Immer mehr und immer billigeres Kokain kommt nach Europa

Die UNO-Drogenbehörde befürchtet einen steigenden Kokainkonsum in Europa.
Die UNO-Drogenbehörde befürchtet einen steigenden Kokainkonsum in Europa. ©pixabay.com (Sujet)
In Europa gibt es immer mehr und immer billigeres Kokain. Die UNO-Drogenbehörde befürchtet deshalb einen steigenden Kokainkonsum in Europa.

Während der Corona-Pandemie sind nach UNO-Angaben mehr Cannabis und Beruhigungsmittel konsumiert worden als zuvor. In einer Umfrage unter Gesundheitsexperten in 77 Ländern sei aus 66 Prozent der Länder eine häufigere Nutzung gemeldet worden, berichtete das UNO-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) am Donnerstag in Wien. Die Behörde geht in ihrem jährlichen Weltdrogenbericht von langfristigen Veränderungen bei Drogen-Angebot und Nachfrage durch die Pandemie aus.

Nachfrage nach Cannabis und Beruhigungsmittel global gestiegen

Unabhängig von Covid-19 warnte das UNODC von immer mehr und immer billigerem Kokain in Europa. Deshalb sei ein Anstieg des Kokainkonsums zu erwarten, heißt es im Weltdrogenbericht. Verbrecherbanden aus der Balkanregion würden spanischen und italienischen Gruppen zunehmend Konkurrenz beim Import dieser Drogen aus Südamerika machen, hieß es. Diese neuen Akteure am Drogenmarkt arbeiten demnach teils ohne Zwischenhändler, bezogen wird das weiße Pulver meist direkt aus den Anden.

Durch die veränderten Handelsrouten und den steigenden Wettbewerb kommt nicht nur mehr, sondern auch reineres Kokain nach Europa. Der Reinheitsgrad ist laut UNODC im vergangenen Jahrzehnt um 40 Prozent gestiegen. Der Bericht nannte die Hafenstädte Antwerpen, Rotterdam, Hamburg und Valencia als wichtige Umschlagplätze. Abwasseranalysen würden besonders hohe Kokain-Werte in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien und in westdeutschen Städten zeigen, sagte UNODC-Analyst Thomas Pietschmann.

Drogen werden auch zunehmend produziert

Auch andere Drogen werden zunehmend nachgefragt, aber auch produziert: Wegen der aus der Pandemie resultierenden Wirtschaftskrise werde es zum Beispiel in Afghanistan immer attraktiver, Geld mit der Produktion von Opium zu verdienen, berichtete das UNODC. Demnach stieg dort die Anbaufläche im Vorjahr um 37 Prozent. Das Land entwickle sich außerdem zu einem wichtigen Amphetamin-Lieferanten in der Region.

Auch Schulschließungen wegen der Pandemie haben demnach Auswirkungen. Aus Lateinamerika gebe es Berichte über kriminelle Gruppen, die Kinder für die Drogenproduktion rekrutierten, sagte UNODC-Chefanalystin Angela Me. Die UNO-Behörde erwartet auch, dass die Krise die Nachfrage erhöhen wird. "Einige soziale und wirtschaftliche Faktoren wie Beschäftigung, Bildung oder Armut haben deutliche Auswirkungen auf Drogenabhängigkeit", sagte Me.

Wegen der Kontaktbeschränkungen wurden Partydrogen wie Kokain oder Ecstasy im Vorjahr weniger konsumiert.

Drogenbehörde über globale Cannabis-Trends besorgt

Die UN-Drogenbehörde ist auch besorgt über globale Cannabis-Trends. Der Gehalt der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) in dieser Droge habe sich während der letzten zwanzig Jahre in den USA vervierfacht und in Europa verdreifacht. Obwohl THC zu psychischen Problemen führen könne, sei das Bewusstsein über die Gefahr in diesem Zeitraum stark gesunken, hieß es unter Verweis auf Studien unter Kindern und jungen Erwachsenen in westlichen Ländern.

Laut den jüngsten verfügbaren Zahlen starben im Jahr 2019 eine halbe Million Menschen an den Folgen von Drogenkonsum. Mehr als die Hälfte der Todesfälle war auf Hepatitis zurückzuführen, die durch Injektionsnadeln übertragen werden kann. Die vielen Überdosis-Fälle mit Opioiden wie Fentanyl spielten ebenfalls eine wichtige Rolle, berichtete das UNODC.

(APA/Red)

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