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IHS-Chef Kocher: Keine Alternative zu Lockdowns

Kocher sieht aktuell keine Alternativen zum Lockdown.
Kocher sieht aktuell keine Alternativen zum Lockdown. ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Laut dem IHS-Chef Kocher gibt es aufgrund der Infektionsdynamik aktuell keine Alternative zu Lockdows. Jedoch würden die Lockdowns auch die Zeit nach der Pandemie erschweren.

IHS-Chef Martin Kocher sieht wegen der Infektionsdynamik keine Alternative zu Lockdowns. Je länger die Einschränkungen dauerten, desto schwieriger werde es, den Konsum nachzuholen. Kurzfristig verursache ein Lockdown, wie man ihn seit November erlebe, geschätzt Kosten von einer Milliarde pro Woche. Je länger er dauere, desto höher würden die wöchentlichen Kosten, weil ein Teil des Konsums nicht mehr nachgeholt werde oder im großteils nichtösterreichischen Onlinehandel laufe.

Lockdowns machen Zeit nach der Pandemie schwieriger

Wie viele Lockdowns hält das System noch aus, ohne zu kollabieren? "Endlos sicher nicht, aber der Spielraum ist noch da", sagte der Ökonom in einem Interview in der "Tiroler Tageszeitung". Allerdings verursache das aktuelle System der Unterstützung, je länger es dauere, immer mehr Kollateralschäden. Die Wirtschaftsstruktur werde quasi eingefroren, Betriebe würden von Unterstützungen abhängig, langfristige Belastungen aus den Stundungen von Beiträgen und Steuern seien unklar. "Es gibt sicher kein Kollabieren, aber mit jeder Lockdown-Woche wird die Zeit nach der Pandemie auch wirtschaftlich schwieriger. "Zudem werden auch schwierige politische Entscheidungen nötig sein", befand Kocher.

Der Wirtschaftsforscher erwartet derzeit, dass bis Ende 2022 der Konsum so stark ansteigt, dass die Sparquote wieder annähernd auf das Vorkrisenniveau zurückgeht. Ein Teil des Konsums werde also sicher nachgeholt werden. Was die heurige Wintersaison im stark vom Tourismus abhängigen Tirol betrifft, so zeigte sich Kocher in der "TT" eher pessimistisch.

Schweiz sei etwas liberaler als in anderen Ländern

Kochers Vorgänger an der Spitze des Wiener Instituts für Höhere Studien, der in St. Gallen lehrende Ökonom Christian Keuschnigg, erläuterte im "Presse"-Interview, warum - anders als in Österreich und anderen Teilen Europas - in der Schweiz trotz hoher Infektionszahlen Hotels, Gastronomie und Handel weitgehend geöffnet sind. Dass für die Schweizer die Wirtschaft über der Gesundheit steht, würde er so allgemein nicht sagen. "Auch in der Schweiz gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen. Insgesamt ist man hier aber wohl etwas liberaler als in anderen Ländern." Jetzt werde es aber neue Verschärfungen geben, auch Restaurants und Sportstätten sollen geschlossen werden." In manchen Regionen hätten schon jetzt weder Skilifte noch Hotels offen. In der Schweiz werde sehr viel auf Kantonsebene entschieden. Österreich sei da um Dimensionen zentralistischer.

Der Wirtschaftseinbruch in der Schweiz sei nicht so groß wie befürchtet. Die Situation sei natürlich angespannt, aber immer noch besser als viele vorausgesagt hätten. Insgesamt sei die Schweizer Wirtschaft sehr innovativ und robust, wie sie in der Vergangenheit immer wieder bewiesen habe. Insgesamt ist der Tourismus natürlich massiv eingebrochen, der Sektor sei gesamtwirtschaftlich aber bei Weitem nicht so wichtig wie in Österreich.

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(APA/Red)

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