme binnen 36 Stunden um 1,3 Tage. In einer anderen Studie mit 1.426 Gesunden im Alter zwischen zwölf und 70 Jahren verringerte das Medikament die Krankheitsdauer bei Einnahme bis zu sechs Stunden nach Auftreten von Symptomen (Influenza per Labor nachgewiesen) gar um 4,1 Tage, bei Einnahme innerhalb von sechs bis zwölf Stunden nach Symptomen (Labor) um durchschnittlich 3,1 Tage. Die Wirksamkeit der Medikamente in der Behandlung der Influenza ist offenbar auch etwas altersabhängig.

Hohe Wirksamkeit in Prophylaxe

Eine neue Studie, die Ende September dieses Jahres bei der “2. Europäischen Influenza Konferenz“ in Malta präsentiert wurde, zeigt, dass die Todesrate von Patienten nach einer echten Grippe durch eine Behandlung dramatisch – um mehr als 99 Prozent – reduziert wird. Dr. Beth L. Nordstrom von dem auf Epidemiologie spezialisierten US-Unternehmen Ingenix i3 Magnifi Epidemiology und die Co-Autoren analysierten nach einer Influenza-Welle die Daten von Patienten im Alter von über 50 Jahren. Überblickt wurde der Zeitraum zwischen 1999 und 2004.

Die Experten holten sich von einer US-Privatversicherung die Informationen von 39.202 Influenza-Patienten, die mit Oseltamivir behandelt worden waren, sowie von 136.799 Patienten, die das Medikament im Erkrankungsfall nicht bekommen hatten. Die Hauptergebnisse:

  • Eine Behandlung mit dem Influenza-Medikament schützte offenbar zu 32 Prozent vor einer an die Influenza anschließenden bakteriellen Lungenentzündung. Dies ist die häufigste Komplikation der Virusinfektion. Dieses Ergebnis war statistisch hoch signifikant.
  • Im Monat nach der Erkrankung an einer Influenza starben in der Oseltamivir-Gruppe um 67 Prozent weniger Menschen an einem Herzinfarkt. Wegen der geringen Fallzahl war das allerdings statistisch nicht signifikant.

  • Wer allerdings mit dem Influenza-Medikament behandelt wurde, hatte innerhalb eines Monats nach einer Influenza ein im Vergleich zu den Nichtbehandelten um 99,1 Prozent geringeres Sterberisiko. Das war statistisch hoch signifikant.

Vor allem für den Fall einer Influenza-Pandemie wichtig wäre – zumindest für manche Personen, die wie Angehörige des Gesundheitspersonals etc. nicht ausfallen dürfen – eine medikamentöse Prophylaxe. So hieß es vor kurzem im „New England Journal of Medicine“: „Zanamivir und Oseltamivir haben hier in Studien eine Wirksamkeit von 70 bis 90 Prozent bei gesunden Erwachsenen gezeigt.“ Bei Kindern wurde eine Effektivität von Oseltamivir in der Vorbeugung von rund 80 Prozent nachgewiesen. Wie gesagt, eine Zulassung für die Prävention gibt es für Zanamivir nicht.

Beide Arzneimittel sind prinzipiell sehr gut verträglich, sie haben manchmal aber auch Nebenwirkungen. Das können Arrhythmien, Schwindel, Durchfall, Erbrechen etc. sein. Bei manchen Diabetikern kam es zur Verschlechterung ihrer Erkrankung.

Resistenzen sind bei den Neuraminidase-Hemmern nur mit starker Verzögerung bzw. sehr eingeschränkt der Fall. Weltweit wurden bisher noch keine kursierenden Influenza-Viren mit solchen Resistenzen registriert. Seltener als bei Oseltamivir dürften unter Zanamivir unempfindliche Viren auftauchen. Nach einer Therapie mit „Tamiflu“ zeigten 0,4 Prozent der Virus-Isolate eine Resistenz. Bei Kindern könnten solche Resistenzen allerdings häufiger auftreten: In einer klinischen Studie wurde das bei vier Prozent der Behandelten nachgewiesen. Bei japanischen Kindern zeigte sich, dass neun von 50 Probanden nach einer Oseltamivir-Therapie resistente Viren hatten. Bisher ist allerdings nicht geklärt, ob solche Viren auch weiter übertragbar sind und somit eine Bedeutung in der Praxis erlangen könnten.

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