Hugo Meisl im Wiener Stadt- und Landesarchiv

Die EM in der Schweiz und in Österreich wirkt weiter. Das Wiener Stadt- und Landesarchiv bringt eine Serie von elf Biographien zu berühmten Persönlichkeiten des Wiener Fußballs zwischen 1920 und 1965.

Persönliche Exponate von Hugo Meisl, darunter sein Briefwechsel mit Herbert Chapman und sein Testament, sind derzeit im Wiener Stadt- und Landesarchiv ausgestellt. Die dortige Spezialausstellung “11 Biographien” ist Teil der gemeinsam mit der Wienbibliothek im Rathaus konzipierten Ausstellung “Die Eleganz des runden Leders – Wiener Fußball 1920- 1965”. Sie ist im Foyer des Wiener Stadt- und Landesarchivs im Gasometer D in Simmering (Zugang über Gasometer A) Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr zu besichtigen, der Eintritt ist frei.

Näheres zu Hugo Meisl
Meisl wurde 1881 im böhmischen Maleschau (Malešov) als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren, die noch vor der Jahrhundertwende nach Wien zuwanderte. Er gehörte dem assimilationswilligen, liberalen jüdischen Großbürgertum an, das sich rasch von seinen orthodoxen Wurzeln emanzipierte, der neuen Kultursphäre der habsburgischen Metropole erfolgreich anpasste und den individuellen Aufstieg mit der “Zeitreligion des Fortschritts” durchaus produktiv zu verbinden wusste. Der polyglotte Hugo Meisl war fasziniert von dem neu entstehenden, aus England importierten massenkulturellen Phänomen Fußball und stellte persönliche Ambition und Karriere ganz in dessen Dienste. Von 1912 bis zu seinem Tod 1937 war er Verbandskapitän des österreichischen Fußballbundes (bzw. seiner Vorläuferorganisationen), fast ebenso lang dessen internationaler Sekretär, seit 1907 FIFA-Delegierter und seit 1927 Generalsekretär des ÖFB. Zusammen mit Henry Delaunay, Giovanni Mauro und Herbert Chapman gehörte er international zu den herausragenden Funktionsträgern der Zwischenkriegszeit. Auf seine Initiative ging die Einführung des Mitropacups (einer Vorform der heutigen Champions League, die ihm in ihrem Austragungsmodus verblüffend ähnlich ist) zurück, wie auch, seit 1927, mit dem Internationalen Cup die Einführung einer Frühform von Europameisterschaften für Nationalteams. Hugo Meisl war ein konsequenter Modernisierer, und Internationalität stellte für ihn das zentrale Merkmal der Moderne dar. Anfang der 1920er Jahre räumte er ein, dass in der gegenwärtigen Situation nationale Meisterschaften “im maßvollen Rahmen” wohl noch eine Notwendigkeit darstellten, aber der “wirkliche Fußball” sich nur durch übernationalen Austausch, Länder übergreifende Konkurrenz und die Einrichtung einer internationalen Meisterschaft formieren könne. Dafür als Voraussetzung stellte er ab der Saison 1924/25 den österreichischen Fußball (gegliedert in zwei Wiener Ligen) als ersten außerhalb Englands auf professionelle Basis.

“11 Biographien” Die Eleganz des runden Leders – Wiener Fußball 1920-1965 Ausstellung im Foyer des Wiener Stadt- und Landesarchivs Simmering, Gasometer D (Zugang über Gasometer A) Kurator: Wolfgang Maderthaner Ausstellungsdauer: bis 26. September 2008

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