"Im Zentrum": Wie lassen sich die Impfungen beschleunigen?

Wie lässt sich das Impfen in Österreich beschleunigen?
Wie lässt sich das Impfen in Österreich beschleunigen? ©APA/ROBERT JAEGER
Die Impfung ist die wirksamste Waffe im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Gleichzeitig wird es noch Monate dauern, bis alle, die es wollen, geimpft sind. Einige Unternehmer wollen auf eigene Faust Impfstoff besorgen. Kann das Tempo bei der Zulassung und bei der Beschaffung von Impfstoffen seriös beschleunigt werden?

"Wettlauf um die Impfung - Warum geht das nicht schneller?" hieß die Frage, die am Sonntagabend die Gästerunde in der ORF-Sendung "Im Zentrum" beantworten sollte. Als "Bremser" wurden etwa EU-Kommissions-Chefin Ursula van Leyen und die fehlende österreichweite Impfstrategie gegen Corona ausgemacht. Gesundheitsökonom Christian Köck trat für "eine nationale Logistik, die den Föderalismus ignoriert" ein, während der Hotelier Christian Harisch in der EU ein Hemmnis sah.

Köck, ehemaliger Politiker und jetziger Geschäftsführer der Klinikum Austria Gruppe, gab zu bedenken, dass in Dänemark bis 35 und in Ungarn bis 50 Prozent mehr Dosen im Vergleich zu Österreich verimpft würden. Jedes Bundesland würde hierzulande anders vorgehen, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) solle daher nicht weiter auf die Partikularinteressen Rücksicht nehmen, sondern das Verteidigungsministerium mit der Logistik beauftragen - dann hätte man alle Impfdosen schnell verimpft. Wenn man schon von einem Kampf gegen das Coronavirus spreche, dann brauche es auch eine nationale Strategie, so Köck.

"Hausärzte können und wollen impfen"

"Wir können Österreich in zwei Monaten durchimpfen", warf die im niederösterreichischen Ebreichsdorf niedergelassene Hausärztin Cornelia Tschanett ein. Die Menschen wären bereits mürbe, weil es keine Perspektive gebe. Sie dürfe in ihrer Ordination nicht impfen, sagte die Allgemeinmedizinerin, obwohl Infrastruktur und Wissen um die Patienten vorhanden sei. Ältere Leute über 80 Jahre hätten zum Teil auch keine Möglichkeit, sich per E-Mail anzumelden, aber "wir Hausärzte können impfen und wollen impfen". Statt zu ihrem niedergelassenen Arzt müssten ältere Patienten von Ebreichsdorf nach St. Pölten oder von Puchberg am Schneeberg nach Amstetten reisen.

Der Kitzbüheler Hotelier und Rechtsanwalt Harisch trat ebenfalls für eine Verimpfung durch die "4.000" Hausärzte ein, andernfalls wäre das, als wenn statt dem Koch der Chauffeur kochen solle. Zudem begrüßte er die Initiative von Bundeskanzler Kurz gemeinsam mit Israel und Dänemark bei der Zusammenarbeit für Impfdosen der zweiten Generation. Versagt hätte hingegen die EU-Kommissions-Chefin Ursula van Leyen: "Hier werden Existenzen zerstört, weil man nicht in der Lage war, genug Impfstoffe zu kaufen", so der Betreiber von Hotels in Tirol, Deutschland und Großbritannien.

Mehr Impfstoff im März

Schon im März werde es aber ausreichend Impfstoffe geben, warf zu diesem Vorwurf die Präsidentin des österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller, Renee Gallo-Daniel ein. Alle Hersteller hätten die Kapazitäten ausgebaut, und "ich glaube zu wissen, dass mit März die Zahl der Dosen steil nach oben gehen wird", sagte sie. Laut Gesundheitsministerium sollen da eine Million Dosen mehr Impfstoff zur Verfügung stehen als im Jänner und Februar zusammen.

Köck war indes Einzelaktionen gegenüber Firmen skeptisch, die sich wie von Palfinger-Chef Andreas Klauser zuletzt angekündigt selbstständig Impfstoffe beschaffen wollen - wie er auch Skepsis gegenüber Einzelaktionen von EU-Staaten außerhalb der EU habe: Würden Firmen die Impfstoffe derart besorgen, würde das den österreichischen Sozialkontrakt sprengen.

Johnson & Johnson steht bald bereit

Christa Wirthumer-Hoche, Leiterin der AGES-Medizinmarktaufsicht und Vorsitzende des Management Boards der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) warnte vor solchen Plänen angesichts der vielen Fälschungen von Impfstoffen. Gallo-Daniel warf ein, dass die Hersteller ohnehin nur mit der EU in Verhandlung seien und nur an diese Staaten liefern würden. Die andere Lösung, auf russische Vakzine wie Sputnik oder chinesische Produkte per Notfallzulassung zu setzen, wie etwa in Ungarn wäre einem "russischen Roulette" vergleichbar, so Wirthumer-Hoche. Entsprechende Daten müssten von der EMA erst geprüft werden, und diese Daten würden bereits an die EMA geliefert. Und mit dem Vakzin des US-Herstellers Johnson & Johnson stünde ohnehin bald ein viertes Vakzin für die EU-Staaten bereit.

Auf eines müsse man sich aber gefasst machen: "Auf lange Sicht wird es eine multivalente Impfungen geben", sagte Wirthumer-Hoche abschließend. Also ein Vakzin, das gegen mehrere Stämme des Coronavirus wirke. Hier würde die EU jedoch vorausschauend handeln, sodass Nachfolge-Produkte der jetzt zugelassenen Vakzine rasche Freigaben erhalten würden.

(APA/Red)

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