Ihr Mann und der Fremde

Zett ist als Ingenieur sehr erfolgreich. Als sich seine Frau zu Tode stürzt, gerät die heile Welt aus den Fugen. Dann die Ernüchterung, als Zett das Tagesbuch findet und von einem geheimen Doppelleben seiner Frau erfährt.

Manfred Rumpl
Ihr Mann und der Fremde
Luftschacht

Inhalt

Es war immer Zetts Traum: eine attraktive Frau an seiner Seite, zwei gesunde Kinder, ein Haus am Stadtrand. Als Angestellter eines Ingenieurbüros verdiente er gut, die Kinder, die seit kurzem aus dem Haus waren, führten ihr eigenes Leben. Und Valery? Sie war ihm zwar fremd und manchmal wirkte sie wie abwesend, doch war es nicht ungewöhnlich, wenn mit den Jahren, den Höhen und Tiefen, das anfängliche Glück ein wenig verblasste.

Als Valery zu Tode gestürzt vor einem Stundenhotel aufgefunden wird, ist unklar, ob es sich um einen Unfall, um Selbstmord oder Fremdverschulden handelt. In Tagebuchaufzeichnungen erfährt Zett von einem Doppelleben seiner Frau, in dem der Körper zum letzten und einzigen Glücksbringer geworden ist. Von einer Welt fernab seiner eigenen bürgerlichen Moral, wo Zweifel und Sicherheiten dem ständigen Verlangen nach la petite mort, den kleinen Tod zu sterben, hingegeben werden. Was Zett in seinen zwanzig Jahren Eheleben für unverrückbar gehalten hat, bedarf einer gänzlich neuen Erinnerung aus dem Blickwinkel unkalkulierbarer erotischer Begierde.

Manfred Rumpls neuer Roman ist ein literarischer Porno. Verbunden mit Versatzstücken des Detektivromans handelt er – manchmal ironisch-trashig, doch immer tief melancholisch – von der neurotischen Sehnsucht nach einem erfüllten Leben und der stets lauernden Bedrohung einer völligen Entmystifizierung des Sexuellen.

Vienna Online Rezension

Herrschende Melancholie und die klägliche Suche nach Glück, welche bei steigender Bemühung umso mehr zum Scheitern verurteilt ist. Rumpl beschreibt das Leben, oder Vor-sich-Hinvegetieren, zweier Menschen, die sich in keinster Weise verbunden fühlen. Die Frau taumelte in die Ehe, kurz bevor ihr Leben erst richtig begonnen hatte. Zett hatte nie den Wunsch verspürt, zu leben. Zwei Menschen, die vom Charakter her nichts mit einander zu tun haben, werden für 20 Jahre emotional zusammengepfercht. Valerys Vitalität verkümmert nach und nach bis nurmehr eine extreme und unersättliche Form der Sexualität sie daran zu erinnern vermag, dass sie noch am Leben ist. Zett verliert sich in seiner Arbeit und fügt seiner Frau und seinen Kindern unschuldig durch seine farblose, unterentwickelte Gefühlswelt großes seelisches Leid zu. Rumpl zeichnet ein Familienschicksal, dass durch gekonnten Schreibstil und die Thematik erschreckend real scheint. [MAS]

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