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ImPulsTanz: Nymphen tanzen Dichtung

Fabelspielchen vom Feinsten: In helles Licht, goldglänzenden Brustschmuck und elfenhaftes Gebrabbel hüllte die kanadische Choreographin Marie Chouinard gestern, Dienstag, das Theater an der Wien.

Die ImPulsTanz-Premiere von “Orpheus and Eurydice” nutzte den antiken Mythos als Ausgangspunkt für ein fröhliches, poetisches Verharren auf dem Wesen der Sprache, der Versuchung des Zurückschauens und dem Zauber der Unterwelt – und steckte das Publikum mühelos mit nymphenhaftem Frohlocken an.

Er gilt als der erste Dichter, noch sein abgehakter Kopf sang, auf dem Meer treibend, das Lied von seiner geliebten Eurydice. Doch Orpheus konnte sie nicht retten, missachtete das einzige Gebot des Unterweltgottes und verlor seine am Hochzeitstag verstorbene Frau für immer. Er hätte sich eben nicht umdrehen dürfen, am Weg zurück ins Irdische. “Don’t look back!” heißt das Lieblingsspiel der lustigen Unterweltbewohner, mit dem sie sich selbst in moderierten Wettbewerben die Zeit vertreiben. Und so lautet auch die Anweisung – “Attention! Attention!” – an das Publikum, wenn sich die etwas durchgeknallte Eurydice turnend über Köpfe und Schöße der Parkett-Zuseher flüchtet und am Geländer der Logen über ihren eigenen Spagat amüsiert.

Es durfte gelacht werden, auch befreiend geschrien, wie es die Tänzer gleich zu Beginn vormachten. Verschmitzte Weibchen mit Pelzkappen und sonst nicht viel, lüsterne Männchen mit riesigen schwarzen Phalli und hochhackigen Stöckelschuhen erschaffen eine fabelhafte Welt der fröhlichen Verfremdung. Ganz ohne Bühnenbild, fast ohne Story, nur scheinbar ohne Worte. Denn Orpheus, der erste Dichter, hat sie bezaubert mit der Macht seiner Poesie. Hat sie angesteckt mit Sprache, ihre Körper sehnsüchtig gemacht nach Artikulation. Mit den klimpernden Goldkügelchen, die über den Boden klingeln, in den Mund gesteckt schimmernd herausleuchten und in den Händen orientalisch anmutende Laute erzeugen, hat Chouinard ein wunderbares Symbol für Dichtung als Objekt der Begierde gefunden.

Sprühende Komik, unbändige Sinnlichkeit und unmittelbar bildhafte Verständlichkeit sind die Markenzeichen der Compagnie Chouinard. Doch es sind mehr als bezaubernde Bilder, mehr auch als ein die Nacherzählung eines Mythos, die hier so federleicht auf den Zuseher einstürmen. Es ist die Erkenntnis, dass man Geschichten in gleichzeitige Momente auflösen, dass man Sprache ohne zu Sprechen in die Luft werfen und dass man Dichtung tanzen kann.

“Orpheus and Eurydice” von Compagnie Marie Chouinard, weitere Vorstellung: 24. 7., 20.30 Uhr.
Karten und Infos zum Festival unter: www.impulstanz.at

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