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Industrie-Emissionen im Vorjahr gestiegen

Einen Anstieg gab es letztes Jahr bei den Industrie-Emissionen.
Einen Anstieg gab es letztes Jahr bei den Industrie-Emissionen. ©APA/Barbara Gindl (Symbolbild)
Das Vorjahr hatte einen Anstieg bei den durch Österreichs Industrie in die Atmosphäre gepumpte Treibhausgase im Gepäck.
"Corona-Effekt"

Die vom EU-Zertifikatehandel erfassten Anlagen haben Abgase im Gegenwert von 28,7 Mio. Tonnen CO2 ausgestoßen, wie von der APA ausgewertete vorläufige Daten der EU-Kommission zeigen. Inklusive Fluglinien sind es 30,3 Mio. Tonnen. Damit wurde der Rückgang des Pandemie-Jahres 2020 großteils wettgemacht. Fast ein Drittel der Emissionen entfällt auf das Stahlwerk der voestalpine in Linz.

Plus bei Emissionen

Insgesamt sind die Emissionen im Vorjahr um 1,7 Mio. Tonnen bzw. 6,3 Prozent gestiegen (bzw. 7,3 Prozent inklusive Fluglinien). Der Vorkrisenwert von 29,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 2019 wurde damit aber noch nicht ganz erreicht. Zum Vergleich: die Gesamtemissionen des Vorjahres - also inklusive Verkehr und Haushalte - schätzt das Wegener Center der Universität Graz auf 80,7 Mio. Tonnen.

Größte heimische Industrieanlage ist die voestalpine in Linz mit 9,4 Millionen Tonnen CO2. Das ist aber nicht nur in Österreich ein Spitzenwert, auch im Europavergleich liegt das Stammwerk des Stahlproduzenten damit weit vorne - und zwar an elfter Stelle. An der EU-Spitze liegen Kohlekraftwerke in Polen und Deutschland. Wobei allein das schmutzigste europäische Kohlekraftwerk - jenes nahe Belchatow in Polen - mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gepumpt hat als die gesamte österreichische Industrie zusammen. Für das polnische Kohlekraftwerk zeigt die EU-Statistik 33,2 Millionen Tonnen CO2.

Stahlwerk in Steiermark auf Platz 2

In der österreichischen Rangliste scheint an zweiter Stelle hinter dem Linzer Stahlwerk ein weiterer Standort der voestalpine auf, nämlich das Stahlwerk im steirischen Donawitz (2,69 Mio. Tonnen), wo die voestalpine ebenfalls Hochöfen betreibt. An dritter Stelle folgt mit 2,75 Millionen Tonnen die OMV-Raffinerie in Schwechat vor den drei Kraftwerksböcken der Wien Energie in Simmering (1,56 Mio. Tonnen).

Höherer Treibhausgasausstoß

Die meisten Anlagen haben ihren Treibhausgasausstoß im Vorjahr deutlich erhöht: die voestalpine in Linz um fast zehn Prozent, in Donawitz um über 31 Prozent, die Wien Energie in Simmering um acht Prozent. Vergleichsweise stabil liegt in den vorläufigen Daten die Raffinerie der OMV mit einem Plus von 0,7 Prozent.

Fluglinien-Emissionen

Die Emissionen der Fluglinien haben nach dem besonders starken Einbruch im ersten Pandemiejahr um fast 31 Prozent zugelegt. Mit mit 1,6 Millionen Tonnen liegen sie aber noch deutlich unter dem Höchstwert des Jahres 2019. Generell war 2019 ein besonders "emissionsreiches" Jahr in der heimischen Luftfahrt - geschuldet dem brexit-bedingten Standortwechsel von EasyJet nach Wien. Seither werden die Easyjet-Emissionen in Österreich verbucht: 2,3 Mio. Tonnen 2019 bzw. 1,1 Mio. Tonnen im Vorjahr. Bei der AUA zeigt die Statistik bis zum Corona-Knick einen jährlichen Anstieg auf 913.000 Tonnen 2019. Im Vorjahr waren es nur noch knapp 395.000 Tonnen. Die tatsächlichen Emissionen der Luftfahrt sind jedoch höher, erfasst vom ETS-System der EU sind nämlich nur Flüge innerhalb der Europäischen Union.

CO2-intensivste Branche

Die CO2-intensivste Branche in der österreichischen Klimabilanz ist aufgrund der voestalpine die Eisen- und Stahlindustrie mit 12,7 Millionen Tonnen CO2 mit einem deutlichen Respektabstand vor der Energie- und Wärmeerzeugung (5,8 Mio. Tonnen). Auf das Konto der Baustoffherstellung - also insbesondere Zement, Ziegel und Glas - gehen 4,6 Mio. Tonnen jährlich. Dahinter folgen Raffinerien (also die OMV) mit 2,7, vor den Fluglinien mit 1,6 sowie der Papier- und Zellstoffindustrie mit 1,5 Millionen Tonnen. Die chemische Industrie pumpt 1,1 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre, der Rest entfällt auf Aluminiumwerke und sonstige Branchen.

Erfassung von Industrie-Emissionen

Erfasst werden die Emissionen der Industrie im sogenannten EU-Emissionshandelssystem ("Emissions Trading System", kurz ETS). Produzierende Unternehmen müssen für ihren Ausstoß klimaschädlicher Gase Verschmutzungsrechte kaufen und den Ausstoß spätestens im April des Folgejahres dem Umweltbundesamt melden. Derzeit kostet ein Zertifikat für eine Tonne Kohlendioxid knapp unter 90 Euro. Zum Vergleich, für jene CO2-Emissionen, die abseits der Industrie anfallen, hat Österreich ab 1. Juli 2022 einen CO2-Preis von anfangs 30 Euro pro Tonne eingeführt. Dass abhängig vom CO2-Ausstoß Kosten anfallen, soll dazu führen, dass Unternehmen, die klimaschonender produzieren, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber schmutzigeren Konkurrenten haben.

Emittenten von klimaschädlichen Treibhausgasen

voestalpine, OMV und Wien Energie sind Österreichs größte Emittenten von klimaschädlichen Treibhausgasen. Der Umstieg auf eine klimaneutrale Produktion wird für die Industrie Jahre, teils bis Mitte des Jahrhunderts dauern. Um die Erderhitzung bei unter zwei Grad Celsius, bestenfalls bei 1,5 Grad, zu stoppen, müssen die Weichen dafür jetzt gestellt werden, betonen Experten. Schwer wird dies für Ölkonzerne wie die OMV, deren Geschäftsmodell auf CO2-lastigen Produkten basiert.

Welche Pläne Österreichs größte CO2-Emittenten verfolgen:

VOESTALPINE Mit 9,4 Millionen Tonnen allein am Stammsitz in Linz stieß der Stahlkonzern 2021 mehr Treibhausgase aus als 900.000 Österreicherinnen und Österreicher zusammen. 2018 beispielsweise sanken Österreichs CO2-Emissionen, nur weil die voest einen Hochofen zur Wartung abgeschaltet hatte. Um künftig weniger und ab 2050 gar ein CO2 mehr ausstoßen, ohne aber auf die Stahlproduktion zu verzichten, setzt die voestalpine auf Elektrolichtbogenofen und grünen Wasserstoff. 2027 soll je ein Elektrolichtbogenofen in Linz und Donawitz in Betrieb gehen. Damit sollen die CO2-Emissionen um 3 bis 4 Mio. Tonnen jährlich sinken. Das wären fast 5 Prozent der Gesamtemissionen Österreichs. Bei Wasserstoff ist die voestalpine noch im Forschungsstadium, dazu zählt etwa die Pilotanlage H2Future in Linz, und in Donawitz laufen Versuche zur CO2-neutralen Stahlerzeugung durch Direktreduktion von Erzen mittels Wasserstoff. Innovation aus Österreich wäre nicht neu: Mit dem LD-Verfahren haben die österreichischen Stahlwerke Linz und Donawitz schon einmal die weltweite Stahlindustrie geprägt. Bei Wasserstoff-Stahl habe derzeit aber Schweden die Nase vorn. "H2 Green Steel" will schon ab 2025 grünen Stahl liefern, unter anderem an BMW und Scania.

Treibhausgas-Ausstoß der OMV im Vorjahr bei 13,9 Mio. Tonnen

OMV Der teilstaatliche Erdölkonzern hat 2021 selbst 13,9 Mio. Tonnen an Treibhausgasen ausgestoßen - das ist ein Plus von 29,9 Prozent, das hauptsächlich mit der Übernahme des Chemiekonzerns Borealis zusammenhängt, der selbst hohe CO2-Emissionen verursacht, etwa in Linz bei der Düngemittelproduktion. Die CO2-intensivste Anlage der OMV in Österreich steht in Schwechat in der Nähe des Flughafens Wien. Hier wird Rohöl zu Benzin, Diesel und Kerosin verarbeitet. Allein bei der Verarbeitung fielen 2021 rund 2,7 Mio. Tonnen an CO2-Äquivalenten an. Rechnet man die Emissionen dazu, die entstehen, wenn man mit den Produkten der OMV fliegt, heizt oder fährt, vervielfacht sich der Fußabdruck. Im Nachhaltigkeitsbericht 2021 gibt die OMV an, dass durch die Nutzung ihrer Produkte 130 Mio. Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen wurden. 2020 waren es 112 Mio. Tonnen. In der Nachhaltigkeitsberichterstattung unterscheidet man übrigens zwischen direkten und indirekten Emissionen, unterteilt in Scope 1 bis 3. Bei der OMV fallen die indirekten Emissionen besonders ins Gewicht. "Wir sind uns bewusst, dass der überwiegende Teil unserer Emissionen durch die Verwendung unserer Produkte entsteht. Als Öl-, Gas- und Chemieunternehmen Unternehmen haben wir in dieser Hinsicht eine besondere Verantwortung", schreibt das Unternehmen in dem Bericht. Auch die OMV will die Emissionen bis 2050 auf netto null reduzieren. Ihr Know-how will die OMV künftig unter anderem in der Geothermie oder bei der Erzeugung synthetischer, wasserstoffbasierter Brennstoffe einsetzen.

Wien Energie stieß 5,9 Mio. Tonnen CO2 aus

WIEN ENERGIE Der Energieversorger der Bundeshauptstadt hat 2020 selbst 5,9 Mio. Tonnen CO2 ausgestoßen. Für 2021 hat die Wien Energie noch keine Werte publiziert, diese sollen im Juni veröffentlicht werden. Dass die Wien Energie derart viele Treibhausgase emittiert, liegt daran, dass sie für die Stromerzeugung und die Fernwärme viel Erdgas einsetzt. In Simmering summierten sich die Emissionen aller Kraftwerksblöcke 2021 auf 1,6 Mio. Tonnen CO2. Zum Vergleich, das Verbund-Gaskraftwerk in Mellach stieß 400.000 Tonnen CO2 aus. Die Gaskraftwerke dienen dazu, das Stromnetz zu stabilisieren, wenn zu wenig Wasser fließt, keine Sonne scheint und der Wind nicht stark genug geht. Die Kraftwerke der Wien Energie sind sogenannte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, das heißt, sie erzeugen sowohl Strom als auch Wärme, was die Ausbeute erhöht. Nichtsdestotrotz will die Wien Energie schon 2040, also zehn Jahre früher als voestalpine und OMV, netto keine Emissionen mehr verursachen. In den Gaskraftwerken soll dann Biogas und aus Wind- oder Sonnenenergie erzeugter grüner Wasserstoff eingesetzt werden. Schon nächstes Jahr, 2023, soll dafür eine erste kleine Elektrolyseanlage in Betrieb gehen und im Gaskraftwerk Donaustadt ist geplant, testweise 15 Volumenprozent Wasserstoff dem Erdgas beizumischen. Bei der Fernwärme sollen die fossilen Energieträger durch Geothermie und Großwärmepumpen verdrängt werden.

(APA/Red)

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