"Ich bin derselbe Sänger geblieben"

Rolando Villazon, gefeierter Star­tenor, viel gerühmter Netrebko-Traum­part­ner, quirliger Spaßvogel und herausragend musikalischer Opernheld, hat in letzter Zeit immer wieder mit Absagen und Stimmproblemen für Gesprächsstoff gesorgt.
Villazon im APA-Interview
Umjubeltes Comeback
Villazon kämpft mit der Stimme

Auch bei seinem Liederabend bei den Salzburger Festspielen am gestrigen Sonntagabend hinterließ er den Eindruck, noch nicht zu seiner alten Klasse zurückgefunden zu haben. Die APA traf den 38-jährigen Mexikaner am Montag zum Interview.

APA: Herr Villazon, Sie wollen vor allem über die “Roten Nasen Clown Doktors” reden. Also gut. Warum unterstützen Sie diese Institution?

Villazon: Weil ich das für besonders wichtig halte. Als die Clown Doktors auf mich zugekommen sind, war ich sofort begeistert. Ich habe ja selbst als Clown gearbeitet, als ich 18 Jahre alt war. Was die Clown Doktors tun, ist mehr als Unterhaltung. Es sind bereits 230 künstlerisch und psychologisch ausgebildete Clowns, die in acht Ländern in die Krankenhäuser gehen und dort den kranken, zum Teil ganz schwer kranken Kindern Kraft und Perspektive geben. Damit wird Heilung substanziell beschleunigt. Meine Rolle darin ist nicht mehr und nicht weniger, als zu helfen, diese einzigartige Institution bekannter zu machen.

APA: Zur Musik: Sie haben ein Album mit dem Titel “Mexico” aufgenommen. Darauf zu hören sind vergleichsweise populäre, um nicht zu sagen kommerzielle Songs in orchestralen Arrangements. Wie passt das zu Ihrer Opernkarriere?

Villazon: Alles, was ich tue, ist eine Herzensangelegenheit. Diese Musik ist ein Teil von mir. Damit bin ich aufgewachsen. Ich habe diese Lieder von meiner Großmutter und dann von meiner Mutter gehört. Die ersten Konzerte meines Lebens habe ich mit dieser Musik bestritten. Ich habe CDs mit Musik von Verdi, Donizetti oder Händel aufgenommen – warum also nicht wieder einmal etwas anderes singen? Außerdem ist das Jahr 2010 für Mexico ein ganz besonderes Jahr, da feiert das Land 100 Jahre Revolution. CD und DVD werden im kommenden September erscheinen und sind mein Beitrag zu diesem großen Fest.

APA: Wie haben Sie sich gestern bei Ihrem Liederabend in Salzburg gefühlt?

Villazon: Es war ein sehr schöner Abend. Ein Liederabend bei den Salzburger Festspielen ist immer eine besondere Herausforderung. Die Auftritte in Salzburg gehören zu den wichtigsten in meinem Leben.

APA: Haben Sie ihre Stimmband-Operation gut überstanden, fühlen Sie sich wieder ganz fit? Haben Sie das Gefühl, wieder der Alte zu sein?

Villazon: Absolut. Ich bin glücklich, dass die Probleme des Vorjahres Vergangenheit sind. Wenn es noch irgendein Problem gibt, dann ist es ein Problem, wie es jeder Sänger hat. So hatte ich in den letzten Wochen Probleme mit Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre, Anm.), das hat mir zu schaffen gemacht. Aber sonst bin ich gut drauf.

APA: Vor gut einer Woche haben Sie in Kopenhagen ein Konzert nach wenigen Minuten abbrechen müssen. Wollen Sie erläutern, was da los war?

Villazon: Da war ich leider noch nicht wieder gesund. Mehr will ich dazu nicht sagen.

APA: Hat sich durch Ihre Karriere-Pause des Jahres 2007 sowie Ihre Stimmband-Operation 2009 Ihr Umgang mit Stimme und Karriere verändert?

Villazon: Im Wesentlichen nicht. Ich bin derselbe Sänger geblieben. Der Körper, die Muskel und das ganze Leben ändern sich zwar, und so gut wie jeder Sänger durchlebt verschiedene Perioden seiner Karriere. Da gibt es immer wieder großen Druck, und das muss wohl so sein.

APA: Also werden Sie ganz normal weitermachen.

Villazon: Natürlich. 2011 werde ich mich besonders auf Mozart konzentrieren und den Ottavio in “Don Giovanni” sowie “Re pastore” singen. Aber auch “Hoffmanns Erzählungen”, eine Massenet-Produktion und irgendwann auch eine “Tosca” stehen auf meinem Plan. Was mich allerdings weniger freut, ist, dass Verträge in der Oper bis zu vier, fünf Jahre im Voraus abgeschlossen werden müssen. Das ist, wie wenn man einen Maler fragt, was er in fünf Jahren malen will. Das wäre doch absurd.

  • VIENNA.AT
  • Kultur
  • "Ich bin derselbe Sänger geblieben"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen