In Picknick-Laune: Wem haben wir eigentlich das Essen unter blauem Himmel zu verdanken?

Die Wiener stehen darauf, “open air” verwöhnt zu werden. Ein Lokalaugenschein von Herrn Merlot.

 

Nach einer langen Zeit der kurzen Sonnenstrahlen, der Kälte, des Nebels, der frostigen Winde und der unheimlichen nassfeuchten Tagesabläufe, die nie enden wollten, liegt es auf dem „Tisch”, in Freie zu flüchten!! Kurze Info zur Kulturgeschichte des Picknicks: Die Sitte auf dem Boden zu essen pflegte man schon in der Antike. Die Griechen zogen mit Köchen, schönen Frauen und Lyraspielern in die Berge und nannten die dort zelebrierten Göttermahlzeiten Eranos. Die Römer nahmen ihren kalten Open-Air-Snack oft als zweites Frühstück vor dem Bade ein. Mehr Mittel zum Zweck denn Vergnügen war das Essen im Freien im Mittelalter. Reisende speisten oft notgedrungen außerhalb von Gasthäusern und Bauern hielten ihre Brotzeit auf dem Feld, damit die Arbeit nicht zu lange unterbrochen wurde. Auch während einer herrschaftlichen Jagd wurde zwischendurch im Freien eine Mahlzeit eingenommen. Aber hier wurde eher der Hunger gestillt als dem Genuss gefrönt. Erst in der Renaissance und im Barock entdeckte man die antike Freiluftschlemmerei als Sommervergnügen neu. Mit der Schäferidylle kam in französischen Adelskreisen auch das, was wir heute Picknick nennen, wieder in Mode. Wobei die Outdooraktivitäten vom rauschenden Königsfest bis zum privaten Tête-à-tête reichten. So zog es die Damen des 16. und 17. Jahrhunderts angeblich öfter in die Pariser Schlossgärten, um sich dort mit ihren Geliebten zu treffen. Im Liebesgarten wurde dann nicht nur mit brennenden Liebesschwüren, sondern auch mit ausgefallenen Speisen um das Herz der Angebeteten geworben. Liebe ging halt schon damals durch den Magen.

   

Die Leidenschaft fürs Speisen unter dem Himmelszelt verbreitete sich rasant. Einen eigenen Namen hatten diese Mahlzeiten allerdings noch nicht. In der Literatur wurde mitunter vom Speisen „alfresco”, also im Freien, gesprochen. Das Wort Picknick tauchte erst im 17. Jahrhundert auf und ist den meisten Quellen zufolge französischen Ursprungs. Es setze sich zusammen aus piquer für „aufpicken” und „nique” für „Kleinigkeit”. Aber auch die Briten beanspruchen die Herkunft des Begriffs für sich. Komme es nun von „Pique un nique” oder von „Pick a nick” , an der Kulturgeschichte des Picknicks schrieben sowohl die Engländer als auch die Franzosen fleißig mit: Die Franzosen setzten dem Picknick mit Edouard Manets Werk „Le Déjeuner sur l’herbe – Frühstück im Grünen” ein ewiges Denkmal, die Engländer wiederum erfanden ganz praktisch den Picknickkorb. Der klassische Picknickkorb, der sowohl das Essen als auch eine Decke, Geschirr und Besteck enthält, eroberte im 19. Jahrhundert ganz Großbritannien. Denn auch Queen Victoria selbst speiste gerne im Freien. Selbstverständlich mit Porzellan, Silberbesteck und eigener Teezubereitung durch den Butler. Opulenz wurde im viktorianischen Zeitalter eben großgeschrieben. Die britische Autorin Mary Beeton widmete sich in ihrem im Jahr 1861 erschienen Bestseller „Mrs. Beeton’s Book Of Household Management” ausführlich dem Thema „Picknick” und führte dafür eine komplette Speisenliste auf, die Rinderbraten, Rindfleisch, Lammkoteletts und -schultern, Schinken, mehrere Pasteten, Tauben, Hummer und einen Kalbskopf als notwendig erachtete.

 

Bis heute ist Picknick in Großbritannien ein Volkssport. Bei Schönwetter sind die unzähligen Londoner Parks voll mit Picknickrunden, bei den oberen Zehntausend wurden Picknicks sogar zu gesellschaftlichen Großereignissen. Bei der beliebten Sportart Cricket ist sogar eine 20-minütige Pause festgelegt, in der das Spiel unterbrochen wird, damit die Spieler eine Tasse Tee einnehmen können. Wo und wie immer es auch abgehalten wird, ein Picknick ist ein vergnügliches Genussfest. Entweder in vollendeter Eleganz mit edlen Decken und Servietten, Kristallgläsern und teurem Geschirr oder als spontanes Fest mit einfacher, aber nicht minder wohlschmeckender Kost. Wer zum Beispiel auf Reisen durch Südfrankreich oder Italien, dem Burgenland oder in unserer Donaumetropole nicht mindestens einmal im Leben ein Picknick mit frischem Landbrot, Käse, sonnengereiften Paradeisern und einer Flasche Rotwein hält, versäumt eine gute Mahlzeit und das Leben. Denn was das „Essen unter blauen Himmel” von normalen Mahlzeiten unterscheidet: Zum sinnlichen Speisegenuss kommen auch noch die anderen Sinnesreize, die die Natur zu bieten hat. Und während sich der Picknickmuffel über Ameisen, Stadttauben unbequeme Sitzgelegenheiten oder unstetes Wetter mokiert, erfreut sich der Romantiker am Vogel, der sein Lied zwitschert, am Duft des frisch gemähten Grases, an den Blumen oder dem Plätschern einer Quelle. Das sind dann die kleinen Momente, die glücklich machen.

 

Hier einige tolle Plätze, wo das Grün im Gras steht, sowie der Duft von Zitronen unseren Hunger begleiten und so manche Tonspuren von Paulo Conte uns in den Süden trägt!

   

BODEGAflair: Auch im Ersten scheint die Sonne über spanische Köstlichkeiten in Haubenqualität: Der mit Abstand beste Spanier unter Wiens Sonne verwöhnt jeden Tag ab 17 Uhr in einer geschichtsträchtigen Gasse, die mehr erzählen kann als unsere Politiker über Krisen und Selbstfindungen! Gerald der Haubenkoch verwöhnt mit perfekten „Platos del Dia”: Da war doch dieser Thunfisch in Sesamkruste mit Avocadosalat auf fruchtig pikanter Paprikasauce, oder das Duett von iberischen Schweinsfilet und Blutwurst auf Bärlauchpüree, die Hochrippen vom Rind auf Lavastein gegrillt mit Gemüse und Aioli für zwei (500 Gramm fleischige Lust). TopTipp: Ob Tapas Frias, Tabas Verdura oder die fischigen Tapas, allesamt sind großartig und der Abend i”ss”t mit Sicherheit eine kulinarische Herausforderung im positivstem Sinne. Weinpatron der Bodega Herr Christian ist ein Weinwissender und so geben sie ihre Wünsche einfach in seinen „Gaumen” und der Abend hat somit seine Erfüllung. Dazu ein flüssiger TopTipp: Aus der Bodega Finca Valpiedra eine Reserve in Cuvéeform mit  Sorten: Tempranillo, Graciano, Cabernet Sauvignon.

Bodega Marques
Parisergasse 1
1010 Wien
Telefon: 01 5339170
www.bodegamarques.at
Mo-Sa 18-1, So 17-23
Sonntag Ruhetag

  

Frischer Fisch im Hafen, der sich BODULO nennt:
3 bis viermal wöchentlich kommen die frischen Meeresbewohner aus ihrer nassen Heimat in den „Fischhafen” des Bodulos und seiner Patronin Tamara. Hier werden nur ganze Fische gedünstet, gegrillt oder in einer Salzkruste zubereitet. Bodenständiges ohne überkreatives Herumwerkeln am fischigen Speisegut wird hier handwerklich umgesetzt. Geschmacklich perfekt, dazu gibt es aus ihrer Heimat flüssige Genussfolgen in Weiß und Rot.

Bodulo
Hernalser Hauptstraße 204
1170 Wien
Telefon: 01 4864311
Di-Sa 11.30-15 u. 17.30-23, So u. Fei bis 22
Montag Ruhetag

  


  

DOMMAYER: Auch die angeblich „bessere Gesellschaft” hat keine Angst vor der Sonne und genießt im „Grün”! Glas schwingend  versuchen sie die Weine in Bestform zubringen, diskutieren um das weiter überleben des inaktiven ORF oder planen mit Herrn Meindl neue Geldufer zu erreichen. Zwischen weichem Ei und Mittagsteller fühlen sich einige sehr wohl und das erkennt man bei: Küss die Hand,  „Bussi Bussi, Servus Herr Generaldirektor und vielen anderen Zwischenmeldungen. Der Kaffee schmeckt so wie es sein muss für einen Cafehaus – Klassiker:  schlecht! TopTipp: auch für Menschen die gerne andere Beobachten ein Platz für Gesellschaftsstudien.

Dommayer
Auhofstraße 2
1130 Wien
Telefon: 01 8775465
Täglich 7.00-22.00

  

Unter Laube ist „FINO’s” – Genuss grenzenlos: Seit Anfang des Krisenjahres haben die „Jungen” die Verantwortung über Speis & Trank übernommen. Tina, Georg Pfeiffers (vormals Capo und Fino Gründer) Tochter bringt mit ihrem Lebensabschnittsfeinschmeckerpartner (Modewort 08) frischen Schwung in die feine, kleine „weinige” Bar mit Restaurant und durchgehenden Imbissschmankerl, die zu allen Anlässen fürs Cityvolk frisch und flink zubereitet werden. Auch ich bin immer der Meinung gewesen, dass das Fino absolut nur eine herrliche Weintrinkbar ist mit Jahrgängen, die sich lesen und trinken lassen (99, 00, 01 – 2004) und selbstredend die andern Jahrgänge bis 08. Nein, im neuen Fino kann man echt guten Imbiss bis hin zum Degustationsmenü ordern! Ausgesuchte Antipasti, herrliche Würste und Schinken, sowie Wohlgereiftes aus der weiten Welt des Käses. Oder die im Trend liegenden Imbissklassiker mit Mittelmeerflair und Co! In Zukunft werden alte Jahrgänge, zum Beispiel ein rotes Cuvée von Schuster Rosi 1999 ab einer Bestellung von 4 Gläsen für Sie geöffnet, das gibt’s ja nur in diesem sympathischen Inn-Treff unter dem Laubentuch aus Glas mit Blick auf den Sommermond!

Fino Gourmet
Tuchlauben 7
1010 Wien
Telefon: 01 5352888
Mo-Sa 11.00-1.00
Sonn- u. Feiertag Ruhetag

  

GOOD MORNING VIETNAM, hier scheint immer die kulinarische Sonne und das satt Grün lässt uns träumen: Thai, Khmer und Buddhistisches sind merkbare Einflüsse, die zur köstlichen, geschmackvollen und sehr gesunden Küche Vietnams beigetragen haben. Dank Meisterkoch Giang schmeckt nun auch in der Märzstrasse 29 der Pho (traditionelle Suppe mit kräftiger klarer Brühe, Reisnudeln und dünne Scheiben Rindfleisch, Huhn sowie Lauchringe, Koriandergrün aus Asien, Minze, Chillis und Co erweitert), genau so gut, wie man ihn sonst nur in Vietnam bekommt. “Für unsere Speisen verwenden wir ausschließlich Grundprodukte höchster Qualität und Frische”, beschreibt Giang Nguyen das für ihn Allerwichtigste, “weil wir unseren Gästen die beste Qualität und ein kulinarisches Erlebnis bieten wollen”. Mitten im ruhigen, dicht bewachsenen Gartentraum konnten wir wieder feststellen, dass “die Gerichte jedenfalls mit deutlichem Abstand das Beste sind, was man in Wien an vietnamesischer Küche bekommen kann, ja sogar mit großem Abstand! Die hausgemachten Saucen sind einfach grenzgenial, zwischen tief scharf und herrlich fruchtig begleiten sie die leichte Küche großartig. Giang hat auch am Getränkesektor einiges anzubieten: Ingwer-Tee mit echtem und frischem Ingwer herrlich wärmend und über Maßen gesund, sowie eine kleine, feine und sehr überlegte Weinkarte für die Erweiterungen der Genüsse.

Good morning Vietnam
Märzstraße 29
1150 Wien
Telefon: 01 7866529
Mo-Fr 17.30-23, Sa u. So 12-23 durchgehend geöffnet

   

Himmlisch schön: Blauer Himmel und perfekte Schmankerl bei den SCHREINER’s: Essen bei Freunden, könnte man es auch beschreiben! Man fühlt sich einfach wohl in diesem Hinterhof, eine andere Welt, ein anderer Platz, dem Alltag „Servus” zuzuprosten und Meisterkoch Schreiner großartigen Schmankerlkombinationen seinen Gaumen zu leihen. Er beherrscht es, biologisch gewachsene Lebensmittel zusammenzuführen und ein herrlich abgestimmtes Ganzes zu erkochen. Dazu Weintropferl, die nicht wegen der Etiketten ausgesucht wurden, sondern gezielt auf die Rebsorte eingehen – das macht zusätzlich Spaß und bringt einem weiter im Weinwissen. Alle diese Kleinigkeiten machen den „Schreiner” zu einem ganz „Großen”.  Das Wienerbeisl lebt und macht gerade in der Krise Lust auf ein schnelles Wiederkehren. 

Schreiner’s Gastwirtschaft
Westbahnstraße 42
1070 Wien
Tel 01 9903783
Mo-Fr 17-24, Küche bis 23
Samstag, Sonntag Ruhetag

  

In Speising kann man gut speisen, erlebt in der WALDTZEILE unter schattigem Kastanien-Gehölz: Seit geraumer Zeit wurde das traditionelle Wirthaus von der jungen Familie Sturrus übernommen und zu einem echten Juwel ausgebaut. So auch die Gerichte, die Peter Rosenberger täglich sehr abwechslungsreich einsetzt. Halbes ausgelöstes Hendel in gebackener Form mit Gurken-Erdäpfel-Salat, der gekochte Klassiker: ein Tafelspitz vom Rindvieh, der sich in der Suppe richtig zuhause fühlt, begleitet mit herzhaften Rösti und Rahmgemüse. TopTipp sind aber allemal die feinen süßen Verführungen für Naschkatzen, die immer besonders schmecken, ob auf der Veranda, im Speisesaal, im Schankstüberl oder im schönsten Gastgarten Wiens genossen.

Restaurant Waldtzeile
Speisingerstraße 2
1130 Wien
Tel 01 8045394
www.waldtzeile.at
Täglich 10.30-24, Küche bis 22 Uhr

  

WUK: erinnert ans grüne London zwischen Lächelbogen der Kunst und Ziegelbau. Hier lebt die Szene – ob Musik, Malerei oder der Text als Bewegungsmelder in unserer finsteren Zeit. Selbstbedienung, Spaß, Gelächter  und junges Weggehvolk, das hier täglich eine Party steigen lässt trifft man hinter den dicken Mauern abseits der Währinger Straße. Der Ort versprüht einfach Kreativität und erweckt neue Zeiträume in der Stadt, wo Geld nicht die Welt regiert. 

Statt-Beisl im WUK
Währinger Straße 59
1090 Wien
Tel 01/4087224
Mo-So ab 17 Uhr

   

  

  

 

Zum Kaiserwalzer, eine grüne Oase wo Sinn und Freude sich ein „Servus” zuprosten!

Wolfgang Lehmann verwöhnt ab 16.00 Uhr mit erstklassigen Schmankerl der „Alt-Wienerküche” sowie mit Klassikern vom Lavastein und Innereien großartig  aufgetischt, mitten im satten Grün  dieses gastronomischen Fleckerls. Mittwochs, Donnerstags, Freitags bei herrlichem Wetter riecht man bis in die Mariahilferstraße das Bratgut von Esche und Co und macht uns zur Vor-Sommerzeit so richtig froh! Dazu werden ausgesuchte Tropfen in Rot und Weiß aus Österreich serviert. Toptipp: unbedingt ein Platzerl an diesen 3 Tagen reservieren und glauben sie uns: es wird ein wunderbarer lukullischer Abend für alle, die an ihrem Tische Platz nehmen.

   

 

Wirtshaus Kaiserwalzer
Tel.: 01 585 77 23
Eszterhazygasse 9
1060 Wien
Mo-Sa 11-24 Uhr

 

Autor & Bilder: max von merlot


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